Archiv der Kategorie: Politik

Gartenschläfer von Wildtierstiftung zum Tier des Jahres 2023 ernannt

Der Gartenschläfer ist von der Deutschen Wildtierstiftung zum Tier des Jahres 2023 ernannt worden. Mit dem Titel solle auf diese faszinierende und bedrohte Art aufmerksam gemacht werden, um so zu ihrem Schutz beizutragen, teilte die Stiftung am Dienstag in Hamburg mit.

Der Gartenschläfer gehört zu den Bilchen

Der Gartenschläfer ist demnach ein eher unbekanntes Familienmitglied der Bilche, zu denen auch der Siebenschläfer, die Haselmaus und der sehr seltene Baumschläfer gehören. Eine schwarze Augenmaske, ein langer Schwanz und große Ohren seien die charakteristischsten Merkmale des faustgroßen Wildtiers. Inzwischen stehe der früher in vielen Landesteilen verbreitete Gartenschläfer als „stark gefährdet“ auf der sogenannten roten Liste Deutschlands.

Der nur in der Dunkelheit aktive Gartenschläfer lebe gern in Parks und Gärten – in Südwestdeutschland sind sie seine Hauptverbreitungsgebiete. Dort verkrieche er sich in Hecken, Mauerspalten, Schuppen oder Nistkästen. Sein Winterschlaf dauert der Stiftung zufolge rund sechs Monate, und seine Körpertemperatur sinkt dann bis auf minus ein Grad Celsius, was rekordverdächtig ist.

ran/cfm

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Klimaaktivisten bespritzen Vitrine mit Mumiensarg in Museum in Barcelona

Barcelona (AFP) – Klimaaktivisten haben im Ägyptischen Museum in Barcelona farbige Flüssigkeit über eine Glasvitrine mit der Nachbildung einer Mumie geschüttet. Mit der zähflüssigen Substanz aus Coca-Cola-Flaschen bespritzten die beiden am Sonntag auch Bilder an den umliegenden Wänden, wie auf der Nachrichten-Website Publico zu sehen war. Dann klebten sie ihre Hände an Ausstellungsstücken fest und hielten ein Banner mit der Aufschrift „Klimagerechtigkeit“ hoch.

Die Aktivisten der spanischen Gruppe Futuro Vegetal wurden nicht festgenommen. Das Museum kündigte jedoch an, dass es auf Schadensersatz klagen werde. Nach eigenen Angaben wollten die Aktivisten mit ihrer Aktion auf den Klimanotstand aufmerksam machen.

Museum will Klimaaktivisten verklagen

Der US-Konzern Coca-Cola ist einer der Sponsoren des UN-Klimagipfels COP27 in Ägypten. Umweltschützer sehen dies kritisch, da sie das Unternehmen für einen Großteil der weltweiten Plastikverschmutzung verantwortlich machen.

„Derzeit werden 99 Prozent des weltweiten Plastiks aus fossilen Brennstoffen hergestellt“, erklärte Futuro Vegetal. „Wir finden es schwer zu glauben, dass der Weltmarktführer in Sachen Plastikverschmutzung seinen Einfluss als Sponsor der COP27 nicht nutzen wird, um seine kommerziellen Interessen voranzutreiben.“

Klimakleber attackieren Goya-Gemälde im Prado

Dieses Foto, das am 4. November 2022 von der italienischen Nachrichtenagentur Ansa erhalten wurde, zeigt Klimaaktivisten von Last Generation (hinten) und einen Wachmann (C-R) von „The Sower“, einem Gemälde des niederländischen Künstlers Vincent Van Gogh aus dem Jahr 1888, nachdem Aktivisten Erbsensuppe geworfen hatten am 4. November, als es im Palazzo Bonaparte in Rom zu sehen war. (Foto von STRINGER/ANSA/AFP)

Aktivistinnen von Futuro Vegetal hatten sich am 5. November bereits im Prado-Museum in Madrid an Gemälden des Barock-Meisters Francisco de Goya festgeklebt. Seit einigen Wochen veranstalten Klimaaktivisten in Kunstmuseen weltweit solche Protest-Aktionen.

