Archiv der Kategorie: Landwirtschaft und Agrar

Kolumbianischer Ex-Polizist nimmt nach Glyphosat-Kontakt Sterbehilfe in Anspruch

Bogotá (AFP) – Nachdem er bei der Arbeit jahrelang dem Unkrautvernichter Glyphosat ausgesetzt war und später an Parkinson erkrankte, hat ein Ex-Beamter der kolumbianischen Anti-Drogenpolizei Sterbehilfe in Anspruch genommen. Der 59-jährige Gilberto Avila sei am Montag in Armenia im Zentrum des Landes gestorben, sagte einer seiner Angehörigen der Nachrichtenagentur AFP.

In den 90er Jahren hatte Avila an mehreren Einsätzen teilgenommen, bei denen Koka-Felder mit dem Unkrautvernichtungsmittel besprüht wurden. Gemeinsam mit Kollegen hatte der Polizist die Felder bewacht, während die Chemikalie per Hubschrauber oder Flugzeug über den Pflanzen ausgebracht wurde. Dabei wurden auch die Beamten mit eingesprüht.

Parkinson-Erkrankung im Zusammenhang mit Glyphosat sehr wahrscheinlich

2009 wurde bei Avila Parkinson diagnostiziert. Es gebe eine „hohe Wahrscheinlichkeit“, dass das Glyphosat seine Erkrankung verursacht habe, sagte Avila. Zwei seiner Kollegen seien ebenfalls an Parkinson erkrankt

„Ich will nicht, dass das Glyphosat weiter Leben wie das meine tötet“, hatte Avila in der vergangenen Woche in einem Video gesagt, in dem er seine Entscheidung bekanntgab, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Er war zuletzt nahezu vollständig gelähmt.

Laut wissenschaftlichem Studien ist eine längere Glyphosat-Exposition ein Risikofaktor für die Entwicklung von Parkinson. Wegen des Verdachts, dass Glyphosat Umwelt- und Gesundheitsschäden verursacht, hatte Kolumbien das Besprühen von Drogenanbaukulturen mit dem Mittel im Jahr 2015 eingestellt.

oer/gt

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Deutschland steuert auf Rekordjahr bei Waldbränden zu

Berlin (AFP) – Deutschland steuert auf ein Rekordjahr bei Waldbränden zu. In diesem Jahr verbrannten bereits fast 4300 Hektar Wald, wie der Deutsche Feuerwehrverband und der Waldeigentümerverband am Freitag in Berlin erklärten. Das ist mehr als das Fünffache des jährlichen Durchschnittswerts. Der dadurch entstandene Holzschaden summiert sich demnach auf bis zu 40 Millionen Euro. Feuerwehren und Waldeigentümer forderten finanzielle Unterstützung für Präventionsmaßnahmen wie den Waldumbau oder das Anlegen von Schneisen.

Bereits 2019 waren mehr als 2700 Hektar Wald in Deutschland abgebrannt. Laut Statistik des Bundeslandwirtschaftsministeriums wurden im Jahr 1992 sogar rund 4900 Hektar durch Feuer zerstört.

Waldbesitzer fordern gezielten Waldumbau

Buchtipp: Ökologischer Waldumbau in Deutschland

„Wir können uns weitere Waldbrandsommer dieser Art nicht leisten“, warnte Andreas Bittner, Präsident des Waldbesitzerverbands. Das Risiko könne durch gezielten Waldumbau und das Anlegen von weniger brandgefährdeten und klimaresistenteren Mischwäldern deutlich reduziert werden.

Dieser Aufwand sei allerdings nicht mehr in bisherigem Umfang aus den Holzerlösen zu tragen. Der Verband schätzt die Kosten für den nötigen Waldumbau auf bis zu 15.000 Euro je Hektar. Die Waldbesitzer könnten dies „allein nicht stemmen“, sagte Bittner.

Auch die Feuerwehr sieht sich bei der Waldbrandbekämpfung regional an der Belastungsgrenze und fordert mehr Prävention und Aufklärung. Rund 90 Prozent der Waldbrände gingen auf menschliches Fehlverhalten zurück.

Rauchverbot im Wald zur Vermeidung von Waldbränden gefordert

„Wir müssen einfach den Menschen wieder beibringen, wie sie sich zu verhalten haben und was es bedeutet, wenn der deutsche Wald brennt“, sagte Karl-Heinz Banse, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbands. Er forderte „zwingend ein Rauchverbot im Wald“.

