Alle Beiträge von admin

NABU: Kleiner Konsens im Insektenschutz

Berlin – Heute hat der Bundesrat dem Insektenschutzpaket aus Insektenschutzgesetz (ISG) und Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung (PfSchAnwV) zugestimmt. Es enthält einige wichtige Maßnahmen für den Insektenschutz. Dennoch wird das Paket durch zahlreiche Ausnahmen abgeschwächt.

NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger: „Unsere Insekten schwinden weiterhin in rasantem Tempo. Auch wenn dieses Insektenschutzpaket ein erster Schritt in die richtige Richtung ist, wird es noch keine Trendumkehr beim Insektenschwund bringen. Die Einschränkungen für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in den wertvollen Schutzgebieten ist ein erster, wichtiger Schritt. Insgesamt sind die gesetzlich verankerten Maßnahmen aber noch zu gering. Auch eine Erfolgskontrolle ist bislang nicht vorgesehen. Für viele Regelungen gelten künftig auch noch Ausnahmen – die kommende Bundesregierung sollte den Insektenschwund daher als eine der großen Herausforderungen unserer Zeit ernst nehmen und hier deutlich nachbessern.“

Der NABU fordert, eine allgemeine Strategie zur Pestizid-Reduktion in der gesamten Agrarlandschaft sowie naturnahe strukturreiche Landschaften und Lebensräume stärker in den Blick zu nehmen. Hier braucht es u.a. weitere Regelungen, etwa zehn Prozent unbewirtschaftete Flächen in der Agrarlandschaft. Dafür sollte auch der im Aktionsprogramm Insektenschutz vorgesehene Refugialflächenansatz umgesetzt werden. Danach dürften biodiversitätsschädigende Pestizide nur dann auf einer Fläche eingesetzt werden, wenn auf dieser eine Rückzugsfläche für Insekten vorhanden ist oder sie an eine Rückzugsfläche grenzt.

Das Insektenschutzpaket besteht aus dem ISG in Form von Änderungen des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatschG) und der PfSchAnwV. Während das ISG Maßnahmen wie den Biotopschutz oder die Lichtverschmutzung adressiert, sind in der PfSchAnwV Regelungen für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln vorgesehen. So werden im BNatschG etwa Streuobstwiesen, artenreiches Grünland, Trockenmauern und Steinriegel als geschützte Biotope unter Schutz gestellt. Die Lichtverschmutzung wird reduziert, das „Natur auf Zeit“-Konzept gestärkt und einige Biozide in Naturschutzgebieten werden verboten. In der PfSchAnwV wird die Anwendung von einigen Pflanzenschutzmitteln (Herbizide und bienengefährdende Insektizide) in wertvollen Schutzgebieten eingeschränkt und Pflanzenschutzmittel auf Gewässerrandstreifen generell verboten. Auch der stufenweise Ausstieg aus dem umweltschädlichen Unkrautvernichter Glyphosat ist darin geregelt.

Kritisch sieht der NABU, dass in FFH-Gebieten (Flora-Fauna-Habitat) etwa Obst-, Wein- und Gartenbau sowie Sonderkulturen von den Anwendungsverboten für Pflanzenschutzmittel ausgenommen sind. Übrig bleibt damit nur das Grünland, auf dem die genannten Pflanzenschutzmittel kaum eingesetzt werden. Darüber hinaus wird auf Ackerflächen von FFH-Gebieten bis zum 30. Juni 2024 lediglich auf freiwillige Maßnahmen gesetzt.

Nisthilfe für summende Friedhofsbewohner

Dieses Buch zeigt Ihnen, wie Sie für Wildbienen, Hummeln & Co. ein Insektenhotel selber bauen können.

Auf dem Friedhof „Om Berg“ in Bonn-Hoholz gibt es eine neue Insekten-Nistwand: Bienen, Hummeln und andere summende Friedhofsbewohner finden in der zwei Meter hohen und ein Meter breiten Holzkonstruktion einen Unterschlupf. Errichtet wurde die Nisthilfe von der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft im Rahmen des durch den Landschaftsverband Rheinland (LVR) geförderten Projektes „Lebensstätte Friedhof“.

Seit 2019 arbeiten die Biologische Station und das Amt für Umwelt und Stadtgrün im Rahmen des Projektes „Lebensstätte Friedhof“ zusammen und setzen verschiedene ökologische Aufwertungsmaßnahmen auf den städtischen Friedhöfen um. Der Wandel der Friedhofskultur spielt dabei eine bedeutende Rolle: Weil sich immer mehr Menschen für eine Urnenbestattung entscheiden, wird insgesamt weniger Fläche für Grabanlagen benötigt. Auf den frei werdenden Flächen entstehen stattdessen artenreiche Blühwiesen mit regionalem Saatgut. Von den Maßnahmen profitieren zahlreiche Insekten, Vögel und Fledermäuse.

Bei der Einweihung der Insekten-Nistwand auf dem Friedhof „Om Berg“ erklärte Oberbürgermeisterin Katja Dörner: „Die Erhöhung der innerstädtischen Artenvielfalt ist der Stadt ein wichtiges Anliegen. Im Rahmen des Labeling-Verfahrens ‚Stadtgrün naturnah‘ konnten wir bereits verschiedene wichtige Projekte zur ökologischen Aufwertung der Bonner Friedhöfe umsetzen. Ich freue mich sehr, dass wir hierzu im Rahmen des Projektes ‚Lebensstätte Friedhof‘ zudem die tatkräftige Unterstützung der Biologischen Station erhalten!“

Der Geschäftsführer der Biologischen Station Christian Chmela ist mit dem bisherigen Projektverlauf sehr zufrieden: „Unter Experten ist es schon länger bekannt, dass Friedhöfe ein großes Potential als innerstädtischer Lebensraum für wildlebende Tiere und Pflanzen haben. Sehr erfreulich ist jedoch, dass zusammen mit dem LVR erstmalig im Rheinland ein Projekt gestartet werden konnte, um auf die ökologische Bedeutung von Friedhöfen aufmerksam zu machen. Die Stadt Bonn zeigt zudem eine große Bereitschaft, vorgeschlagene Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung der Friedhöfe umzusetzen. Wir hoffen, dass dieses Pilotprojekt Schule machen wird und das Thema künftig auch von anderen Kommunen aufgegriffen wird.“

Bezirksregierung Arnsberg besucht Flutgebiete in Rheinbach und Swisttal

Eine Delegation der Bezirksregierung Arnsberg hat jetzt die Flutgebiete in den ihr zugewiesenen Kommunen Rheinbach und Swisttal besucht. „Wir wollen nicht nur vom Schreibtisch aus agieren, sondern uns auch ein Bild vor Ort machen“, so Philipp Reckermann, zuständiger Dezernent der südwestfälischen Behörde, der mit den beiden Teamleiterinnen Andrea Olsen und Vanessa Hilverling anreiste.

Rhein-Sieg-Kreis (db) – Eine Delegation der Bezirksregierung Arnsberg hat jetzt die Flutgebiete in den ihr zugewiesenen Kommunen Rheinbach und Swisttal besucht. „Wir wollen nicht nur vom Schreibtisch aus agieren, sondern uns auch ein Bild vor Ort machen“, so Philipp Reckermann, zuständiger Dezernent der südwestfälischen Behörde, der mit den beiden Teamleiterinnen Andrea Olsen und Vanessa Hilverling anreiste.

Um eine zügigere Bearbeitung der Förderanträge für den Wiederaufbau zu ermöglichen und den Betroffenen schneller zu helfen, erhält die Kölner Bezirksregierung seit Februar Unterstützung von anderen Landesbehörden. Alle Anträge von Privathaushalten in Swisttal und Rheinbach werden seit dem 1. Februar 2022 von der Bezirksregierung Arnsberg bearbeitet. Um die Anträge aus allen anderen kreisangehörigen Kommunen kümmert sich die Bezirksregierung Düsseldorf.

„Wir freuen uns über das Interesse der Bezirksregierung Arnsberg, Eindrücke unmittelbar vor Ort gewinnen zu wollen“, lobten Landrat Sebastian Schuster sowie Swisttals Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner und Rheinbachs Bürgermeister Ludger Banken die Einsatzbereitschaft der Bezirksregierung Arnsberg.

Ludger Banken führte die Arnsberger Delegation durch von der Flut betroffene Gebiete in Rheinbach. So konnte das dreiköpfige Team der Bezirksregierung Arnsberg bei der Tour unter anderem Eindrücke im Wohngebiet „Weilerfeld“, in der Kernstadt und in den besonders stark betroffenen Rheinbacher Ortschaften Flerzheim, Loch und Oberdrees sammeln.