Klimaaktivisten hatten in den vergangenen Monaten unter anderem Gemälde von Vincent van Gogh und Claude Monet attackiert. Auch das „Mädchen mit dem Perlenohrring“ von Johannes Vermeer in Den Haag war bereits Ziel von Protestaktionen. Da alle betroffenen Kunstwerke hinter Glas waren, blieben sie unbeschädigt. Allerdings sind auch die historischen Rahmen sehr kostbar und empfindlich.

noe/ck

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Politik diskutiert über härtere Strafen für radikale Klimaproteste

Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) in Berlin im April 2022 (Foto: John MACDOUGALL / AFP)

Berlin (AFP) – Die Diskussion über die Klimaproteste reißt nicht ab: Mehrere Politiker aus Regierung und Opposition haben Straßenblockaden und Protestaktionen in Kunstmuseen am Wochenende erneut kritisiert. Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) brachte härtere Strafen für Attacken auf Kulturgüter ins Spiel. Die Protestbewegung Letzte Generation erklärte dagegen, dass sie weiter protestieren und womöglich auch Flughäfen lahmlegen wolle.

Buschmann sagte der „Bild am Sonntag“, er ziehe härtere Strafen für Angriffe auf Kulturgüter in Betracht. Sein Ministerium werde genau beobachten, wie die Justiz mit diesen Angriffen auf Kulturschätze umgehe. Wenn er zu dem Ergebnis komme, „dass der rechtliche Rahmen nicht ausreicht“, werde er handeln, sagte der Minister weiter.

In einer offenen Gesellschaft dürfe jeder für sein Anliegen werben, Dinge kritisieren und demonstrieren. Das Bewerfen von Kunst mit Lebensmitteln habe damit jedoch wenig zu tun. „Wer unsere Kulturschätze angreift und gefährdet, überschreitet eine rote Linie“, kritisierte Buschmann.

Bundeskanzler fordert rechtliche Konsequenzen

Das Gemälde „Das Mädchen mit dem Perohrring“ von Jan Vermeer war Ziel eines Anschlags krimineller Klimakleber der Umweltsekte „Letzte Generation“. (Foto: Wikimedia)

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erwartet für radikale Proteste ebenfalls rechtliche Konsequenzen. „Wer Gesetze verletzt, muss damit rechnen, dass er bestraft wird, und das wird sicherlich auch passieren“, sagte er bei einer Veranstaltung des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

Protest sei legitim, „ich finde die Aktionsform aber nicht nachvollziehbar“, sagte Scholz weiter. Alle redeten nur „über die Aktionsform, es schütteln fast alle den Kopf. Das ist irgendwie in die Irre gelaufen.“

Skeptisch äußerte sich Scholz aber zu Präventivhaft für radikale Aktivistinnen und Aktivisten wie in Bayern. Mehrtägige Ingewahrsamnahme zur Verhinderung möglicher Straftaten sei „sicherlich etwas, wo viele Richter skeptische Fragen stellen werden“, sagte der Bundeskanzler.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte derweil in den Funke-Zeitungen, dass es eine solche Präventivhaft in ganz Deutschland geben müsse. Wer Straßen blockiere und dabei in Kauf nehme, dass Menschen zu Schaden kämen, begehe Straftaten, sagte er.

Klimakleber drohen mit Flughafenblockaden

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte der Mediengruppe Bayern, es sei notwendig, den Rechtsrahmen zu verändern. „Wer Leib und Leben Anderer gefährdet oder Kulturgüter beschädigt oder zerstört, ist kein Demonstrant, sondern ein Straftäter.“ Das müsse sich in den Strafen widerspiegeln.

„Das ist kein Beliebtheitswettbewerb; kein Versuch, die Menschen von unseren Anliegen zu überzeugen – denn das sind sie längst“, teilte dagegen die Letzte Generation mit. Es gebe große Mehrheiten für ein Tempolimit und ein Neun-Euro-Ticket. „Was uns fehlt, ist die politische Bereitschaft.“

Für die Umsetzung der „ersten Sicherheitsmaßnahmen gegen den Klimakollaps“, nämlich Tempolimit und bezahlbaren Nahverkehr, „fassen wir ins Auge, auch friedlich Flughäfen lahmzulegen“.