Als weitere Maßnahmen nannte der Feuerwehrchef neue Technik wie leichtere und geländegängige Löschfahrzeuge, mehr Unterstützung aus der Luft durch Löschhubschrauber, Löschwasserdepots in Wäldern, die Schaffung von baumfreien Schutzstreifen und ein besseres Totholzmanagement.

Falsch verstandener Naturschutz könne dazu führen, „dass eine Bekämpfung von Bränden unnötig erschwert und verzögert wird“, kritisierte Banse. So sei Totholz zwar wichtig für die Rückgabe von Nährstoffen an den Waldboden und als Rückzugsraum für Insekten und Kleintiere. In besonders gefährdeten Gebieten sei jedoch auch in Naturschutzgebieten eine Beschränkung nötig, um die Brandbekämpfung effektiver zu machen.

Zu viel Totholz begünstige die schnelle Brandausbreitung am und im Boden und verhindere eine direkte Brandbekämpfung im Wald. „Totholz kann zur Verschärfung eines Waldbrandes Beitragen“, warnte der Feuerwehrchef.

hex/cfm

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„So viel wie nötig, so wenig wie möglich“: Wie die Stadt Bonn Bäume bewässert

Bonn – Bäume in der Stadt, Straßenbäume, Bäume in den Park- und Grünanlagen, auf Spielplätzen und Friedhöfen tragen wesentlich zum innerstädtische Klima und Wohlbefinden der Bewohnerinnen und Besucher Bonns bei.

Daher legt die Verwaltung großen Wert auf die gute Pflege der oft prägenden Bestandteile der Stadtgestaltung. Ein ganz entscheidendes Kriterium, dass ein Baum in nicht immer baumfreundlichen urbanen Umwelt überlebt, ist, dass er ausreichend mit Wasser versorgt wird.

In Zeiten großer Hitze und Trockenheit leidet das Stadtgrün besonders unter Wassermangel unter anderem als Folge von Grundwasserabsenkungen, Bodenverdichtungen, Bodenversiegelungen. Daher hilft die Stadt Bonn auch mit Wässern nach. An der Oscar-Romero-Straße zum Beispiel, bei jungen Spitzahornen, die dort im vorigen Jahr gepflanzt wurden. Im Auftrag gießt dort ein Garten- und Landschaftsbauunternehmen die Jungbäume. Bei einem Ortstermin am Dienstag, 23. August 2022, erläuterte Dieter Fuchs, Leiter des Bereichs Stadtgrün im Amt für Umwelt und Stadtgrün, gemeinsam mit Kollegin Ute Odenthal, wie wichtig es ist, den Stadtbäumen bei Trockenheit zu helfen, aber auch, wo dem Bewässern Grenzen gesetzt sind.

Wurzeln müssen in die Tiefe gelockt und die Bäume zur Selbstversorgung erzogen werden

„Bereits seit Mai dieses Jahres haben wie eine deutlich zu trockene Witterung. Dazu kamen und kommen überdurchschnittliche Temperaturen und Sonnenstunden, so dass die Böden stark ausgetrocknet sind“, beschreibt Dieter Fuchs die aktuelle Situation. Damit gleicht diese dem Dürrejahr, das Deutschland bereits 2018 erlebt hatte.

Eine ausreichende Wasserversorgung ist aber essenziell für das Gedeihen der Stadtbäume. Das vorrangige Ziel muss es daher sein, die Wurzeln – beispielsweise durch entsprechendes Substrat und einen geeigneten Bodenaufbau – in die Tiefe zu locken und den Baum zu ertüchtigen, sich eigenständig mit Wasser zu versorgen, um sich dadurch am Standort zu akklimatisieren.

