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Gedanken zum Abschluß des Romans Hochzeit der Vampire

Diees Buch ist entstanden nach einem Kinobesuch und ob ich mich nun als Autor sehe, das sei mal dahingestellt. Aber wenn man anfängt, sich mit dem Schreiben, also dem Verfassen von Texten etwas ernsthafter zu beschäftigen, dann kommen Fragen des Stils auf einen zu. Wie schreibe ich eigentlich? Wollen andere das überhaupt lesen? Wie erschaffe ich den Inhalt und die Charaktere?

Ein Buch entblößt ja immer auch ein wenig den Autor, denn es fließen Vorstellungen, Erfahrungen und Ideen des Schreibers mit in die Personen, Handlungen und Ereignisse des Romans. Als ich einen Großteil des Romans fertig hatte, habe ich den Entwurf einem guten Bekannten gegeben, von dem ich wußte, daß er mir seine Meinung ehrlich sagen würde. Sein Urteil war, daß es gut lesbar war und er sah es als lesenswert geschrieben an. Das gab mir auch ein wenig den Ansporn, das Buchprojekt zu beenden und zu vertiefen. Vorher hatte ich schließlich noch nie Texte verfaßt, die über eine Präsentation oder einen Vortrag hinausgingen.

Auch als der Verleger meinte, das Buch sei gut geschrieben, war das natürlich eine gewisse Erleichterung und Ansporn zugleich.

Da ich keinen Kontakt habe zu anderen Autoren, mit denen man sich austauschen könnte, habe ich auf das allseits bekannte und beliebte Internet mit seinen reichlichen Quellen zurückgegriffen. In den sogenannten Autorenforen kommt man nicht weit, da wird einem sofort unterstellt, man wolle nur Werbung für sein Buch machen. Das ist Ausdruck eines deutschen Phänomens, das etwas, das mit dem Wunsch des Geld verdienen wollens eventuell in Verbindung stehen könnte und die Betonung liegt hier auf könnte, schon als unmoralisch ansieht.

Es möge mal jeder darüber nachdenken, welches Zielpublikum sich angesprochen fühlen könnte von einem Roman, dessen Handlung sich um zwei junge Männer und ihre Familien dreht, in einen Fantasyrahmen eingebettet ist und in Bonn spielt. Ich lasse mich zwar gern überraschen und würde notfalls auch ein zweites Konto bei meiner Bank eröffnen, wenn das erste wegen Überfüllung geschlossen wird – aber mal ernsthaft, von dem Schreiben eines Buches werden die allerwenigsten leben können.

Nun genieße ich es, bei einem Kaffee an einem meiner Lieblingsorte, als da wären das Café im Kunstmuseum Bonn oder das Starbucks in der Bonner Innenstadt zu sitzen und zu überlegen. Leute beobachten und die Ideen festhalten, die mir beim Anblick kommen.

Kennen Sie das auch? Sie sehen jemand und haben sofort eine Vorstellung von demjenigen, ob sie nun zutrifft oder nicht. Zum Beispiel, wenn man in einem Studentencafé sitzt, es kommt eine Gruppe Studenten rein, sehr gepflegt, gut angezogen, sorgfältig geschnittene Haare, vielleicht noch ein leicht arroganter Blick, dann wissen Sie einfach, das sind BWLer oder Juristen. Sind die Typen eher etwas ungepflegt, wirken ein wenig, als ob sie nicht ganz von dieser Welt seien, kombinieren Norwegerpullies mit Jesuslatschen und machen den Eindruck, der eigene Körper sei ein großes Mysterium – alles klar, diese Nerds können nur Physiker oder Informatiker sein, die bei der Erwähnung eines Higgs-Boson-Teilchens ein erotisches Erlebnis haben. Taucht hingegen eine junge Frau auf, die mit einem Laptop auf dem Schoß an einem Pott schwarzen Kaffee nippt, Zucker und Milch sind bestimmt nicht drin, geht man davon aus, die Gute studiere Kunstgeschichte und wolle die Zeit zwischen Abitur und Schwangerschaft irgendwie überbrücken. Genauso wie der Anblick gutgebauter junger Männer mit schwarzen Haaren und türkisch-arabischen Aussehen im offenen BMW nur den Schluß zuläßt, daß die Jungs außerhalb ihres Biotops Fitneßcenter und BMW höchstens Umgang mit einem Sozialarbeiter oder Bewährungshelfer haben und ansonsten frei von höherer Bildung eine Karriere als Türsteher anstreben. Ey, Du kommst hier nicht rein!