Der Jesuitenpater und katholische Priester Jörg Alt verteidigte die Proteste der Letzten Generation. „Ich bewundere diese Leute unendlich für ihren Mut und ihre Selbstlosigkeit“, sagte Alt dem RND. Sie hätten es richtig gemacht, „weil diese Straßenblockaden sich dem Auto in den Weg zu stellen, dem Symbol für unser fossiles Weiterso“.

Auch Alt selbst nahm bereits an Straßenblockaden teil, dem Bericht zufolge laufen gegen ihn mehrere Ermittlungsverfahren. „Ich möchte die Bühne des Gerichtssaals“, sagte er dem RND, weil die Aktionen von einem rechtfertigenden Notstand abgedeckt seien. Er suche „den Richter, dem ich das erklären kann“.

smb/hcy

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Klima-Aktivisten greifen Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrring“ an

Das Gemälde „Das Mädchen mit dem Perohrring“ von Jan Vermeer war Ziel eines Anschlags krimineller Klimakleber der Umweltsekte „Letzte Generation“. (Foto: Wikimedia)

Den Haag (AFP) – Klima-Aktivisten haben aus Protest erneut ein Kunstwerk attackiert – diesmal traf es „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“. Im Mauritshuis in Den Haag klebten sich am Donnerstag zwei Aktivisten an dem berühmten Werk von Johannes Vermeer sowie der angrenzenden Wand fest, während ein dritter eine „unbekannte Substanz“ auf das berühmte Gemälde schüttete, wie das Museum mitteilte. Glücklicherweise sei das Gemälde hinter Glas gewesen und unbeschädigt geblieben.

Unmittelbar nach dem Angriff wurden nach Polizei-Angaben drei Männer festgenommen. Bei ihnen handle es sich um einen 42-Jährigen und zwei 45-Jährige, alle drei seien Belgier. „Sie bleiben in Gewahrsam und werden verhört“, teilte die Polizei in Den Haag mit.

Museumsbesucher beschimpfen Klimakleber

Auf Aufnahmen in den Onlinenetzwerken waren die Aktivisten in T-Shirts mit der Aufschrift „Just Stop Oil“ zu sehen, die „Wie fühlt ihr euch?“ rufen. Museumsbesucher reagierten wütend und schimpften „Schande“ und „Ihr seid bescheuert“.

Dem Museum zufolge klebte sich einer der Aktivisten mit dem Kopf an das Glas vor dem Gemälde, ein zweiter klebe seine Hand an die Wand daneben, und der dritte schleuderte die Substanz. „Kunst ist wehrlos, und der Versuch, sie aus welchem Grund auch immer zu beschädigen, wird von uns aufs Schärfste verurteilt„, erklärte das Mauritshuis.

Der Eingang zu dem Raum, in dem das „Mädchen mit dem Perlenohrring“ normalerweise hängt, wurde nach dem Vorfall durch eine große Reproduktion eines Ölgemäldes versperrt. Vermeers berühmtes Bild soll dem Museum zufolge aber „so bald wie möglich“ wieder ausgestellt werden.

Vermeers Bild ist bald wieder zugänglich

„Just Stop Oil“ (deutsch etwa: „Stoppt einfach das Öl“) hatte seit Anfang des Monats verschiedene Aktionen und Blockaden veranstaltet; unter anderem überschütteten Aktivisten in Londons National Gallery Vincent van Goghs Meisterwerk „Sonnenblumen“ mit Tomatensuppe. Am Montag bewarfen Aktivisten die Wachsfigur von König Charles III. bei Madame Tussauds in London mit Schokoladenkuchen. Mit ihren Aktionen will „Just Stop Oil“ einen Stopp aller neuen Öl- und Gasprojekte erreichen.

Am Sonntag wiederum hatten zwei Aktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ ein Gemälde des impressionistischen Malers Claude Monet im Potsdamer Museum Barberini mit Kartoffelbrei beworfen. Auch in anderen Städten gab es zuletzt immer wieder aufsehenerregende Protestaktionen von Umwelt- und Klima-Aktivisten.

kas/dja

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Roth kritisiert Attacken von Klimaaktivisten in Museen als „ganz falschen Weg“

München (AFP) – Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) hat die jüngsten Attacken von Klimaschutzaktivsten auf Gemälde berühmter Künstler in Museen scharf kritisiert. Solche Aktionen seien „der ganz falsche Weg“, schrieb die Grünen-Politikerin in einem Beitrag im Magazin „Focus“ laut Vorabmeldung vom Mittwoch. Sie bewirkten nichts, sondern riskierten eine Beschädigung von Kunstschätzen, die Teil des weltweiten Kulturerbes seien, kritisierte Roth.