In Swisttal setzten Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner und der Erste Beigeordnete Tobias Weingartz alles dran, dem Besuch aus Arnsberg möglichst viele Eindrücke vor Ort zu vermitteln: zusammen besuchten sie im Ortsteil Odendorf beispielsweise die Essiger und Flamersheimer Straße, die Orbachaue mit den zerstörten Sportanlagen, die Frankenstraße und die Odinstraße. Auch in der Sternstraße in Essig und der Ollheimer Straße in Ludendorf sowie in weiteren Bereichen in Heimerzheim machte sich die Delegation ein Bild von der Lage.

„Kommunikation, kurze Wege und persönliche Kontakte zwischen den Behörden sind immens wichtig, um den Betroffenen schnell helfen zu können“, betonte die Leiterin der Stabsstelle Wiederaufbau des Rhein-Sieg-Kreises, Ulla Thiel, beim anschließenden Besuch der beiden Beratungsstellen Wiederaufbau in Rheinbach und Swisttal. Hier können sich Flutbetroffene seit September 2021 Hilfe bei den Anträgen auf Wiederaufbauhilfe holen.  „Insgesamt wurden in allen vier Beratungsstandorten, die der Rhein-Sieg-Kreis eingerichtet hat, seit Beginn bereits mehr als 2.500 Beratungen durchgeführt, davon 1.112 in Rheinbach und 1.076 in Swisttal“, so Thiel.

Mit der Übernahme der Antragsbearbeitung durch die Bezirksregierungen Arnsberg und Düsseldorf ändert sich für die Antragstellenden nichts: Anträge werden weiterhin online gestellt, die Antwortschreiben kommen aber nicht mehr aus Köln, sondern je nach Kommune aus Arnsberg oder Düsseldorf.

Kreis hilft bei Antragstellung

Nach wie vor können sich vom Hochwasser betroffene Menschen im Rhein-Sieg-Kreis bei der Antragstellung durch die Beratungsstellen des Kreises helfen lassen:

Meckenheim:
Außenstelle des Rhein-Sieg-Kreises in Meckenheim, Kalkofenstraße 2 für Alfter, Bornheim, Meckenheim und Wachtberg

Rheinbach:
Gründer- und Technologiezentrum, Marie-Curie-Straße 1 für Rheinbach

Siegburg:
Kreisverwaltung, Kaiser-Wilhelm-Platz 1, Info-Stand im Foyer für den rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis

Swisttal:
Dorfhaus Ludendorf, Ollheimer Straße 10, links neben der katholischen Pfarrkirche, für Swisttal

Von montags bis freitags stehen die Mitarbeitenden den Antragstellenden in der Zeit von 8:00 Uhr bis 16:00 Uhr zur Verfügung.

Ganz wichtig: Eine Beratung ist nur mit Termin möglich. Termine können entweder online über rhein-sieg-kreis.de/termin-beratung oder telefonisch unter 02241 13-2200 vereinbart werden. Die Telefon-Hotline ist von montags bis donnerstags, zwischen 8:00 Uhr und 16:00 Uhr, freitags zwischen 8:00 Uhr und 14:00 Uhr besetzt.

Informationen zu den Wiederaufbauhilfen finden Sie unter: rhein-sieg-kreis.de/wiederaufbauhilfe.

NABU-Negativpreis Dinosaurier des Jahres 2021: Emden ist überall

NABU-Negativpreis Dinosaurier des Jahres 2021: Emden ist überall (Foto: NABU)

Berlin/Emden – Mit dem Negativpreis ‚Dinosaurier des Jahres‘ zeichnet der NABU bereits zum 29. Mal die Umweltsauerei des Jahres aus. Preisträger 2021 ist das Baugebiet Conrebbersweg in der Stadt Emden in Niedersachsen. Es wurde von der NABU-Jury stellvertretend für die Naturzerstörung durch Bodenversiegelung in ganz Deutschland ausgewählt. Emden hat eine seit vielen Jahren stagnierende Bevölkerungsentwicklung. Die Einwohnerzahl ist zuletzt knapp unter die Marke von 50.000 gefallen. Für ein großes Baugebiet wird jetzt artenreiches Feucht- und Nassgrünland mit fast flächendeckendem Schutzstatus vernichtet. Auf der Fläche finden sich zahlreiche stark gefährdete Pflanzen- und Vogelarten, darunter Wiesenpieper, Feldschwirl und Kiebitz​​​​​​​. Mehr als zwei Drittel des 75 Hektar großen Gebietes sollen versiegelt werden. Es liegt zudem einen Meter unter dem Meeresspiegel. Angesichts der zunehmenden Starkwetterereignisse droht damit nach der Bebauung weiteres Ungemach.

NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger: „Wer an Emden und die Nordseeküste denkt, hat vermutlich Wind, Natur und plattes Land in saftigem grün vor Augen. Betonpolitik erwartet an dieser Stelle wohl kaum jemand. Jetzt soll ein landesweit bedeutsames Gebiet für den Biotopschutz zugunsten eines großes Baugebietes unwiederbringbar zerstört werden. Der ‚Dinosaurier des Jahres 2021‘ geht deshalb nach Emden an den Conrebbersweg. Wir verleihen ihn stellvertretend für die grassierende Bodenversiegelung in ganz Deutschland. Denn Emden ist überall. In fast jeder Kommune der Bundesrepublik werden aktuell Flächenversiegelungen geplant, rund 50 Hektar sind das bundesweit pro Tag. Diese Entwicklung lässt sich nicht unendlich fortsetzen. Deshalb fordern wir von der Bundesregierung eine stärkere Priorisierung der Flächennutzung und eine Reduktion des Flächenverbrauch auf netto Null bis 2030.“

Flächenfraß in Deutschland begrenzen

Vögel kommen häufiger auf Nahrungssuche in unsere Gärten, wenn das Angebot in den Wäldern knapp ist. (Foto: NABU)

Die Bundesregierung wollte den Flächenfraß in Deutschland bis 2020 auf 30 Hektar pro Tag reduzieren. Dieses Ziel wurde dann Anfang des Jahres 2018 um zehn Jahre nach hinten, auf das Jahr 2030 verschoben. Erst im Jahr 2050 wird im Klimaschutzplan der Bundesregierung nun das Ziel eines „netto Null“-Flächenverbrauchs angepeilt. Bis dahin würden, nach diesen Plänen von heute, weitere 250.000 bis 260.000 Hektar an zusätzlicher Fläche versiegelt. Das entspricht umgerechnet mehr als 350.000 Fußballplätzen oder der Größe des Saarlands.

Natur, Landwirtschaft und Bebauung – vielerorts herrscht großer Wettbewerb ums Land. Die Bundesregierung plant in den Ballungsgebieten den Neubau von 400.000 Wohnungen pro Jahr, soviel realisierte die letzte Regierung in der gesamten Legislatur. Dem stehen rund zwei Millionen leerstehende Wohnungen in ländlichen Regionen und eine durch den demographischen Wandel eher sinkende Bevölkerungszahl gegenüber. Das verdeutlicht die hohe Komplexität bei der Flächenversiegelung, bei der soziale Aspekte, die Verfügbarkeit von Arbeit, aber auch Fragen von Infrastruktur und Verkehr zu berücksichtigen sind. Flächen sind daher möglichst nachhaltig und effektiv zu nutzen. Bei der sogenannten Innenverdichtung wird beispielsweise geprüft, welche Flächen sich innerhalb eines Ortes noch für Bebauung, Aufstockung, Umbau oder Verdichtung anbieten. Gleichzeitig ist auf ausreichend unversiegelte Fläche in den Orten zu achten, auf denen beispielsweise Wasser versickern oder verschattende Bepflanzung stehen kann. Baulandmobilisierung in den Außenbereichen von Ortschaften bedeutet hingegen weitere Flächenversiegelung. Zwar werden dabei oft Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen, die den Verlust an Biodiversität kompensieren sollen. Ein qualitativer Ausgleich der zerstörten Flächen wird jedoch nur selten und wenn, dann erst nach vielen Jahren erreicht. Die Ampelkoalition hat das Problem erkannt und im Koalitionsvertrag angekündigt das Baugesetzbuch dahingehend überprüfen zu wollen, unter anderem soll der umstrittene §13b gestrichen werden, der die Außenbebauung vereinfacht. Der NABU regt zusätzlich an, Wachstumsfehlanreize für Ortschaften aufgrund der Hauptansatzfaktoren des Finanzausgleichs auf Landesebene zu reduzieren.