„Da Wasser ein teures Gut ist und die Bäume zur Selbstversorgung erzogen werden müssen, lautet unser Motto immer ‚So viel wie nötig, so wenig wie möglich‘, sollte eine zusätzliche Bewässerung erforderlich sein“, betont Fuchs, der auch Leiter des Arbeitskreises Stadtbäume der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) ist.
Hauptbedarf an Wasser liegt zwischen März und Juni

Bienenbäume wie hier auf einem Kinderspielplatz brauchen in Trockenzeiten Wasser, um Nektar für Blütenbesucher zu produzieren. (Foto: Klaus Maresch)

Bei zusätzlichen Wässerungen muss der Fokus auf den Jungbäumen liegen, da sich diese noch nicht eigenständig ausreichend mit Wasser versorgen können. Ein alter Baum kommt in der Regel ohne zusätzliche Wässerungen aus. Um eine Bewässerung von Bäumen sinnvoll zu organisieren, muss man wissen, dass der Hauptbedarf an Wasser grundsätzlich in den Monaten März bis Juni liegt. Trockenperioden danach werden besser verkraftet, da dann auch die Zeit des Hauptwachstums vorüber ist.

Ein wichtiger Aspekt ist auch, wieviel Wasser im Boden wirklich für die Pflanze verfügbar ist. Dies ist je nach Bodenart unterschiedlich. So kann man schätzungsweise davon ausgehen, dass in gesättigten Sandböden rund 130 Liter pro Kubikmeter gespeichert werden können. In so genannten Schluffböden, das sind sehr feinkörnige Böden, sind es rund 250 Liter pro Kubikmeter. Tonböden können etwa 100 Liter pro Kubikmeter an Wasser halten.

Durchschnittlich braucht ein Jungbaum wöchentlich rund 100 Liter Wasser, um ausreichend gedeihen zu können. Theoretisch hochgerechnet wären für einen gesunden Großbaum alle 14 Tage etwa 20.000 Liter Wasser notwendig. „Dies verdeutlicht, dass eine Wässerung eines Großbaumes, neben der zweifelhaften Notwendigkeit, fast unmöglich ist“, sagt Ute Odenthal aus dem Baubereich der Abteilung Stadtgrün und unter anderem zuständig für die Pflege des Grüns. Große und ältere Bäume sollten daher auch von Anwohnern nicht gegossen werden. Die Wurzeln älterer Bäume reichen tief in den Erdboden und breiten sich sehr weit aus. Als Orientierung: der Wurzelbereich entspricht in etwa dem Kronendurchmesser. Die Bäume nehmen ihr Wasser aus tiefen Erdschichten auf. Gießwasser erreicht in solchen Fällen kaum den Bereich, in dem es die Wurzeln des Baumes aufnehmen könnten.

Bewässerung bleibt auf junge Straßenbäume beschränkt

Derzeit beträgt die übliche Pflege durch Unternehmer vier Jahre. Wenn sich die Temperaturen allerdings im Rahmen der klimatischen Entwicklung weiterhin erhöhen, muss eine generelle Verlängerung der Entwicklungspflege erfolgen. Je nach Standort und Witterung können Wässerungen auch noch bis zum zehnten Standjahr erforderlich werden. Ziel ist es, dass ein Baum spätestens nach dieser Zeit in der Lage sein muss, sich selbst ausreichend mit Wasser zu versorgen.

Grundsätzlich wird eine Bewässerung auf die jungen Straßenbäume beschränkt bleiben. In Grünanlagen und auf Grünflächen sind Bewässerungen nur im Einzelfall möglich, in den Stadtwäldern überhaupt nicht.

Die Wässerung von Jungbäumen kann auch über Wassersäcke erfolgen. Bei Füllmengen von 55 bis 100 Litern wird das Wasser über kleine Öffnungen am Grund des Wassersacks tröpfchenweise in den Boden abgegeben. Da das Wasser sehr langsam im Ballenbereich versickert, steht es dem Baum vollumfänglich zur Verfügung. Dieses System hat sich insbesondere bei Hanglagen bewährt oder in dem Fall, wenn kein Gießrand, den die Stadt Bonn bevorzugt, eingebaut werden kann.

„Allerdings besteht die Gefahr, dass bei konstanter Feuchte im oberen Boden die Wurzelentwicklung nicht in die Tiefe gelenkt wird und sich teilweise Pilzbewuchs unter den Säcken bilden kann“, gibt Fuchs zu bedenken. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass oftmals nicht der gesamte Ballen befeuchtet wird. Hinzu kommt, dass die Säcke im Herbst abgeräumt, gesäubert und gelagert werden müssen. Sie sollten daher also nur in besonderen Fällen ausnahmsweise eingesetzt werden.

