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Ein Gewitter veranlaßt Tausende von Bienen, im heimischen Stock Zuflucht zu suchen
Ein Gewitter veranlaßt Tausende von Bienen, im heimischen Stock Zuflucht zu suchen

Der Imker Clemens Meyer-Frankenforst, 74, ein frühpensionierter Lehrer

Clemens Meyer-Frankenforst ist der Großonkel von Jan und Nina. Er ist frühzeitig in den Ruhestand gegangen, nachdem er dem Schulalltag nicht mehr gewachsen war. Im Ruhestand hat er aus seinem Hobby eine tagesfüllende Tätigkeit gemacht und züchtet als Imker nun Bienen. Wenn in der Imkerei nichts zu tun ist, genießt der alte Herr Oud-Musik im Wintergarten bei seinem zweiten Hobby, der Orchideenzucht.

Unter den Augen von Clemens IX und im Angesicht blühender Orchideen entstehen meine Romane
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Als Jan und Ninas Eltern als Unbeteiligte einem Attentat zum Opfer fallen, hat der alte Imker die verwaisten Geschwister aufgenommen und bemüht sich, ihnen den Vater zu ersetzen. Als junger Lehrer lernte er Faris Lamine kennen und hat seitdem ein Faible für klassische arabische Musik. Die beiden Freunde stehen in engen Kontakt und schicken sich ihre jeweiligen Protegés zu.

Jan hat ein vertrauensvolles, väterliches Verhältnis zu seinem Großonkel, braucht aber lange, bis er sich ihm vollends öffnet und ihn auch einmal um Rat in seiner Beziehung zu Elias fragt.

Imker und Lehrer aus Bad Godesberg

Beide Tätigkeiten waren früher im Deutschland des 19. und noch Anfang des 20. Jahrhunderts eng miteinander verknüpft. Lehrer waren nicht gerade üppig bezahlt, da bot die Tätigkeit als Imker einen willkommenen Nebenverdienst. Obwohl die Familie Meyer-Frankenforst dem konservativen großbürgerlichen Fabrikantenmilieu aus Bad Godesberg entstammt, habe ich Clemens eine eher sozialdemokratische Einstellung gegeben. Der Imker Clemens Meyer-Frankenforst ist von seiner Einstellung her so veranlagt, daß er daran glaubt, daß eine gute Bildung die besten Chancen bietet, aus einem Menschen das Beste herauszuholen. Er ist darin dem Tunesier Faris Lamine ähnlich, der ebenfalls an das Ideal des Lehrers glaubt, der dafür da ist, das Potential der nachwachsenden Generation zu fördern, bis sie den Lehrenden überholen.

Außerdem interessiert sich der alte Imker für Politik, der Sozialdemokrat schimpft gern über die Tagespolitik und ist ein Anhänger der These, daß eine Tätigkeit, die die komplette Arbeitskraft fordert, auch eine Familie ernähren muß. Von daher ist er ein Befürworter des Mindestlohns. Alles andere ist seiner Meinung nach nur eine moderne Form der Sklaverei. Für die FDP und die Kirche hat Clemens nichts übrig.

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Clemens nutzte die Gelegenheit, um quasi von Mann zu Mann ein Wort mit seinem Großneffen zu reden.

„Es scheint nun alles klarer zu sein, ich meine, es ist schön, dass ihr euren Streit beendet habt. Allerdings hätte ich nicht damit gerechnet, dass das gleich so weit geht.“ Clemens lächelte seinen Neffen an. „Wenn es dir unangenehm ist, müssen wir nicht weiterreden.“

„Nein, es geht. Clemens, es war die schönste Nacht, die ich je hatte. Wir hatten noch nicht mal Sex. Puh … Ich habe ihn nur im Arm gehalten und ein wenig geküßt, gestreichelt und seine Wärme gespürt, seinen Geruch und … ich weiß nicht, wie ich das beschreiben soll.“

„Etwas wie tausend wild flatternde Schmetterlinge im Bauch?“, half Clemens nach.