Dinosaurier des Jahres für besonders rückschrittliches öffentliches Engagement

Mit dem „Dinosaurier des Jahres“, eine 2,6 Kilogramm schweren Nachbildung einer Riesenechse, zeichnet der NABU seit 1993 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus, die sich durch besonders rückschrittliches öffentliches Engagement in Sachen Natur- und Umweltschutz hervorgetan haben. Seit 2020 werden nicht mehr Personen, sondern konkrete Projekte als Umweltsauerei des Jahres ausgezeichnet. Preisträger 2020 war das Autobahnprojekt A26 Ost.

NABU: Aus dem Wald ans Futterhaus

Eichelhäher kommen häufiger auf Nahrungssuche in unsere Gärten, wenn das Angebot in den Wäldern knapp ist. (Foto: NABU)

Berlin – Wenig Samen und Baumfrüchte im Wald – viele Besucher am Futterhaus. Dieser Effekt könnte sich bei der kommenden „Stunde der Wintervögel“ bemerkbar machen. Vom 6. bis zum 9. Januar 2022 laden der NABU und sein bayerischer Partner, der LBV (Landesbund für Vogelschutz), wieder zu Deutschlands größter wissenschaftlicher Mitmachaktion ein. Jeder und jede ist aufgerufen, eine Stunde lang Vögel zu zählen und sie dem NABU zu melden. „Wir haben in den vergangenen Wochen einen starken Durchzug von Bergfinken, Eichelhähern und Ringeltauben registriert. Die Vögel ziehen aus Nord- und Osteuropa nach Süden und Westen – also auch zu uns nach Deutschland. Das tun sie vermehrt, wenn es beispielsweise nicht genügend Bucheckern oder andere Baumfrüchte im Brutgebiet gibt“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Wir erwarten daher, dass es zur ‚Stunde der Wintervögel‘ viel zu beobachten geben wird. Vögel kommen häufiger auf Nahrungssuche in unsere Gärten, wenn das Angebot in den Wäldern knapp ist.“

Stunde der Wintervögel 2021

Wenig Samen und Baumfrüchte im Wald – viele Besucher wie dieser Hakengimpel am Futterhaus. Dieser Effekt könnte sich bei der kommenden „Stunde der Wintervögel“ bemerkbar machen. (Foto: NABU)

An Futterhäuschen, -säule oder Knödelspender im Garten oder auf dem Balkon lassen sich Vögel am einfachsten beobachten. „Mit der Fütterung sollte man schon vor dem ersten Schnee beginnen, damit sich die Vögel an den Platz gewöhnen“, so Miller. „Allerdings sollte man die Fütterung nicht mit effektivem Schutz bedrohter Vogelarten verwechseln, da von ihr eher weniger bedrohte Arten profitieren“, betont Miller. Der NABU empfiehlt das Füttern daher eher zur Naturbeobachtung und Umweltbildung. „Wer Vögel schützen möchte, sollte Garten und Balkon naturnah gestalten und beispielsweise heimische Sträucher pflanzen, wie Holunder und Schlehe. Abgeblühte Samenstände von Stauden und anderen Blühpflanzen sollten über den Winter als natürliches Vogelfutter stehen gelassen werden“, rät Miller, „Vögel fühlen sich wohl, wenn im Garten etwas Wildnis zugelassen wird. Und ganz wichtig: Gift und Kunstdünger sollten tabu sein.“

Bei der vergangenen großen Vogelzählung im Januar 2021 beteiligten sich über 236.000 Menschen. Insgesamt gingen Meldungen aus 164.000 Gärten und Parks ein. Der Haussperling ergatterte damals den Spitzenplatz als häufigster Wintervogel in Deutschlands Gärten, Kohlmeise und Feldsperling folgten auf Platz zwei und drei.

Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion

Amsel im Beerenstrauch (Foto: NABU)

Die „Stunde der Wintervögel“ ist Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion und findet bereits zum zwölften Mal statt. Wer mitmachen will, beobachtet eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park und meldet die Ergebnisse dem NABU. Von einem ruhigen Beobachtungsplatz aus wird von jeder Art die höchste Anzahl Vögel notiert, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu sehen ist. Die Beobachtungen können per App unter www.NABU.de/vogelwelt, unter www.stundederwintervoegel.de oder unter www.NABU.de/onlinemeldung bis zum 17. Januar gemeldet werden. Zudem ist für telefonische Meldungen am 8. und 9. Januar jeweils von 10 bis 18 Uhr die kostenlose Rufnummer 0800-1157-115 geschaltet.

Für die „Schulstunde der Wintervögel“ vom 10. bis 14. Januar bietet die NAJU auf www.NAJU.de/sdw Zählkarten, eine neue Broschüre mit Aktionsideen für Lehrende und einen Wettbewerb zu „Spuren im Schnee“ für Kindergruppen und Schulklassen an. Die Zählergebnisse der Kinder fließen ebenfalls in die NABU-Auswertung ein.

NABU: Notprogramm für Wildbiene, Feldhamster, Schweinswal & Co.

Berlin – Sie verschwinden – meist leise und unauffällig. Flächenfraß, industrielle Landwirtschaft und Umweltverschmutzung setzen unserer Tier- und Pflanzenwelt zu. 2019 meldete der Weltbiodiversitätsrat, dass etwa eine Million von acht Millionen Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht ist. Das Netz des Lebens, das diese Arten bilden, wird immer löcheriger.

Unmittelbar vom Aussterben bedroht ist beispielsweise der Feldhamster. Der kleine Nager steht auf der weltweiten Roten Liste der bedrohten Arten. Gleiches Bild bei der Würfelnatter. Die Bayerische Kurzohrmaus wurde erst 1962 entdeckt und gilt heute als verschollen. Vom Ostseeschweinswal gibt es nur noch etwa 500 Tiere in der zentralen Ostsee. Die Liste der vom Aussterben bedrohten Arten ist viel zu lang.

Der Feldhamster ist vom Aussterben bedroht

Unmittelbar vom Aussterben bedroht ist beispielsweise der Feldhamster. Der kleine Nager steht auf der weltweiten Roten Liste der bedrohten Arten. (Foto: Nabu)

Dabei wird unterschätzt, dass das Artensterben für Gesundheit, Wohlstand und Sicherheit eine ebenso hohe Relevanz besitzt wie das Klima. Wissenschaftlich ist lange belegt, dass wir die Erderhitzung nur bremsen, Pandemien nur vorbeugen und unsere Ernährung nur sichern können, wenn wir die Vielfalt an Arten und ihrer Lebensräume so weit wie möglich wieder herstellen. Wie eng Klima- und Artenkrise miteinander verwoben sind, beschreibt der gemeinsame Bericht des Weltklimarates mit dem Weltbiodiversitätsrat. Artenschutz ist relevant fürs Klima.

Das Artensterben ist eine stille Krise. Sie wird ausgelöst durch eine Vielzahl menschlicher Faktoren – Vernichtung von Wäldern, Trockenlegung von Mooren, industrielle Überfischung und Vermüllung der Meere, sowie Übernutzung unsere Böden. Durch die Klimakrise wird die Artenkrise nochmals verstärkt.

Moore und Wälder zeigen uns: Eine intakte Natur schützt uns vor der Klimakrise, sie bindet Treibhausgase und mildert Extremwetter ab. Eine ausgebeutete Natur hingegen wird zu einer Gefahr für uns: Wenn Wälder brennen und trockengelegte Moore CO2 ausstoßen, drohen fatale Kipppunkte für das Klima.

NABU stellt ein Notprogramm auf

Wer sich nicht anpasst, stirbt aus. Im Laufe der Erdgeschichte sind schon immer Arten verschwunden und dazugekommen. Die menschengemachte Veränderung dringt dabei allerdings in neue Dimensionen vor. Viele Arten sterben aus, bevor sie überhaupt entdeckt wurden. Der Verlust an biologischer Vielfalt ist in Geld kaum zu beziffern. Sichtbar wird nur die Spitze des Eisbergs: Erst vor wenigen Monaten starb der letzte lebende Nördliche-Breitmaul-Nashorn-Bulle öffentlichkeitswirksam vor den Augen der Weltpresse. Ganz aktuell sind die Dorsch-Bestände in der westlichen Ostsee bedroht, eine Erholung ist nicht absehbar. Mit fatalen Folgen für die Küstenfischerei. Vor einigen Jahren schon beschrieb die Krefelder Studie das Massensterben der Insekten. Wildbienen sind stark gefährdet und drohen als Bestäuber auszufallen – das bedeutet Ernteverluste bei vielen Obst- und Gemüsearten.