Grenzen der Bewässerung: Embolie im Baum

Bei allen Anstrengungen gibt es aber auch physiologische Grenzen bei der Bewässerung von Bäumen. Bei Temperaturen von über 45°C setzt bei vielen Bäumen der Wassertransport aus, da der Verdunstungssog in den Blättern so stark werden kann, dass die feinen, durch Kohäsion zusammengehaltenen, Wasserfäden in den Leitungsbahnen reißen und Luft eintreten kann. Es entsteht eine meist irreversible Embolie, der Baum vertrocknet selbst bei ausreichender Bewässerung.

Bürgerinnen und Bürgern, die die Stadtbäume unterstützen möchten, rät Fuchs: „Auch wenn wir die Jungbäume wässern, freuen sich diese bei besonders heißen Temperaturen über zusätzliches Wasser.“ Dabei gilt – lieber einmal zehn Gießkannen als zehnmal eine. „Das heißt, geben Sie diese Menge lieber einmal die Woche komplett, als jeden Tag ein bisschen. Das Wasser kann dann in tiefere Erdschichten sickern. Bei geringen Wassergaben besteht die Gefahr, dass ein Großteil des Wassers bereits an der Oberfläche verdunstet“, so der Baumexperte.

Weitere Informationen auch unter www.bonn.de/stadtbaeume.

Özdemir will mit gelockerten Artenschutzvorgaben mehr Getreideanbau ermöglichen

Bleibt der Artenschutz auf der Strecke, wenn Stilllegungsflächen wie diese dem Getreideanbau geopfert werden? (Foto: Honighäuschen)

Berlin (AFP) – Im Kampf gegen den weltweiten Getreidemangel will die Bundesregierung Umweltauflagen für die deutschen Bauern lockern und mehr Getreideanbau ermöglichen. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) schlägt vor, die Ausweisung zusätzlicher Artenschutzflächen statt 2023 erst 2024 vorzuschreiben. Auch soll es für mehr Weizenanbau eine Ausnahme beim sogenannten Fruchtfolgenwechsel geben. Während der Bauernverband weitergehende Lockerungen forderte, kritisierte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Özdemirs Vorschlag scharf.

Dem Landwirtschaftsministerium zufolge soll die Ausnahme beim Fruchtfolgenwechsel ermöglichen, dass im kommenden Jahr Weizen auf Flächen ausgesät wird, in denen das Getreide schon in diesem Jahr angebaut wurde. Beim Artenschutz ist demnach vorgesehen, dass die bereits bestehenden Flächen im Agrarbereich bestehen bleiben müssen. Auf den Flächen, die eigentlich ab 2023 für den Artenschutz ungenutzt bleiben müssten, sollen nun stattdessen Getreide, Sonnenblumen und Hülsenfrüchte angebaut werden dürfen, allerdings nicht Mais oder Soja.

Kein Getreideanbau für Tank und Trog

„Ich schließe diesen Kompromiss für den Teller, nicht damit Getreide im Tank oder Trog landet – und unsere Ausnahme gilt ausdrücklich nur für 2023“, betonte Özdemir. Er werde keine Verordnung unterschreiben, „die den Hunger in der Welt als Argument missbraucht, um mehr für Tank und Trog zu produzieren und beim Artenschutz hinter das, was wir schon erreicht haben, zurückzufallen“.

Özdemir greift mit seinem Konzept Vorschläge der EU-Kommission auf, die er zunächst kritisiert hatte. „Was ich vorlege, ist ein Kompromiss, der an der einen oder anderen Stelle auch wehtut“, räumte er mit Blick auf die Verschiebung der Artenschutzvorgaben ein.

Laut dem Ministerium wurde Özdemirs Vorschlag, der innerhalb der Bundesregierung abgestimmt sei, am Freitag an die Bundesländer verschickt. Diese müssen noch zustimmen, damit das Konzept in Kraft treten kann. „Unsere Landwirtinnen und Landwirte brauchen Planungssicherheit, was sie in wenigen Wochen aussäen dürfen“, erläuterte Özdemir sein Vorgehen.

