Das Amt für Militärkunde im Bad Godesberger Stadtteil Mehlem. An diesem Ableger des Bundesnachrichtendienstes ist Dr. Eugen Klöbner tätig

Das Amt für Militärkunde im Bad Godesberger Stadtteil Mehlem. An diesem Ableger des Bundesnachrichtendienstes ist Dr. Eugen Klöbner tätig

Dr. Eugen Klöbner ist Abteilungsleiter im Amt für Militärkunde, einer der Vorgesetzten Oleg von Leistikows. Er spielt gelegentlich den Advocatus diaboli, wenn es um neue Sachverhalte geht.

Von der Qualifikation her stelle ich mir den etwas steifen Beamten als Juristen vor. Das Jura-Studium qualifiziert ja bekanntlich für alles. Dr. Klöbner macht allerdings die Erfahrung, daß Vampire im BGB nicht vorgesehen sind und muß völlig neue Wege gehen. Es fällt ihm nicht leicht, schon allein die Idee der Existenz bereitet ihm Unbehagen, ganz im Gegensatz zu Oberst Bachem, der das Amt für Militärkunde leitet.

Leseprobe aus dem Roman Hochzeit der Vampire

Die beiden Vorgesetzten sahen sich an und überlegten. Sein Chef wandte sich wieder an ihn und sagte: „Kaum einer kennt die Stiftung und deren handelnde Personen. Was wir wissen, geht auf die allgemein zugänglichen Informationen zurück, die öffentlich erhältlich sind. Darüber hinaus gibt es noch einige nicht verifizierte Aktennotizen, Gerüchte und ein paar alte Unterlagen aus der Weimarer Republik und der Kaiserzeit. Genug, um die Stiftung sehr interessant zu finden.“

„Gerüchte? Was für Gerüchte? Sind es Terroristen?“ Oleg von Leistikow blickte etwas alarmiert.

„Nein, ganz im Gegenteil, soweit wir wissen, tut diese Stiftung schon seit Langem Gutes im Bereich der Bildung, sie sucht talentierte junge Leute aus und ermöglicht diesen das Studium. Hintergedanken haben sie wohl nicht, es haben sich nie Verbindungen zu kriminellen Strukturen welcher Richtung auch immer ergeben und die finanziellen Transaktionen sind sauber. Der Familien- und Stiftungsbesitz ist in Ländereien, harmlosen Beteiligungen, Staatsanleihen und fest verzinslichen Wertpapieren angelegt, hier und da ein wenig Kunst gesammelt. Ein paar Erbschaften und Schenkungen, gelegentlich staatliche Zuwendungen. Was sich bei einer alten Familie im Lauf der Zeit so ansammelt. Nein, in der Beziehung gibt es nicht auch nur den geringsten Anlass zur Sorge.“ Der Leiter blickte von Leistikow aufmerksam an.

„Dann verstehe ich nicht recht, was der Zweck der Besprechung ist. Es ist doch schön, wenn junge Leute sich bilden wollen und dies unterstützt wird.“ Der ältere Beamte war etwas ratlos und wußte sich seine Anwesenheit nicht zu erklären.

„Nun, es ist nicht so einfach zu erklären. Wir wissen auch nicht so recht was wir davon halten sollen“, druckste sein Abteilungsleiter herum. „Fakt ist … ich weiß nicht so recht …“ Hilflos blickte der Abteilungsleiter den Chef der Dienststelle an.

„Dr. Klöbner möchte sagen, dass die Leiterin der Stiftung etwas ungewöhnlich ist und auch das Anwesen der Stiftung nicht so ganz den Erwartungen und Erfahrungen entspricht.“

„Die Leiterin der Stiftung? Was ist an ihr so ungewöhnlich? Es scheint sich um eine Frau zu handeln, gut das ist in der arabischen Welt nicht so gewöhnlich, aber was schert uns das?“ Von Leistikow wußte immer noch nicht, woran er war.

„Der Name der Vorsitzenden ist Lalla Sara. Lalla Sara Al Al-Buchari, wobei Lalla eigentlich eher einem Titel wie Herrin oder Fürstin entspricht, ist unseres Wissens eine hochbetagte alte Dame. Sie übte ihre Funktion schon 1955 aus.“ Oberst Bachem sah seinen Mitarbeiter etwas unbehaglich an.