Eine Hornisse bewacht den Eingang des Nistkastens. Auch Hornissen sind bedroht. (Foto: Klaus Maresch)

All das passiert nicht im Verborgenen und dennoch führt es nicht zu angemessenen politischen Konsequenzen, obwohl seit vielen Jahren auf allen Ebenen über die Biodiversität verhandelt wird. Deshalb hat der NABU ein Notprogramm formuliert. Es richtet sich an die kommende Bundesregierung. Darin werden wirksame und schnell umsetzbare Sofortmaßnahmen beschrieben, mit denen dem Artensterben jetzt engagiert entgegengetreten werden soll.

NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger fordert: „Biodiversität muss endlich ein politisches Schwerpunktthema werden, um den dramatischen Artenverlusten entgegen zu wirken. Je weniger artenreich und stabil Gewässer, Wälder, Meere und Agrarlandschaften sind, desto schutzloser sind wir den Auswirkungen der Klimakrise ausgeliefert. Die Zeit rinnt uns durch die Finger. Wir brauchen einen energisch geführten und von ernsthaftem Wollen geprägten Wettkampf für die Natur, nicht gegen sie. In den Parteiprogrammen fehlen entsprechende Angebote und Ideen.“

Auch wenn wir alle unseren Teil zur Bewältigung der Artenkrise beitragen können: Die Rahmenbedingungen für eine andere Landwirtschaft, eine großräumige Renaturierung unserer Wälder, Moore und Meere und für eine moderne naturverträgliche Infrastruktur müssen von der Politik gesetzt werden. Bei der Bundestagswahl können wir diese Weichen stellen. Der NABU möchte alle Wählerinnen und Wähler auffordern, den Kampf gegen die Naturzerstörung zu einem entscheidenden Kriterium für ihre Wahlentscheidung zu machen.

Die sieben Forderungen des NABU-Notprogramms im Überblick:

  • Wir geben der Natur mehr Raum
  • Wir schaffen Schutzgebiete, die auch tatsächlich schützen
  • Wir schließen einen Pakt für den Artenschutz und grüne Infrastruktur
  • Wir fördern und fordern Landwirtschaft mit Zukunft
  • Wir schließen einen „Blue Deal“ für den Schutz der Meere
  • Wir stärken den Wald
  • Wir spannen einen internationalen Schutzschirm für die weltweite Artenrettung

Pützchens Markt findet 2021 nicht statt

Die Bundesstadt Bonn sagt wegen der Coronavirus-Pandemie Pützchens Markt auch in diesem Jahr ab. Nach Einschätzung der Stadt lässt die aktuelle Situation ein Volksfest in dieser Größe nicht zu. Die Entscheidung gibt die Stadt nach einem Gespräch mit Vertretern des Schaustellerverbandes bekannt.

„Ich bedauere sehr, dass wir Pützchens Markt auch in diesem Jahr absagen müssen“, sagte Oberbürgermeisterin Katja Dörner. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leichtgemacht. Leider lässt uns die Pandemie keine andere Wahl. Da wir uns der Tragweite der Absage bewusst sind, war die enge Abstimmung mit dem Bonner Schaustellerverband umso wichtiger. Denn die Absage trifft die Schaustellerinnen und Schausteller natürlich am härtesten. Deshalb danke ich dem Verband für das Verständnis.“

Oberbürgermeisterin Katja Dörner bedauert die Absage von Pützchens Markt 2021

Aus Sicht der Verwaltung ist die Verantwortung für die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger höher zu gewichten, als das berechtigte und auch nachvollziehbare Interesse der Bevölkerung an einem Volksfest. Auch wenn immer mehr Menschen geimpft sind, so kann eine Veranstaltung mit Hunderttausenden von Gästen Anfang September 2021 nicht stattfinden.

Eine Veranstaltung mit weniger Besucherinnen und Besucher und Einlassbeschränkungen für Geimpfte, Genesene und negativ Getestete wäre aus Sicht der Verwaltung keine Alternative für eines der größten Volksfeste Deutschlands. Die Stadt Bonn folgt damit auch anderen großen Kirmesveranstaltern, die ihre Feste bereits abgesagt haben. Dazu zählen das Münchner Oktoberfest, die größte Kirmes in NRW in Crange, die Rheinkirmes in Düsseldorf und das große Bürger-Schützenfest in Neuss.

Um die Bonner Schaustellerinnen und Schausteller zu unterstützen und zumindest einen kleinen wirtschaftlichen Ausgleich zu ermöglichen, bietet die Verwaltung den Schaustellern an, im Sommer ihre Jahrmarktstände in der Innenstadt von Bonn aufzustellen. Außerdem wird die Verwaltung der Bezirksvertretung Bonn vorschlagen, den Weihnachtsmarkt 2021 um zwei Tage zu verlängern. Voraussetzung ist, dass die Situation im Dezember einen Weihnachtsmarkt zulässt.

Auch der Freundeskreis Pützchens Markt wurde in die Entscheidung eingebunden, der mit eigenen Veranstaltungen, wie dem Rheinischen Abend in der Bayern-Festhalle, während der Kirmestage zum Gelingen des Pützchens Marktes beiträgt.

Für den Schaustellerverband Bonn sagte dessen zweiter Vorsitzender, Roland Barth: „Wir bedauern die Absage unserer Haupt-Veranstaltung hier in Bonn-Pützchen sehr, die auch wirtschaftlich verheerende Folgen für uns hat. Wir verstehen aber auch die Stadt Bonn mit ihren Argumenten, die jetzt eine Entscheidung fällen musste.“

Die Vertreter des Schaustellerverbands hatten im Abstimmungsgespräch den Wunsch geäußert, die Entscheidung noch um einen Monat hinauszuschieben. Dem stehen allerdingst die Abläufe in der Verwaltung entgegen, bei denen nicht nur Vorlaufzeiten zu berücksichtigen sind, sondern auch Zeitfenster für Ausschreibungen, zum Beispiel Sicherheitsdienst,  Bestellung des Feuerwerks, die Planungen bei Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und den Stadtwerken sowie die organisatorischen Vorbereitungen in der Marktschule.

Das Volksbegehren in Niedersachsen hat die erste Hürde locker genommen

Imkermeister Klaus Ahrens (DBIB), Initiator des Volksbegehrens

MÜDEN (DBIB) – „In den vergangenen knapp acht Wochen seit Beginn des Unterschriftensammelns haben bereits fast doppelt so viele Menschen das Volksbegehren unterschrieben, wie es in der ersten Runde erforderlich ist: Das ist großartig und wir danken allen, die dazu beigetragen haben!“ sagt Volksbegehren-Initiator Klaus Ahrens.

45.412 gültige Unterschriften hat die Landeswahlleiterin bis zum 1. August gemeldet. 25.000 Unterschriften braucht es, um den Antrag auf Feststellung der Zulässigkeit zu stellen. „Das Landesgesetz gibt uns hierfür Zeit bis zum 13. November. Diese Zeit nehmen wir uns, schließlich haben wir gerade erst angefangen und sind durch Corona beim Sammeln eingeschränkt. Hunderte ehrenamtlich Aktive in ganz Niedersachsen setzen sich dennoch jeden Tag sehr engagiert für das Volksbegehren ein: auf Marktplätzen und in Fußgängerzonen, in Städten und auf dem Land. Jetzt geht es mit Volldampf in die zweite Runde: Wir sammeln weiter Unterschriften für ein erfolgreiches Volksbegehren und für besseren Artenschutz in Niedersachsen“, so Ahrens, der zugleich Vizepräsident des Deutschen Berufs und Erwerbs Imker 1928 e.v. ist. „Denn nur mit dem Volksbegehren können wir echte Verbesserungen für den Artenschutz in Niedersachsen erreichen.“

Wem die Natur und ein besserer Tier- und Pflanzenschutz in Niedersachsen am Herzen liege und wer noch nicht unterschrieben habe, könne sich jetzt mit der Unterschrift unter das Volksbegehren ganz konkret für mehr Artenschutz einsetzen: „Für mehr Lebensraum und Nahrung für Insekten wie Bienen und Schmetterlinge, für das Überleben der Wiesenvögel wie Kiebitz und Feldlerche und dafür, dass Naturschutzgebiete pestizidfrei und Uferzonen an Gewässern besser geschützt werden“, sagt Ahrens.