Überraschend wird es dann, wenn der erste Eindruck sich überhaupt nicht bestätigt. Bei einer bestimmten Gelegenheit im Jahr sehe ich verschiedene Personen, die miteinander nur wenig oder überhaupt keinen Kontakt haben. Darunter zwei Studenten, die schon seit mindestens vier Jahren dazugehören. Einer davon inspirierte mich zu der Figur des Jan Meyer-Frankenforst. Nur der äußere Anblick und sein Auftreten, der Rest hat mit dem Buchcharakter überhaupt nichts zu tun. Oder die Jungs, die ich beim Sport sehe, darunter viele Kraftsportler mit Migrationshintergrund.

Alles klar, Fitneßcenter und Kraftsport vulgo Bodybuilding, die Jungs sind sowieso nur doof und haben einen IQ, der sich umgekehrt proportional zur Muskelmasse entwickelt. Außerdem nehmen die alle Anabolika und Steroide. Letzteres kann ich nicht beurteilen, darüber habe ich noch mit keinem gesprochen, aber von doof kann keine Rede sein. Die betreiben ihren Sport ernsthaft und beschäftigen sich planmäßig mit ihrem Körper und seiner angestrebten Entwicklung. Es wummert auch nicht immer HipHop oder Rap aus den Ohrhörern, ich habe bei so der Sportler kennengelernt, die ihren Sport als Entspannung und Ausgleich zum Job oder Studium betreiben und dann nebenher auf dem Laufband noch Vokabeln memorieren.

Das Buch ist jetzt weitestgehend fertig, aktuell ist es beim Lektor, der es durcharbeitet. Bei 460 Seiten können sich schon einige Rechtschreibfehler einschleichen, beim Formatieren von Word zu einem pdf verschwanden auf einmal Leerzeichen zwischen einzelnen Wörtern oder man kann hier und da noch Füllwörter kürzen. Ich habe auch noch ein Kapitel geschrieben, das ich dem eigentlichen ersten Kapitel vorangestellt habe und in dem die Vorgeschichte des familiären Dramas der Bucharis erklärt wird.

Momentan lesen zwölf Bücherblog-Betreiber eine Vorabversion des Buches und ich bin mal gespannt, was diese Rezensenten demnächst zu den Geschichten rund um die Familien Meyer-Frankenforst und Al-Buchari zu sagen haben.

Beim Stöbern im Internet bin ich auf eine witzige Seite gekommen. Im FAZ-Feuilleton wird auf ein Stilanalysetool hingewiesen, bei dem man seine Texte analysieren lassen kann, um herauszufinden, wessen Schreibstil die eigenen Texte nahekommen. Als ich Texte aus dem Buch dort eingab, kam heraus, daß das Buch im von Stil von William Shakespeare, Edgar Allan Poe, Peter Handke, Rainer Maria Rilke, Alexa Hennig von Lange und Ingo Schulze geschrieben ist.

Ähem…

Ich glaube, das läßt eher den Schluß zu, daß an diesem Tool noch etwas gearbeitet werden muß, laut den Kommentatoren kam auch heraus, daß Texte von Marcel Reich-Ranicki den Schluß zulassen, daß er den Stil von Peter Handke pflegt…

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Über Hagen Ulrich

Seit 2012 schreibe ich Fantasyliteratur. Mir hat es das Genre Urban Fantasy angetan und mir gefällt die Idee, darüber nachzudenken, was denn wäre, gäbe es die mythischen und magischen Wesen unter uns. Darüber hinaus sehe ich Fantasy als literarisches Stilmittel, um gesellschaftliche Themen zu diskutieren. Mein Thema ist Kirche und Religion, LGBT-Fragen ebenso wie der Umgang mit dem rechten Haß, der durch die Gesellschaft wabert. 2018 habe ich mit meinem Partner den Bundeslurch Verlag gegründet, der Fantasyliteratur veröffentlichen wird.

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