„Ja, so in etwa. Als ich heute Morgen aufwachte und ihn sah, dachte ich zuerst, ich spinne. Ich hatte geglaubt, nur geträumt zu haben. Und dann merkte ich, dass er doch da war, dass das alles real war. Clemens, ich hätte weinen können.“ Jan schaute seinen Großonkel an.

„Jan, du bist über beide Ohren verliebt, so lautet die Diagnose. Du hast Elias schon die ganze Zeit anders angeblickt, wenn ihr euch nicht gerade gestritten habt. Jeder der zwei Augen im Kopf hat, hätte es gemerkt. Umgekehrt war es genauso. Wir haben alle eigentlich nur darauf gewartet, dass ihr euch endlich darüber klar werdet. Elias war glaube ich von Anfang an dir interessiert. Du hast ihn allerdings ganz schön gequält.“

Verlegen senkte Jan den Blick. „Ja, ich war schon ein ziemliches Arschloch und habe ihn ganz schön auflaufen lassen.“

„Elias hat nicht locker gelassen und die Festung Jan Meyer-Frankenforst sturmreif geschossen. Dass ich das noch erleben darf. Wie hat er es denn geschafft?“, fragte Clemens seinen Adoptivsohn.

„Er hat mir nach Lagerfelds Unfall eine Rose aus Monikas Garten und ein Kärtchen mit einer Katzenfutterdose auf den Nachttisch gestellt. Und in der Nacht muß er mir einen Kuß auf die Wange gegeben haben. Ich habe gedacht, ich hätte geträumt, aber als ich am Morgen aufwachte, sah ich, dass ich nicht geträumt hatte. Da habe ich dann kapituliert.“ Jan überlegte noch etwas. „Naja, dann kamen noch eure Standpauken, und als ich mich bei ihm entschuldigte, kam eins zum anderen. Da wußte ich plötzlich, dass ich ihn haben wollte.“

„Jan, die Liebe zwischen zwei Menschen bewirkt, dass beide zusammen mehr ergeben als nur die Summe der beiden Teile. Solange er mit deiner Liebe besser dran ist als vorher, ist deine Liebe ihm gegenüber etwas Wertvolles. Und umgekehrt. Ich glaube, dass Elias ein sehr liebenswerter, sensibler und intelligenter Junge ist. Der verdient etwas Gutes. Und mein Junge ist etwas Gutes, das Beste, was ihm passieren kann.“ Clemens machte eine Pause und überlegte, ob er Jan die Besonderheiten der Familie Al-Buchari verraten sollte. Er entschied sich aber dagegen, das war Sache der beiden jungen Männer. Wenn sich Jan für etwas entschieden hatte, dann blieb er gewöhnlich dabei. Jan war beharrlich und nicht so leicht zu erschüttern. Und die Al-Bucharis waren in Ordnung, davon hatten sich Clemens und Monika bei ihrem Besuch überzeugt und von Oleg quasi halbamtlich bestätigt bekommen.

„Clemens? Darf ich dich was fragen?“

„Immer, mein Junge, immer. Nur zu.“

„Ich denke, ich bin schwul.“

„Das ist keine Frage, das hört sich eher nach einer Feststellung an. Wir dachten es uns schon länger, Hubert hatte uns darauf gebracht. Jan, wir sind hier im Rheinland, da stören sich die wenigsten daran. Und deine Familie ganz bestimmt nicht.“

„Ja, aber Elias kommt aus dem Maghreb. Da ist es anders.“ Der Blonde war ratlos.

„Auch hier gibt es Leute, denen das nicht gefällt. Du mußt dich dafür nicht rechtfertigen, aber du wirst es immer wieder erleben. Und vor 50 Jahren war es auch bei uns noch strafbar, schwul zu sein. Das hat sich Gott sei Dank geändert. In Elias Heimat und den anderen arabischen Ländern, ja da sieht es anders aus. Ihr müßt ja nicht dort leben. Und die nächsten Jahre werden du und Elias wohl hier bei uns sein, da Elias hier studieren will. Es spielt also erst einmal keine Rolle. Nächstes Jahr solltet ihr allerdings mal Ferien in Elias Heimat machen. Es ist schön dort und seine Familie ist anders, als es die typische arabische Familie ist. Der Clan der Al-Buchari ist sehr alt und hat seine sehr eigene Geschichte. Dein Lover wird dir sicher irgendwann davon erzählen.“ Der alte Imker wollte nicht darauf eingehen.