Damit es zu einer Abstimmung im niedersächsischen Landtag über das Gesetz kommt, braucht es insgesamt rund 610.000 Unterschriften für das Volksbegehren, die bislang gesammelten Unterschriften zählen dabei mit. Lehnt der Landtag das Gesetz ab, folgt ein Volksentscheid.

Mit Volldampf in die zweite Runde zum Volksbegehren: Das Sammeln geht weiter

Imkermeister Klaus Ahrens bei der Rede anläßlich einer Demo gegen den Agrarkonzern Bayer

„Das Artensterben ist eines der größten Probleme unserer Zeit“, sagt Dr. Holger Buschmann. „Von den dramatisch einbrechenden Insektenbeständen sind ganze Nahrungsketten betroffen. Jeder Singvogel braucht zumindest bei der Aufzucht der Jungen Insekten. Weil es die nicht mehr ausreichend gibt, gehen inzwischen sogar weit verbreitete Allerweltsarten wie die Stare massiv zurück. Vor allem bei den typischen Arten der Kulturlandschaft sieht es schlecht aus: Fledermäuse, Vögel, Blütenpflanzen – alle Artengruppen sind betroffen. Wir haben zwar auch Erfolge im Naturschutz, aber fast nur bei den Arten, die früher unter direkter Verfolgung gelitten haben wie Uhu oder Biber. Bei den meisten Arten ist der Verlust ihres Lebensraumes das Problem. Das ist dramatisch – mit fatalen Auswirkungen auf ganze Ökosysteme und damit für das Überleben des Menschen! Hier gilt es, endlich gegenzusteuern, wir müssen jetzt reagieren.“

„Bedrohte Tier- und Pflanzenarten lassen sich nur mit besseren Rahmenbedingungen schützen, mit einem besseren Naturschutzgesetz und Änderungen im Wasser- und Waldgesetz. Die Landesregierung hat hierzu immer noch nichts Substanzielles vorgelegt. Deshalb bringen wir – das sind rund 70 Bündnispartner – ein Volksbegehren für die Rettung der Artenvielfalt in Niedersachsen auf den Weg“, sagt Anne Kura. „Immer mehr Menschen fordern wirksame Maßnahmen für Artenvielfalt, Natur- und Klimaschutz. Überall in Niedersachsen haben sich lokale Aktionsbündnisse gegründet, die das Volksbegehren unterstützen und es schließen sich immer mehr Bündnispartner an.“

Imker Klaus Ahrens sagt: „ Unsere Bienenvölker sind in Gefahr. Blütenpollen, die nicht nur für Honigbienen, sondern auch für Wildbienen und Hummeln lebensnotwendig sind – als Futter für ihre Brut – sind immer häufiger regelrechte Chemie-Coktails. Das zeigen zahlreiche Untersuchungen. Ohne Bienenvölker funktioniert aber weder die Landwirtschaft noch der Obstanbau. Trotzdem äußern sich Politik und Landwirtschaft, als wäre alles noch verhandelbar. Aber die Natur verhandelt nicht! Deshalb brauchen wir das Volksbegehren.“

Bienen, Schmetterlinge, duftende Blumenwiesen und blühende Bäume sind nicht nur schön anzusehen – Artenvielfalt und intakte Ökosysteme sind die Grundlage unseres Lebens. Sie sorgen für sauberes Wasser, gesunde Ernährung und viele Rohstoffe, die wir zum Wirtschaften brauchen. „Auch unseren Kindern und Enkeln wollen wir eine vielfältige Umwelt hinterlassen, in der sie den ganzen natürlichen Reichtum an Pflanzen und Tieren, an Schmetterlingen, Libellen und Wildbienen, an Fröschen, Fischen und Vögeln erleben können“, sagt Hanso Janßen. „Deshalb gilt es, die für die Artenvielfalt so wichtigen Strukturen in der Landschaft wie Hecken, Wegeränder und Feldraine zu schützen. Naturschutzgebiete wollen wir von Pestiziden freihalten, Gewässerränder sollen nicht gedüngt und gespritzt werden, um auch hier die Artenvielfalt zu erhöhen und die Gewässer zu schützen. Für die damit verbundenen Ertragseinbußen der Landwirte sind gesetzliche Ausgleichszahlungen vorgesehen“, sagt Hanso Janßen. Darüber hinaus müsse die Agrarpolitik umgebaut und deutliche Anreize für nachhaltiges Wirtschaften gesetzt werden.

Im Zuge des Volksbegehrens Artenvielfalt hat sich auch ein Bündnis von Jugendverbänden gegründet, das die Kampagne unterstützt und eigenständig für sie mobilisiert. Die Mitglieder des Jugendbündnisses sind:

  • BUNDjugend Niedersachsen
  • Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung
  • FridaysforFuture Niedersachsen
  • Grüne Jugend Niedersachsen
  • Junges Bioland Niedersachsen
  • Linksjugend [’solid] Niedersachen
  • Naturfreundejugend Niedersachsen
  • NAJU Niedersachsen.

Magdalena Schumacher für das Jugendbündnis des Volksbegehrens sagt: „Die derzeitige Agrarpolitik ignoriert den Wert von Natur. Dies trägt erheblich zu einem globalen Artensterben ungeheuren Ausmaßes bei. Wir fordern ein Gesetz für Niedersachsen, das biologische Vielfalt wirksam schützt, Ökosysteme für nachfolgende Generationen erhält und nachhaltige Landwirtschaft fördert. Konsequenter Natur- und Artenschutz ist zugleich ein entscheidender Beitrag zum Klimaschutz. Nur so ist eine lebenswerte Zukunft möglich: There is no future on a dead planet!“

 

Dr. Kirsten Tackmann, MdB: Insekten sind systemrelevant

Kirsten Tackmann, agrarpolitische Sprecherin der Fraktion „Die Linke“ in ihrer Pressemtteilung „Insekten sind systemrelevant“, die sie aus Anlaß des Weltbienentages veröffentlichte:

Insekten sind systemrelevant. Foto: Honighäuschen)

„Ohne Insekten werden viele Blüten nicht bestäubt, deren Früchte zu unserer Ernährungsgrundlage gehören. Aber Insekten sind auch zentraler Teil des Ökosystems, zum Beispiel als Nahrungsgrundlage für kleine Säuger und Vögel. Deshalb ist der Insektenschwund ein alarmierendes Symptom dafür, wie fragil Ökosysteme sind, die existenziell für unser Leben sind. Laut Studien gehören zu den Ursachen der Verlust von Lebensräumen durch Versiegelung durch Siedlungs- und Verkehrsflächen oder Lichtverschmutzung. Aber auch die Landwirtschaft muss insektenfreundlicher werden. Dazu gehören Ackerkulturen und Wiesen, die Nahrung und Fortpflanzung von Insekten sichern, aber auch eine Minimierung des chemischen Pflanzenschutzes, zuallererst der besonders bienengefährlichen Wirkstoffgruppen wie Neonikotinoide.“, so Dr. Kirsten Tackmann, agrarpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag, zum heutigen Weltbienentag.

Dr. Kirsten Tackmann weiter in „Insekten sind systemrelevant“:

Eine Honigbiene winkt aus einer Krokusblüte (Foto: Klaus Maresch)

„DIE LINKE fordert deshalb eine Qualifizierung des EU-Zulassungsverfahrens für Wirkstoffe, das alle gesundheitlichen und ökologischen Risiken erfasst. Gefährliche Wirkstoffe dürfen nach dem Vorsorgegrundsatz nicht zugelassen werden, statt sie immer wieder nach Schäden zu verbieten. Risikostudien müssen von unabhängigen Institutionen erstellt werden, statt Antragstellenden wie Baysanto die Feder führen zu lassen. Langfristige und kumulative Effekte auf Mensch, Umwelt und Nicht-Zielorganismen müssen berücksichtigt werden. In der EU verbotene Wirkstoffe dürfen hier auch nicht produziert und exportiert werden. Die Mittel der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) sind an soziale und ökologische Kriterien zu binden. Insektenfreundliche Kulturflächen wie Brachen, Schonstreifen, Hecken und Streuobstwiesen sowie insektenfreundliche Kulturen wie Durchwachsene Silphie müssen direkt gefördert werden.