„Ja, ich habe auch gehört, dass sie schon recht alt sein soll“, antwortete Oleg von Leistikow.

„Laut den Aufzeichnungen des Auswärtigen Amtes war sie auch schon 1923 Chefin der Stiftung. Und auch 1911, zur Zeit der Agadirkrise, ist von ihr in den uns bekannten Unterlagen die Rede. Also ist die Dame, sofern es sich um dieselbe handelt, etwa 120 Jahre alt.“

Oleg von Leistikow runzelte die Stirn. „Das ist merkwürdig. Ist es dieselbe? Kann ja bei diesen alten Familien sein, dass auch die Mutter und Großmutter schon so hießen.“

„Nun, es gibt einen Augenzeugenbericht von 1946, der als nicht unzuverlässig eingestuft wird. Verfasser ist ein gewisser Friedrich-August v. Leistikow, der ihnen bekannt sein dürfte.“ Oberst Bachem sah Oleg v. Leistikow aufmerksam an und dem fuhr es in die Knochen. Jetzt wußte er auch, woher er den Namen Al-Buchari kannte. Natürlich, sein Großvater.

Er überlegte. Sein Großvater war im Afrikakorps gewesen und hatte ihm als kleiner Junge allerlei wilde Geschichten dazu erzählt. Es hatte immer geheißen, dass er eine Zeit lang in englischer Kriegsgefangenschaft gewesen sei. „Soweit ich mich erinnere, war mein Großvater im II. Weltkrieg in Ägypten und hat an den Schlachten Rommels teilgenommen. Er war dann in Kriegsgefangenschaft nach der Schlacht von El-Alamein.“

„Das stimmt nicht so ganz. Nach dem Krieg hat er in eine Zeit lang hier gearbeitet, bis er in den Ruhestand eintrat. Es war ihm gelungen, aus britischer Kriegsgefangenschaft zu entfliehen und sich bis weit nach Kriegsende in Nordafrika versteckt zu halten. Soweit wir wissen, versteckte er sich bei den Al-Bucharis. „Bachem blickte von seinen Unterlagen auf. „So ist es zumindest in den Befragungen festgehalten, die er vor Eintritt in das Amt absolviert hat. Mein Vorgänger wollte damals vermeiden, sich allzu viele Altnazis in das Amt zu holen. Ihr Großvater beschreibt die damalige Stiftungsvorsitzende Lalla Sara als … Moment … Ah, ich habe es gleich … hier steht es: ehrwürdige ältere Dame mit wachem Verstand und vollendeten Umgangsformen, die obwohl schon hoch in den 80ern, das Unternehmen straff führt und alles im Griff hat.“

Oleg v. Leistikow war verwundert. „Naja, das stimmt, es ist etwas seltsam, aber ich verstehe nicht, warum wir hier sitzen?“

„Sie werden gleich verstehen. Ihr Großvater beschrieb uns das Anwesen und die Familie Al-Buchari. Auffällig war, dass die Al-Bucharis selten mit ihm zusammen aßen und wenn Feste gefeiert wurden, dann wurden die Gäste stets herausragend bedient, aber die Al-Bucharis verzichteten auf das Essen. Sie tranken lediglich aus extra gereichten Kelchen.“ Dr. Klöbner blätterte etwas hilflos durch die alten vergilbten Papiere.

„Ja nun, irgendwelche religiös bedingten Speisevorschriften, das ist doch nicht so selten in außereuropäischen Kulturen.“ Oleg war es allmählich leid, seinen Chefs alles bröckchenweise aus der Nase ziehen zu müssen.

„Sie haben recht, das sagt einem der gesunde Menschenverstand, das würden wir auch vermuten. Und es wäre auch nichts Besonderes. Besonders wird es erst, wenn man weiterliest. Ihr Großvater hat eindeutig identifiziert, wovon die Familie sich ernährte.“ Oberst Bachem blickte von Leistikow fest an und sagte: „Dabei handelte es sich um Blut, Herr von Leistikow. Laut den Angaben ihres Herrn Großvaters haben sich sämtliche Familienmitglieder von Blut ernährt. Er hat es laut Notiz auf seine Ehre als Soldat genommen, dass es die Wahrheit ist. Tja, was sagen Sie dazu?“

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