Jan kicherte. „Lover – wie sich das anhört.“

„Allerdings, das seid ihr wohl. Ihr werdet euch eure eigenen Regeln und Verhaltensmuster schaffen. Ich will dir eine kleine Geschichte erzählen. Es ist schon ein paar Jahre her, da kam einer meiner ehemaligen Schüler zu mir, der ein Theologiestudium angefangen hatte. Damals gab es in Bonn zwei Priesterseminare für die Kölner und die Aachener Diözese. Und es gab eine schwule Diskothek, ich glaube, es war das Bourbon in der Oxfordstraße. Wie er mir erzählte, konnte man da an manchen Tagen eine Messe mit Chor und Orchester mit den anwesenden Theologiestudenten und Priesteramtskandidaten veranstalten. Offiziell durfte das natürlich niemand wissen. Mein ehemaliger Schüler kam nicht damit zurecht, dass er sich ständig verbiegen und seinen Regens belügen mußte. Er wollte aber dennoch Priester werden, wußte nicht weiter und kam damit zu mir. Er ist dann zur Alt-Katholischen Kirche gewechselt und dort Priester geworden, den Tipp gab ich ihm. Die Alt-Katholiken sehen es nicht als Problem an, wenn ein Mann einen Mann liebt. Damit will ich dir sagen, dass man sich sein Lebensumfeld selber gestalten muß und seinen Platz finden kann.“

Jans Großonkel machte eine Pause. „Das Leben ist immer ein gewisser Kampf. Es wird passieren, dass euch ein paar alte Männer in Frauenkleidern oder mit Rauschebärten erzählen wollen, dass ihr kein gottgefälliges Leben führt und in der ewigen Verdammnis schmoren werdet. Und weißt Du was?“

Jan blickte seinen Großonkel fragend an.

„Ich würde auf einen Gott und seine Haßprediger scheißen, der eine Beziehung zwischen zwei Menschen verdammt, die auf gegenseitiger Liebe und Respekt beruht und für den anderen einsteht.“

„Clemens, das ist …!“

„Ihr beide seid erwachsen, und wenn ihr euch füreinander entscheidet, dann ist das eure Sache. Da hat kein Priester, Rabbi oder Imam irgendwas davon zu faseln, dass das Gott nicht gefällt. Sagt den Pfaffen, dass Gott es euch selber sagen soll, wenn ihm das nicht paßt. Und dass ihr dafür keine selbst ernannten Betschwestern braucht. Die haben genug Unheil damit angerichtet, zu erklären, was Gott will und was er nicht will.“

Der große Blonde war erstaunt, so radikal hatte er seinen Großonkel selten erlebt. Clemens beruhigte sich wieder.

„Onkel, ich weiß nicht, was ich sagen soll!“

Sein Großonkel blickte den sprachlosen Jan freundlich an.

„Jan, du und Nina, ihr seid unsere Kinder. Monika und ich wollen, dass ihr glücklich werdet. Und wenn in deinem Fall dazu ein Mann dazugehört, dann ist das so.“

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Über Hagen Ulrich

Seit 2012 schreibe ich Fantasyliteratur. Mir hat es das Genre Urban Fantasy angetan und mir gefällt die Idee, darüber nachzudenken, was denn wäre, gäbe es die mythischen und magischen Wesen unter uns. Darüber hinaus sehe ich Fantasy als literarisches Stilmittel, um gesellschaftliche Themen zu diskutieren. Mein Thema ist Kirche und Religion, LGBT-Fragen ebenso wie der Umgang mit dem rechten Haß, der durch die Gesellschaft wabert. 2018 habe ich mit meinem Partner den Bundeslurch Verlag gegründet, der Fantasyliteratur veröffentlichen wird.

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