Am Weltbienentag darf es nicht nur um die Honigbiene gehen, sondern auch um Wildbienen und alle anderen Insekten. Es geht nicht nur um die Sicherung der Bestäubungsleistungen für die menschliche Ernährung, auch wenn sie ein Drittel unserer Nahrungsmittelproduktion sichert. Es geht um den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlage.“

Gefährliche Neonicotinoide werden weiterhin von Bayer hergestellt und nach Indien exportiert.

Weitere Informationen:

"Gemeinsame Agrarpolitik ändern – Insektenfreundliche Landwirtschaft fördern“ (Drs. 19/9344)
„Pflanzenschutz konsequent auf Schutz von biologischer Vielfalt und Imkerei ausrichten“ (Drs. 19/17767)

Totalschaden dank „unheiliger Allianz“ zugunsten der Agrarindustrie

Zitronenfalter auf Bartnelken (Foto: Honighäuschen)

HONIGHÄUSCHEN (BONN) – Bei der Abstimmung zur Reform der Europäischen Agrarpolitik (GAP) haben sich im Agrarausschuss des Europaparlaments (EP) die ewig Gestrigen mit einer rückwärtsgewandten Haltung der reinen Besitzstandswahrung durchgesetzt. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umwelt- und Gesundheitsausschuss, kommentiert empört:

„Wir Grüne im EP lehnen nicht nur diese rückständige und völlig ignorante Positionierung ab, sondern sind auch schockiert darüber, dass sich im Agrarausschuss kein Widerstand dagegen regt!

Wir Grüne haben uns bemüht, zusammen mit den Linken im Parlament, alternative Kompromisse vorzulegen, doch die Konservativen waren in einer unheiligen Allianz mit den Liberalen entgegen dem üblichen Verhalten im Parlament, nicht zu Kompromissen bereit. Die S&D zündete, wie so oft, ein paar Fortschrittsnebelkerzen und machte dann ebenfalls gute Miene zu diesem hässlichen Spiel. In Deutschland die Umweltfahne hissen und auf EU-Ebene bis unter die Grasnarbe einsinken – zukunftsfähige Politik sieht anders aus!

 

Grüne fordern Kappung im oberen Hektar-Bereich

Wo findet der Schwalbenschwanz noch Nahrung und Futterpflanzen für die Eiablage? (Foto: Honighäuschen

Wir Grüne haben eine Kappung im oberen Hektar-Bereich gefordert sowie die verbindliche Einhaltung von Umweltleistungen für den Erhalt der Direktzahlungen, statt weiterhin sehr hohe Zahlungen für bloßen Hektarbesitz plus rein freiwillige ökologische Zusatzleistungen, wie es nun im Ergebnis steht. Der abgestimmte Vorschlag sieht darüber hinaus vor, dass Mitgliedstaaten entscheiden können, dass Agrarumweltmaßnahmen überhaupt nur in „wenigen benachteiligten Regionen“ angewandt werden sollen. Intensive Landwirtschaft muss dagegen gar keine verbindlichen Umweltleistungen vorweisen. Das ist völlig inakzeptabel. Die verbindlichen gesetzlichen Mindestvoraussetzungen zum Erhalt der Direktzahlungen (sogenannte erweiterte Konditionalität), die sich auch auf den Klimaschutz auswirken, wie beispielsweise die Erhaltung von Dauergrünland oder der Einsatz von Pestiziden auf ökologischen Vorrangflächen, sollen deutlich abgeschwächt werden. Hier wurde sogar der Vorschlag der Kommission noch deutlich verwässert.

Diese Betonkopf-Allianz im EU-Agrarausschuss ignoriert völlig die eindeutige Willensbekundung der Europäischen Zivilgesellschaft vom Juli 2017, die die GAP auf mehr Umwelt-, Tier- und Klimaschutz sowie den dringend notwendigen Schutz der Biodiversität ausgerichtet sehen will. Sämtliche Analysen von wissenschaftlicher Seite und seitens des Europäischen Rechnungshofes, die belegen, dass eine Agrarpolitik der reinen Geldverteilung nicht mehr angemessen ist, wurden in den Wind geschlagen. Stattdessen wird den Mitgliedstaaten freie Hand fürs Umwelt-Dumping gewährt und das Prinzip der „gemeinsamen Agrarpolitik“ für ein fragwürdiges Renationalisierungsmodell aufs Spiel gesetzt.

Diese Haltung wird nicht nur die Akzeptanz für Agrarzahlungen massiv verringern, es ist auch verantwortungslos gegenüber der ganzen landwirtschaftlichen Branche in der EU, die sehenden Auges vor die Wand gefahren wird, da sie weiterhin dringende Klima- und Umweltanpassungen verschleppen darf. Bauern, die mehr für die Umwelt und die Gesellschaft tun wollen, werden sogar benachteiligt gegenüber den Betrieben, die mit dem Segen des jeweiligen Mitgliedstaates, aber auf Kosten aller vermeintlich günstiger wirtschaften dürfen.“

Weitere Informationen:

Die Grünen/EFA im Europäischen Parlament – Martin Häusling

Büro Brüssel Tel. +32-2-284-5820, Email: martin.haeusling@europarl.europa.eu

Büro Berlin Tel. +49-(0)30-227-70020, Email: berlin@martin-haeusling.eu

Finanzierte Bachelor- oder Masterarbeit zum Insektensterben zu vergeben

Eine Wildbiene sammelt Pollen im Mohn. Auch wildbienen sind vom Insektensterben betroffen. (Foto: Honighäuschen)

HONIGHÄUSCHEN (BONN) – Problemstellung: Der Rückgang der Insekten ist ein topaktuelles Thema. Viele der Ursachen sind mittlerweile verstanden, trotzdem existiert noch erheblicher Forschungsbedarf. Vor allem existieren noch viel zu wenige quantitative Untersuchungen, die die aktuelle Situation mit der Vergangenheit vergleichen. Hier setzt diese Bachelor- oder Masterarbeit an, denn im Jahr 2001 wurden im Oettinger Forst (bayerisch Schwaben) intensive Untersuchungen an Tagfaltern und Widderchen durchgeführt. Diese soll in diesem Jahr von Ende April bis zum Frühherbst wiederholt werden. Die Anzahl der Zählungen richtet sich danach, ob die Arbeit als Bachelor- oder Masterarbeit durchgeführt wird.

Angebotene Leistungen

Wir bieten: Die Reisekosten nach Oettingen werden übernommen und für eine kostenlose Unterbringung vor Ort wird gesorgt. Außerdem wird diese Arbeit mit einem Werkvertrag (1.000 € bei Bachelorarbeit; 2.000 € bei Masterarbeit) entgolten.
Interessiert? Dann wenden Sie sich (bevorzugt per Email) an:
Univ.-Prof. Dr. Thomas Schmitt
Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut, 15374 Müncheberg (Mark)
Email: thomas.schmitt@senckenberg.de

Einbruch in Bonn – Größte Imkerei der Stadt verwüstet

Mehrere Zehntausend Euro Schaden haben Unbekannte beim Einbruch in Bonns größter Imkerei angerichtet. In der Nacht zu Freitag stiegen sie in den Betrieb von Klaus Maresch auf dem ehemaligen Schießstand der Bundeswehr auf der Hardthöhe ein.

Weil die Tür des früheren Lagerplatzes für Munition zu massiv und verschlossen war, schlugen die Täter Löcher in das Dach. Drinnen schütteten sie Honigessig aus, zerstörten Kerzen und zertraten unzählige Tuben von Handcreme. „Die teuersten Maschinen blieben glücklicherweise unberührt“, erzählte Maresch gestern.

Trotzdem sei der Einbruch für ihn existenzbedrohend. Eine Wand beschmierten die Unbekannten mit einem Hakenkreuz, weshalb nun nicht nur die Polizei, sondern auch der Staatsschutz ermittelt. Weil es sich trotz der Stilllegung des Schießstands um einen militärischen Sicherheitsbereich handelt, ist auch der Militärische Abschirmdienst (MAD) aktiv geworden.

Beschädigt wurde zudem der Messestand des fiktiven Bundesamts für magische Wesen, dessen Schöpfer Maresch ist. „Eine Veranstaltung am kommenden Wochenende müssen wir absagen“, sagte er.

Schon im März und im Juli hatte jemand vergebens versucht, in die Imkerei einzusteigen. Hinweise zu den Taten nimmt die Polizei unter 0228/150 entgegen.