Agrarverbände wollen mehr Flächen nutzen

Der Deutsche Bauernverband reagierte mit Lob und Kritik. „Diese Entscheidung war überfällig und kommt in letzter Minute“, erklärte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Die Aussetzung der Artenschutzvorgaben für ein Jahr sei aber „sicherlich nicht ausreichend“, bemängelte er zugleich. „Um weiterhin eine sichere Lebensmittelversorgung gewährleisten und in Krisenzeiten reagieren zu können, müssen wir alle Flächen für den Getreideanbau nutzen können, auf denen es landwirtschaftlich sinnvoll ist.“

FDP-Fraktionsvize Carina Konrad bezeichnete Özdemirs Vorlage ebenfalls als überfällig. „Die Überzeugungsarbeit und die zahlreichen Diskussionen in der Koalition haben sich in diesem Punkt gelohnt“, urteilte sie.

Unionsfraktionsvize Steffen Bilger (CDU) warf Özdemir vor, er habe „mit seinem parteitaktisch motivierten Zaudern“ wertvolle Zeit im Kampf gegen die globale Ernährungskrise verspielt. „Jetzt muss er im Eiltempo für eine rechtssichere Umsetzung sorgen. Denn unsere Landwirte brauchen rasch Klarheit, was kommendes Jahr konkret gilt“, erklärte Bilger.

Umwelthilfe lehnt Getreideanbau zulasten des Artenschutzes ab

Entsetzt reagierte die Umwelthilfe. „Eben weil wir die Ernährung von Menschen sichern müssen, dürfen nicht die viel zu wenigen und ertragsschwachen Artenschutzflächen weichen, während wir gleichzeitig immer noch 3,4 Millionen Tonnen Getreide und Ölsaaten jedes Jahr in den Tank werfen und 60 Prozent des Getreides in Deutschland für Futtermittel verwenden“, erklärte DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner. „Das ist Irrsinn!“

Müller-Kraenner forderte den Minister auf, „jetzt tatsächlich etwas für die Ernährungssicherung zu tun und die Agrospritförderung sofort zu stoppen“. Mittels einer „Fleischabgabe“ solle zugleich zügig auf eine Reduktion der Tierbestände hingewirkt werden – bisherige Futterflächen könnten dann für den Anbau von Grundnahrungsmitteln genutzt werden.

cne/jes

© Agence France-Presse

Julia Johnson ist neue Stadtförsterin in Bonn

Julia Johnson studierte Forstwirtschaft an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde sowie Forstwissenschaften und Waldökologie mit dem Schwerpunkt Waldnaturschutz in Göttingen. Im Rahmen ihres Referendariats für den höheren Forstdienst war Julia Johnson zuletzt im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Würzburg tätig, wo sie unter anderem mit dem Erstellen von Vegetationsgutachten sowie der Beratung von Privatwaldbesitzern betraut war.

Den forstbetrieblichen Teil ihrer Ausbildung absolvierte sie in einem Forstbetrieb der Bayerischen Staatsforsten in Ebrach im Steigerwald. Eine prägende Zeit für Julia Johnson, denn der ehemalige Betriebsleiter Ulrich Mergner entwickelte das in Fachkreisen bekannte Trittsteinkonzept: Es zeigt einen Weg auf, wie sich Forstwirtschaft und Artenschutz durch viele kleine geschützte Bereiche mit Totholzbeständen miteinander vereinen lassen. Auch der Bonner Stadtwald besteht zu zehn Prozent aus Naturwaldzellen, welche nicht bewirtschaftet und einer natürlichen Entwicklung überlassen werden.

Nach ihrer Staatsprüfung im Oktober 2021 übernimmt Julia Johnson nun die Leitung der Bonner Stadtförsterei mit 18 Mitarbeitenden im Amt für Umwelt und Stadtgrün. Johnson, die nicht nur für ihre berufliche Karriere an verschiedenen Orten Station gemacht hat, sondern als Tochter eines pensionierten US-Army-Offiziers bereits in ihrer Jugend in den unterschiedlichsten Orten sowohl in Deutschland als auch in den USA gelebt hat, freut sich sehr auf ihre neue Wahlheimat Bonn: „Bonn ist nicht nur eine spannende und internationale Großstadt, sondern auch eine besonders grüne Stadt. Der hohe Waldanteil ist wirklich etwas Besonderes für eine Stadt dieser Größe“, betont die neue Stadtförsterin.

