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Das Vogtlandtheater in Plauen
Das Vogtlandtheater in Plauen

Der Politiker Peter Harrach, der Torquemada von Plauen

Im Böses Blut der Vampire taucht der konservative CDU-Stadtrat Peter Harrach auf, Vater von Sebastian und Sophie Harrach. Ein durch und durch verkommener Charakter, der im Laufe der Handlung immer mehr in den religiösen Wahn abdriftet.

Stadtrat Harrach hatte es im Zuge der Wende als jungen Mann aus dem katholischen Hochstift Paderborn ins sächsische Plauen verschlagen. Geboren im westfälischen Büren als Sohn einer fest im katholischen Milieu verwurzelten Familie und dort aufgewachsen, hatte er nach der Schule eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten durchlaufen, das hatte sein Lehrer den Eltern empfohlen. Dann war der junge Peter bei der Kreisverwaltung in der Katasterbehörde gelandet. Er liebte den Umgang mit klaren Regeln, mit den geduldigen Plänen und Verzeichnissen in den Aktenschränken, denn da war alles klar geordnet. In seiner Freizeit war der Westfale tätig in der katholischen Landjugend. Dort war er dem damaliger Paderborner Bischof Dyba aufgefallen, denn Peter Harrach kam gut zurecht mit den klaren Regeln, die Johannes Dyba verkündete. Er verehrte den Kirchenmann für dessen klare Worte und so war es nur selbstverständlich, daß er seine Söhne von Dyba hatte taufen lassen. Sein Ältester hieß natürlich Johannes.

Als nach der Wende im Osten Deutschlands die Verwaltung neu aufgebaut werden sollte, wurde Peter Harrach zur Treuhand abgeordnet, denn die Besitzverhältnisse und Grundstückszuschnitte in vielen Gegenden waren unklar und wer wäre besser geeignet, da Klarheit hineinzubringen als der Bürener Verwaltungsfachmann? Hier nun aber ging etwas schief im Leben des Peter Harrach, denn dem Westfalen wurde Macht zuteil. Erst nur wenig, dann aber mehr. Denn er mußte im größeren Maßstab für Klarheit sorgen. Und bei der Treuhand ging einiges schief, es fand Bereicherung statt und einige wenige profitierten von den Umwälzungen der Wendezeit.

Ein weiterer Malus war, daß er alsbald dem Plauener CDU-Vorsitzenden auffiel, als dieser bei diversen Grundstücksaktivitäten das Harrachsche Regelwerk und dessen Interpretationsbreite arg strapazierte. Der Kommunalpolitiker erkannte das Talent des Westfalen und dieser erkannte das Potential, das sich aus wechselseitigen Abhängigkeiten  ergeben konnte. Zudem legte Peter sich Dossiers an über seine Parteifreunde und er vergaß nichts. Getreu der bekannten Steigerung „Feind, Todfeind, Parteifreund“ und der Maxime, daß man diejenigen, die man nicht besiegen könnte, umarmen müsse, wurde Peter Harrach in der Plauener CDU hochbefördert. Parteintern und bald darüber hinaus als Plauener Ayathollah Torquemada bekannt, engagierte er sich im Katholikenrat der Diözese Dresden-Meißen und rief die Katholische Jugend ins Leben, um christliche konservative Werte zu verbreiten.

Der Wahlspruch des Bundestagskandidaten

Sein Wahlspruch „Harrach schafft Werte“ steht für:

  • christliche Gesetzesinitiativen auf den Weg bringen,
  • das Schulgebet wieder einführen,
  • Kruzifixe aufhängen,
  • Lehrer auf die Bibel schwören lassen,
  • Gotteslästerung zum Kapitalverbrechen erklären,
  • Marias Jungfräulichkeit im Grundgesetz verankern,
  • Bibel TV in die ARD integrieren

Harrach erfährt seine Bestätigung dadurch, daß er seine Ansichten bestätigt sieht durch den weiteren Aufstieg. Das ist für ihn ein höherer Auftrag und Belohnung seines Wirkens, aber auch Ansporn. So lasse ich ihn zum Päpstlichen Kammerherrn ehrenhalber und Träger des Päpstlichen Silvesterordens und der Auszeichnung Pro Ecclesia et Pontifice avancieren und eine Bundestagskarriere anstreben. Er bleibt bis zum Ende der fanatische Rechthaber.

