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Schwuler Sex in der arabischen Welt
Schwuler Sex in der arabischen Welt

Abu Nuwas, schwuler Dichter und Muslim am Hof des Kalifen Harun ar-Raschid

Abu Nuwas verfaßte schwule Liebesgedichte, auch diese persischen Miniaturen aus dem XVII. Jahrhundert zeigen ein schwules Motiv.
Abu Nuwas verfaßte schwule Liebesgedichte, auch diese persischen Miniaturen aus dem XVII. Jahrhundert zeigen ein schwules Motiv.

Abu Nuwas , eigentlich al-Hasan ibn Hani‘ al-Hakami ad-Dimaschqi (757 – 815), war ein Zeitgenosse des Kalifen Harun ar-Raschids, des bekanntesten Kalifen aus den Erzählungen aus 1001 Nacht. Der schwule Dichter Abu Nuwas gehörte zu den nadim, den Gefährten des Kalifen, also zum engeren Umfeld des Hofes um den präsumtiven Nachfolger al-Hadis und lebte am Hof in Bagdad, dem damaligen Zentrum der arabisch-islamischen Welt.

Im Westen gilt Harun ar-Raschid als Märchengestalt, tatsächlich war er ein ziemlich brutaler Herrscher, der seinen Bruder und Vorgänger al-Hadi ermorden ließ, um selber auf den Thron zu kommen. Allerdings war das nichts Unübliches in der Geschichte seiner Familie.

Abu Nuwas, schwuler Hofdichter der Kalifen

Unter dem Kalifat ar-Raschids gelangte die Kultur der islamischen Welt zu einem Höhepunkt und der Hofdichter Abu Nuwas, einer der ersten urbanen Dichter der arabischen Literatur, ist einer ihrer bekanntesten und berühmtesten Repräsentanten. Abu Nuwas verfaßte Gedichte zum Wein, zur Jagd und zur Liebe, letztere vor allem mit schwuler Ausrichtung, denn Abu Nuwas lebte mehr oder weniger offen schwul und hatte einiges übrig für attraktive Männer.

Abu Nuwas
Abu Nuwas

Allerdings mußte er sich dafür auch einiges an sehr derben Scherzen gefallen lassen. Bekannt war Abu Nuwas auch für seine sehr spitze und böse Zunge, die ihm viel Ärger einbrachte. Er galt als großes Lästermaul, was mal wieder ein Beleg dafür ist, daß die Tucke an sich mit zunehmenden Alter sehr ätzend werden kann.

Bekanntestes Ziel seiner spitzen Zunge war eine persische Familie, mit der er im Streit lag. Solange der Abbasiden-Kalif Al-Raschid und später sein Sohn Al-Amin herrschten und die herrschenden Barmakiden-Wesire ihn protegierten, konnte diese Familie nicht offen gegen ihn vorgehen. Die genauen Umstände seines Todes sind nicht genau bekannt. Allerdings war auch Abu Nuwas herrscherlicher Willkür ausgeliefert und landete wegen seiner frivolen Verse des öfteren im Gefängnis, bis es den Herrscher dann doch wieder nach den Versen des Dichters gelüstete.

Schwuler Sex in der arabischen Welt
Schwuler Sex in der arabischen Welt

In meinem Roman lasse ich Dr. Lamine die Gedichte von Abu Nuwas auf der Oud vortragen, was bei den einen Begeisterung und bei den anderen Abscheu hervorruft – wie schon vor tausend Jahren am Hofe des Kalifen.

Abu Nuwas Lobgedichte waren häufig der persischen Familie der Barmakiden gewidmet, die die Verwaltung des Reiches leiteten. Eines seiner Gedichte richtet sich an den Prinzen al-Amin, Sohn und Erbe des Kalifen Harun Al-Raschids, der später für kurze Zeit Kalif (809 – 813) war.

Hymnus von Abu Nuwas an den Prinzen al-Amin

Toi etre le plus beau que j’aie jamais vue !

Par les sens ton semblable ne saurait etre percu,

C’est dire qu’il ne peut exister !

Par la pensée, rien ne peut etre concu

qui rivaliserait avec tes graces infinies !

Fait d’un unique limon,

Tu fus crée sans patron.

Quel confidet peut t’égaler ou te surpasser ?

Supérieur aix hommes et au génies,

O Al-Amin, l’Empire eut été nu,

S’il ne t’avait èchu !

aus: Bacchus à Sodome, éditions Paris-Méditerranée, 2004, ISBN 2-84272-213-2

Ein weiteres, satirisches Gedicht von Abu Nuwas:

O Sulayman, sing für mich und gib mir einen Becher Wein…

Wenn der Wein herumgereicht wird, ergreif ihn und gib ihn mir!

Gib mir einen Becher Ablenkung vom Ruf des Muezzin

Gib mir Wein, ihn öffentlich zu trinken

Und sodomitisier und fick mich jetzt.

Über Hagen Ulrich

Seit 2012 schreibe ich Fantasyliteratur. Mir hat es das Genre Urban Fantasy angetan und mir gefällt die Idee, darüber nachzudenken, was denn wäre, gäbe es die mythischen und magischen Wesen unter uns. Darüber hinaus sehe ich Fantasy als literarisches Stilmittel, um gesellschaftliche Themen zu diskutieren. Mein Thema ist Kirche und Religion, LGBT-Fragen ebenso wie der Umgang mit dem rechten Haß, der durch die Gesellschaft wabert. 2018 habe ich mit meinem Partner den Bundeslurch Verlag gegründet, der Fantasyliteratur veröffentlichen wird.

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