Den Wald klimafit und zugleich sicher für Besucher machen

Typische Waldbewohner sind Bienen, hier einer unserer Bienenstände in einem Bestand mit Edelkastanien. (Foto: Klaus Maresch)

Typisch für einen „Großstadtwald“ sind auch die damit einhergehenden Herausforderungen: „Eine große Herausforderung sind die vielfältigen Ansprüche an den Bonner Stadtwald: Es gibt die klassischen Waldspaziergängerinnen, die vor allem Erholung suchen, Familien mit Kindern, aber auch Menschen, die im Grünen Sport treiben möchten. Gleichzeitig stehen wir vor den Herausforderungen der Klimakrise. Wir müssen den Wald klimafit und zugleich sicher für Besucherinnen machen“, so Johnson.

Großen Wert legt Julia Johnson, in deren Zuständigkeit nicht nur die Stadtförsterei mit dem Wildgehege auf der Waldau, sondern auch das im Sommer 2019 neu eröffnete Haus der Natur liegt, auf das Thema Waldpädagogik. Sie selbst hat das waldpädagogische Zertifikat und möchte sobald wie möglich persönlich Waldführungen aus dem Programm des Haus der Natur übernehmen und als Stadtförsterin den Bonner Kindern und Jugendlichen den Lebensraum Wald näherbringen.

Auch in ihrer Freizeit nutzt die neue Wahlbonnerin jede Gelegenheit, um ihr neues „Revier“ kennenzulernen. Mit ihrem Border-Collie „Kowi“ (übersetzt „Waldbewohner“) unternimmt sie ausgedehnte Spaziergänge durch den Bonner Stadtwald. Einen ersten Lieblingsort hat sie bereits gefunden: „Die Kopfbuchen im sogenannten Geisterwald verbreiten mit ihren knorrigen Ästen und Formen eine ganz besondere Atmosphäre.“

Rüge für EU-Kommission wegen Risikobewertung bienenschädlicher Pestizide

Weltweit sind Bienenpopulation von Pestiziden bedroht. EU-Ombudsfrau Emily O’Reilly rügt die EU-Kommission. (Foto: Honighäuschen)

Brüssel (AFP) – Die Bürgerbeauftragte der Europäischen Union hat die EU-Kommission im Zusammenhang mit der Bewertung der Risiken von Pestiziden für Bienen gerügt. Die Brüsseler Behörde habe den öffentlichen Zugang zu wichtigen Dokumenten verweigert und dies nicht ausreichend begründet, erklärte EU-Ombudsfrau Emily O’Reilly am Dienstag in Brüssel. Sie sehe darin eine „Missstand“ der Brüsseler Behörde.

Die EU-Lebensmittelbehörde (Efsa) hatte 2013 erstmals Leitlinien für die Bewertung der Risiken von Pestiziden für Bienenpopulationen veröffentlicht. Derartige Berichte müssen anschließend durch die EU-Kommission nach Beratung mit den Mitgliedstaaten offiziell angenommen werden. Im Fall der mutmaßlichen Bienengifte sei dies bislang nicht erfolgt, weil sich die EU-Länder nicht hätten einigen können, erklärte O’Reilly.

2018 habe die französische Umweltorganisation Pollinis gefordert, die Positionen der einzelnen Mitgliedstaaten bezüglich des Efsa-Berichts offenzulegen. Die Kommission habe dies mit der Begründung verweigert, dass „die Offenlegung (…) den laufenden Entscheidungsprozess gefährden würde“.

Nach Auffassung der Bürgerbeauftragten „ist ein umfassenderer Zugang zu solchen Dokumenten von entscheidender Bedeutung“ für die Ausübung der demokratischen Rechte der EU-Bürger. Zugleich habe die Kommission nicht nachgewiesen, dass die Offenlegung der betreffenden Dokumente tatsächlich die Entscheidungsfindung beeinträchtigen würde. „Die Kommission sollte daher der Öffentlichkeit Zugang zu den angeforderten Dokumenten gewähren.“

Es ist nicht das erste Mal, dass die EU-Behörden im Zusammenhang mit Zulassungen von Pestiziden Kritik einstecken müssen. Im März hatte der Europäische Gerichtshof in Luxemburg entschieden, dass die Efsa Studien über Gesundheitsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat, die zuvor als vertraulich deklariert waren, veröffentlichen muss.

pe/mt/ck