In Jagd der Vampire muß Peter Harrach erkennen, dass sein Sohn Sebastian gänzlich andere Wege geht. Mehr und mehr sieht der CDU-Politiker in seinem schwulen Sohn eine Bedrohung seiner eigenen Karriere. Er wälzt Pläne und Ideen, wie er das Problem in den Griff bekommt, ja es beseitigen kann. Den Höhepunkt seiner Meinung zu Sebastian bildet eine Szene, die Malte auf dem Djema el Fna aufgenommen hat. In der Szene tanzt Sebastian mit einer gigantischen Schlange, die der Schlangenbeschwörer Slimane normalerweise gut im Griff hat. Doch die Schlange ist Malika al-Malikat, Tochter des Herrn der Karneolstadt, Sebastians spätere Magielehrerin.

Durch einen früheren Friseurunfall ist Sebastians normalerweise schwarzes Haar hennarot, was im Licht der untergehenden Abendsonne besonders leuchtet.

Peter Harrach und seine Frau Elisabeth sehen die Szene und interpretieren es dahingehend, dass Sebastian sich dem Satan ausgeliefert hat. Der bibelfeste Politiker zitiert die Offenbarung.

In Krieg der Vampire läßt Peter Harrach Sebastian entführen. Insbesondere den Kampf gegen Homosexualität hat er auf seine Fahne geschrieben und engagiert sich in Polen für die Schaffung eines Boot-Camps für schwule Jugendliche, welches er zusammen mit kirchlicher Hilfe und evangelikalen Initiativen auch umsetzt. Im weiteren Verlauf unterstützt er dort insgeheim verbotene und gefährliche Therapien an von ihren Eltern eingelieferte Jugendlichen und schreckt auch nicht davor zurück, in seinem Wahn auch seinen Sohn Sebastian „behandeln“ zu lassen, um zumindest seine Seele vor der Verdammnis zu retten.

Die Vorbilder für den CDU-Politiker Peter Harrach

Einer der Ideengeber für den Böses Blut der Vampire war die Affäre um den Plauener CDU-Stadtrat Dieter Blechschmidt. Dieser Stadtrat hatte verkündet, dass Guido Westerwelle nicht Außenminister sein dürfe, weil er schwul war. Und Eltern müßten ihre Kinder von der Homosexualität „heilen“ lassen. Dieter Blechschmidt und andere CDU-Politiker wie Norbert Geis und Erika Steinbach, aber auch katholische Publizisten wie Birgit Kelle oder christliche Amtsträger wie die Bischöfe Laun und Huonder verkörpern für mich als schwul lebenden Menschen alles, was ich als krank, widerwärtig und ekelerregend finde. Peter Harrach ist eine Synthese der Werte, für die in meinen Augen diese Personen stehen. Quasi das Destillat religiösen Wahns.

Über Hagen Ulrich

Seit 2012 schreibe ich Fantasyliteratur. Mir hat es das Genre Urban Fantasy angetan und mir gefällt die Idee, darüber nachzudenken, was denn wäre, gäbe es die mythischen und magischen Wesen unter uns. Darüber hinaus sehe ich Fantasy als literarisches Stilmittel, um gesellschaftliche Themen zu diskutieren. Mein Thema ist Kirche und Religion, LGBT-Fragen ebenso wie der Umgang mit dem rechten Haß, der durch die Gesellschaft wabert. 2018 habe ich mit meinem Partner den Bundeslurch Verlag gegründet, der Fantasyliteratur veröffentlichen wird.

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