Quelle: Einbruch in Bonn – Größte Imkerei der Stadt verwüstet

„Outer Space“ in der Bundeskunsthalle : Hier werden die Bonner ins All geschossen | Express.de

HONIGHÄUSCHEN (BONN) – Begrüßt wird man von Rubens’ Monumental-Gemälde „Die Geburt der Milchstraße“ – verabschiedet von einem Countdown, der die Zeit bis zur Explosion unserer Sonne hinunterzählt.

… Am Freitag startet „Outer Space“, ist dann bis zum 22. Februar täglich außer montags in der Bundeskunsthalle zu sehen. Besonderes Highlight: Am 8. Dezember steigt dort die große Willkommensparty für ISS-„Kölschonaut“ Alexander Gerst. Er wird das letzte Exponat der Ausstellung selber mitbringen: die „Bundesbiene“. Der Bonner Brummer stammt vom Bienenstock auf dem Dach der Kunsthalle, begleitet Gerst derzeit noch im All.  …

Quelle: „Outer Space“ in der Bundeskunsthalle : Hier werden die Bonner ins All geschossen | Express.de

Bioland-Imkerei Honighäuschen fordert auf der Grünen Woche die Einführung eines Sachkundenachweises für die Imkerei

Der Bienenstand der Imkerei Honighäuschen auf dem Dachgarten der Bundeskunsthalle in Bonn. (Foto: Klaus Maresch)

2012 nimmt die Bioland Imkerei Honighäuschen zum ersten Mal an der Grünen Woche in Berlin teil und stellt verschiedene Honigsorten aus der Region Bonn und aus Wanderung in andere Gebiete Deutschlands vor. Die „Bundesbienen“ und ihr Honig, die Sorten „Bundes-Frühlingsblütenhonig“ und „Bundes-Sommerblütenhonig“ sind etwas besonderes. Der Bienenstand, von dem diese Honigsorten stammen, befindet sich auf dem Dachgarten der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn.
Dieser Bienenstand mit 12 Bienenvölkern der Bienenrasse Buckfast wurde 2011 im Rahmen der Max-Liebermann-Ausstellung von 136.000 Besuchern besichtigt, von denen viele Besucher auch an Führungen und Fachgesprächen teilnahmen. Lediglich ein Besucher wurde gestochen, als er unbedingt eine Biene streicheln wollte.
Die nach den Richtlinien des Öko-Anbau-Verbandes Bioland geführte und zertifizierte Imkerei bietet neben anderen Honigsorten auch einen Honigmet an, der dem Barberini-Papst Urban VIII. gewidmet ist.
Zum Schutz der Bienen setzt sich die Bioland-Imkerei Honighäuschen auch für die Einführung eines verpflichtenden Sachkundenachweises in der Imkerei ein und plädiert für eine durch den Amtsveterinär angeordnete, flächendeckende und überwachte Varroabehandlung. Das bisherige Konzept der freiwilligen Varroabehandlung ist gescheitert und führt auch diesen Winter wieder zu massiven Verlusten von um die 30%, wie das Bieneninstitut Mayen prognostiziert.
In keinem anderen Bereich der Tierzucht und Lebensmittelerzeugung wird akzeptiert, daß 30% des Tierbestandes regelmäßig eingehen. Vieles spricht dafür, daß Varroaverluste auf Behandlungsfehler unqualifizierter Imker zurückgehen, die damit auch ihre Nachbarschaft belasten. Gut qualifizierte Imker, die ihre Bienenvölker sorgfältig behandeln und überwachen, haben – wenn überhaupt – deutlich weniger varroabedingte Verluste. So wurde nach einer Vorabumfrage unter den 250 Bioland-Imkern, die etwa 15.000 Bienenvölker halten, ein nur geringer Bedarf an Völkern gemeldet, der noch nicht einmal 5% des Bestandes abdeckt.
Am Stand der Bioland Imkerei Honighäuschen präsent sind auch die Präsidenten des Deutschen Berufs und Erwerbs Imkerbundes, Manfred Hederer und der European Professional Beekeepers Association, Walter Haefeker.

Bundesbienen produzieren Honig auf Behördengelände

Dank der Kleingärten und Balkonbepflanzungen finden Bienen in den Städten den ganzen Sommer über Nahrung. Stadtbienen-Projekte sind im Trend. Beispiele sind die Bonner „Bundesbienen“ oder „Berlin summt“. Foto: Klaus Maresch)

Bonn/Berlin (epd) Umschwirrt von Bienen steht Imker Klaus Maresch auf dem Dach der Bundeskunsthalle in Bonn. Gerade hat er eine Wabe aus einem Bienenkasten gezogen, um sie Besuchern zu zeigen. Die Leute kommen normalerweise ins Museum, um sich Kunst anzuschauen. Doch in diesem Sommer ist die Bundeskunsthalle auch Anziehungspunkt für Bienenfreunde. Seit dem Frühjahr wohnen Mareschs „Bundesbienen“ auf dem weitläufigen Flachdach des Gebäudes. Auch in anderen Städten stellen Imker ihre Bienenkästen auf.

Mit seinem Projekt „Bundesbienen“ will der Imker auf die Bedeutung der Bienen für die Natur aufmerksam machen. Neben den zwölf Völkern auf dem Dach der Bundeskunsthalle hat Maresch 40 Bienenstöcke auf dem Gelände des Bundesverteidigungsministeriums in Bonn und auf dem Grundstück des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz.

Die Bonner „Bundesbienen“ haben auch Kolleginnen in der Hauptstadt. Dort sorgte die Initiative „Berlin summt“ dafür, dass seit dem Frühjahr auf den Dächern des Abgeordnetenhauses und zehn weiterer öffentlicher Gebäude Bienenvölker leben. Der Berliner Initiative geht es dabei auch um politische Ziele. „Wir wollen damit auf das Thema Biodiversität aufmerksam machen“, sagt Initiatorin Corinna Hölzer vom Verein Umweltforum für Aktion und Zusammenarbeit. Ohne die Bestäubungsarbeit der Bienen sei auch keine Artenvielfalt in der Pflanzenwelt möglich. Hölzer hatte keine Probleme, in der Hauptstadt genügend Imker für das Projekt zu finden. Immer mehr Menschen in den Städten entdeckten die Imkerei als Hobby, stellt Petra Friedrich vom Deutschen Imkerbund fest. Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt mit Titeln wie „Imkern in der Stadt“ oder „Bienen halten in der Stadt“ belegen diesen Trend.

Lange war der Imkerbund von Nachwuchssorgen geplagt. Seit drei Jahren gehe es wieder aufwärts, sagt Friedrich. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Vereinsmitglieder um vier Prozent gestiegen. Viele davon seien Frauen, was ebenfalls neu sei. Dennoch könnten die rund 87 000 deutschen Imker noch Verstärkung brauchen. Vor 50 Jahren habe es viermal so viele Bienen gegeben wie heute, sagt Friedrich.

Doch nicht nur urbane Hobby-Imker stellen ihre Bienenkästen auf die Dächer der Metropolen. Auch Haupterwerbsimker lassen ihre Völker in Städten ausschwärmen. Friedrich erklärt, das Nahrungsangebot sei größer und die Pflanzen seien gar nicht oder wenig durch Pestizide belastet.

Die Bienen finden laut Maresch den ganzen Sommer über Nahrung in Kleingärten, Balkonbepflanzungen, Parks, Alleen und Friedhöfen. Auf dem Land gebe es sehr häufig Monokulturen. „Ein Fluch für die Bienen.“ Die seien eine Zeit lang gut versorgt, wenn der Raps blühe, danach fänden sie nichts mehr.

Der Geschmack des Stadthonigs stehe dem des Landhonigs in nichts nach, sagt Friedrich. Rückstände von Schadstoffen, etwa durch Abgase, seien kein Problem. „Die Bienen filtern das heraus“, erklärt Friedrich. Untersuchungen hätten gezeigt, dass selbst Bienenkästen auf dem Frankfurter Flughafen unbelasteten Honig lieferten.

(Quelle: Volksstimme)

Projekt „Bundesbienen“

HONIGHÄUSCHEN (BONN) – Umschwirrt von Bienen steht Imker Klaus Maresch auf dem Dach der Bundeskunsthalle in Bonn. Gerade hat er eine Wabe aus einem Bienenkasten gezogen, um sie Besuchern zu zeigen. Die Leute kommen normalerweise ins Museum, um sich Kunst anzuschauen. Doch in diesem Sommer ist die Bundeskunsthalle auch Anziehungspunkt für Bienenfreunde. Seit dem Frühjahr wohnen Mareschs „Bundesbienen“ auf dem weitläufigen Flachdach des Gebäudes. Auch in anderen Städten stellen Imker ihre Bienenkästen auf.

Aus Mareschs Sicht bietet gerade eine Stadt wie Bonn mit ihren vielen Behörden, Museen und Grünanlagen ideale Standorte für seine Bienen. Deshalb startete er das Projekt „Bundesbienen“, mit dem er auf die Bedeutung der Bienen für die Natur aufmerksam machen möchte. Neben den zwölf Völkern auf dem Dach der Bundeskunsthalle hat Maresch auch 40 Bienenstöcke auf dem Gelände des Bundesverteidigungsministeriums in Bonn und auf dem Grundstück des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz.

Auf dem Dach der Bonner Kunsthalle wird jetzt Honig produziert

Eine Führung an den Bundesbienen mit Dr Bernhard Spies

Die Bonner „Bundesbienen“ haben auch Kolleginnen in der Hauptstadt. Dort sorgte die Initiative „Berlin summt“ dafür, dass seit dem Frühjahr auf den Dächern des Abgeordnetenhauses und zehn weiterer öffentlicher Gebäude Bienenvölker leben. Der Berliner Initiative geht es dabei auch um politische Ziele. „Wir wollen damit auf das Thema Biodiversität aufmerksam machen“, sagt Initiatorin Corinna Hölzer vom Verein Umweltforum für Aktion und Zusammenarbeit. Ohne die Bestäubungsarbeit der Bienen sei auch keine Artenvielfalt in der Pflanzenwelt möglich.

Hölzer hatte keine Probleme, in der Hauptstadt genügend Imker für das Projekt zu finden. Denn Bienenstöcke mitten in der Stadt, bisweilen sogar auf dem Balkon, sind keine Seltenheit mehr. Immer mehr Menschen in den Städten entdeckten die Imkerei als Hobby, stellt Petra Friedrich vom Deutschen Imkerbund fest. Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt mit Titeln wie „Imkern in der Stadt“ oder „Bienen halten in der Stadt“ belegen diesen Trend. Lange war der Imkerbund von Nachwuchssorgen geplagt. Seit drei Jahren gehe es wieder aufwärts, sagt Friedrich. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Vereinsmitglieder um vier Prozent gestiegen. Viele davon seien Frauen, was ebenfalls neu sei. Dennoch könnten die rund 87 000 deutschen Imker noch mehr Verstärkung brauchen. Vor 50 Jahren habe es viermal so viele Bienen gegeben wie heute, sagt Friedrich.

Doch nicht nur urbane Hobby-Imker stellen ihre Bienenkästen auf die Dächer der Metropolen. Auch Haupterwerbsimker lassen ihre Völker in Städten ausschwärmen. „Die Bedingungen sind für die Bienen in städtischem Gebiet besser“, erklärt Friedrich diese Entwicklung. Das Nahrungsangebot sei größer und die Pflanzen seien gar nicht oder zumindest wenig durch Pestizide belastet.

Die Bienen finden laut Maresch den ganzen Sommer über Nahrung in Kleingärten, Balkonbepflanzungen, Parks, Alleen und Friedhöfen. Auf dem Land hingegen gebe es sehr häufig Monokulturen. Die seien dann zum Beispiel eine Zeit lang gut versorgt, wenn der Raps blühe, sagt er. Doch wenn die Blüte vorbei sei, fänden die Bienen nichts mehr. Da müssten die Imker dann sogar häufig zufüttern.

Quelle: Projekt „Bundesbienen“ – WELT

Kunsthalle: Bundesbienen schwärmen aus | Kölner Stadt-Anzeiger

An den Bundesbienen auf dem Dach der Bundeskunsthalle

Bonn – „Vor meinen Mädels brauchen Sie keine Angst zu haben“, sagt Klaus Maresch (41) zu den Besuchern auf dem Dach der Bundeskunsthalle. In der Tat: Friedlich und fast geräuschlos umschwirren die „Mädels“ ihre Gäste. Ihr zurückhaltendes Wesen kommt nicht von ungefähr. Schließlich stammen die Bienen aus England, genauer gesagt aus der Benediktinerabtei Buckfast in Devon.

Dort hat der aus Deutschland stammende Bruder Adam einst ihre Vorfahren beherbergt. Wie Klaus Maresch war Bruder Adam Imker, er kreuzte 1916 die italienische mit der einheimischen dunklen Biene zur „Buckfastbiene“. Die neue Zuchtrasse entpuppte sich nicht nur als sanftmütig, sie gilt auch als besonders fleißig und widerstandsfähig. Ein Grund vielleicht, derzeit 30 000 bis 40 000 davon als „Bundesbienen“ in zwölf Stöcken im ehemaligen Bonner Regierungsviertel anzusiedeln. Die weitaus meisten der Tiere sind weiblich – die kurzlebigen männlichen Drohnen haben nicht Mal einen Stachel. Sie werden nur zur Befruchtung gebraucht.

„Nein, sie sind nicht schwarz-gelb“, sagt Maresch. Energisch widerspricht er der im Comic üblichen Darstellung seiner Lieblinge. Auch Biene Maja sei natürlich eher grau- oder orange-braun gefärbt. Der Bundesbienenvater rückt nicht nur die eigenen friedlich freundlichen Nektarsammler ins richtige Bild, er kümmert sich auch um deren freilebende Artgenossen. Immer wieder wird er von besorgten Hausbewohnern alarmiert, die einen wilden Bienenstock in ihrem Garten entdeckt haben. „In Bezug auf Insekten reagieren die Menschen in Deutschland geradezu hysterisch“, urteilt Maresch. Dabei seien die einheimischen Arten vergleichsweise ungefährlich.

Europäische Bienen sind so friedlich, dass der Imker eingefangene Stämme schon mal ohne jede besondere Vorkehrung im Wagen mitgenommen hat. „Da hat dann an einer Ampel ein anderer Autofahrer ganz entsetzt an mein Fenster geklopft. Er wollte mich vor den gefährlichen Tieren warnen.“ Der Mann hat sich dann wohl sehr gewundert, als Maresch unbeeindruckt weiterfuhr. Baff war auch der Steward einer Fluglinie, als der Imker ihn um ein wenig Wasser für die Bienenköniginnen bat, die er in einer Schachtel in eine neue Heimat überführte. „Lassen sie die aber bitte nicht raus“, flehte der Flugbegleiter, bevor er die Bitte erfüllte. Dabei finden sich für Bienenvölker überall auf der Welt attraktive Siedlungsplätze: Zum Beispiel auf dem Dach der Pariser Oper, in der Residenz des französischen Staatspräsidenten, im Vatikan, im Weißen Haus oder auf den Hochhausdächern in New Yorker Stadtteil Manhattan. Maresch berichtet, dass er auch auf dem Verteidigungsministerium einen Bienenstand betreibt. „Da kam man mir sehr entgegen.“

Auch an der Bundeskunsthalle zeigte man sich den Insekten gegenüber offen. Gemeinsam mit Stephan Andreae, einem der Kuratoren des Künstlerprojektes „Ornithoport – Flughafen für Vögel“ arbeitete Maresch den Plan aus: „Bienen und Vögel sind abhängig von einer intakten Umwelt. Mit ihrer Bestäubungsarbeit sorgen Bienen auch für das Nahrungsangebot für Vögel. Die im Max-Liebermann-Garten auf dem Kunsthallen-Dach zu sehenden Nutzpflanzen brauchen die Bestäubung durch Bienen und so ergaben sich Verbindungen der Projekte Max-Liebermann-Garten, Ornithoport und Blumenwiese.“ Im Frühsommer und Sommer blühen auf dem Dach Wilde Möhre, Kornrade, Korn- und Flockenblume, Süßklee, Mohnblume, Wermut und viele andere Blütenpflanzen. Sie bieten den Bienen ein gutes Nektarangebot. Beim ersten Schleudern der Honigwaben im Mai kamen rund 250 Kilogramm zusammen, die jetzt verkauft werden (siehe „Blick in die Honigwabe“).

Aber schließlich gelten die pelzigen Insekten auch als Symbol eines sparsam wirtschaftenden Gemeinwesens. Das wird seit langer Zeit geschätzt: Schon im Jahr 800 ordnete Kaiser Karl der Große an, dass auf seinen Gütern Bienen zu halten seien.

Quelle: Kunsthalle: Bundesbienen schwärmen aus | Kölner Stadt-Anzeiger