Die Staatsministerin betonte im „Focus“, Protest dürfe ihrer Auffassung nach auch radikal sein und gehöre zu einer Demokratie. Er dürfe aber nicht willkürlich werden. „Kunst für den Klimaschutz zu attackieren – das ist aus meiner Sicht definitiv der ganz falsche Weg“, schrieb Roth. Kunst sei ein „Lebenselixier“.

Klimakleber attackierten mehrfach Kulturgüter

Das Museum Barberini von der Nikolaikirche aus aufgenommen. Im Hintergrund die Freundschaftsinsel, dahinter der Hauptbahnhof. (Foto: Daniel Naber/Wikimedia)

In den vergangenen Wochen hatten sich Klimaschutzaktivistinnen und -aktivsten weltweit mehrfach in Museen an Bilder bedeutender Künstler geklebt oder diese mit Lebensmitteln beworfen. Am vergangenen Sonntag etwa attackierten Mitglieder der Gruppe „Letzte Generation“ im Potsdamer Museum Barberini ein Gemälde Claude Monets mit Kartoffelbrei und klebten sich darunter an einer Wand fest.

Das Gemälde war nach Angaben des Museums durch eine Glasscheibe geschützt und blieb unbeschädigt. Als Reaktion auf die Attacke schloss das Museum allerdings zunächst bis Monatsende. In der Zwischenzeit werde die Sicherheitslage im Licht der wiederholten „aktivistischen Attacken“ in Museen weltweit analysiert, hieß es von Seiten des Museums. Die ohnehin bereits hohen Sicherheitsstandards reichten nicht mehr aus.

bro/pw

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Foto: Daniel Naber

Buschmann verurteilt Attacke von Klima-Aktivisten auf Gemälde von Monet

Das Museum Barberini in Potsdam war Ziel eines Anschlags der Klimakleber der Umweltsekte „Letzte Generation“. (Foto: Daniel Naber)

Berlin (AFP) – Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) hat die Attacke von Klimaaktivisten auf ein Gemälde des impressionistischen Malers Claude Monet in Potsdam verurteilt. Solche Aktionen seien „durch kein noch so nobles Anliegen zu rechtfertigen“, schrieb Buschmann am Montag im Kurzbotschaftendienst Twitter. „Aktionen, die fremdes Eigentum beschädigen, sind nicht nur eine Dummheit, sondern auch kriminell.“ Wenn sie sich gegen unersetzliche Kulturgüter richteten, machten sie „besonders fassungslos“.

Klimakleber im Museum Barberini

Zwei Aktivisten der Gruppe Letzte Generation hatten am Sonntag das Monet-Gemälde mit dem Titel „Getreideschober“ im Museum Barberini in Potsdam mit Kartoffelbrei beworfen und sich der Polizei zufolge daneben angeklebt. Da das Bild verglast ist, trug es dem Museum zufolge keine Schäden davon. Gegen die Tatverdächtigen wird wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs ermittelt.

Zuvor hatten bereits zwei Umweltaktivistinnen in London das Meisterwerk „Sonnenblumen“ des Malers Vincent Van Gogh mit Tomatensuppe überschüttet. In den vergangenen Wochen klebten sich wiederholt Klima-Aktivisten weltweit an den Rahmen oder am Acrylglas-Schutz berühmter Gemälde fest, etwa in Berlin, Dresden, Florenz und London.

hex/pw

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Foto: Daniel Naber

WWF: Rote Liste bedrohter Tier- und Pflanzenarten so lang wie noch nie

Berlin (AFP) – Die Rote Liste bedrohter Tier- und Pflanzenarten wird immer länger: Mehr als 28 Prozent der gut 147.000 erfassten Arten und damit „mehr als jemals zuvor“ gelten nunmehr als bedroht, wie die Umweltschutzorganisation WWF am Donnerstag mitteilte. Die Rote Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) zeichne ein „düsteres Bild der Lage von Flora und Fauna“. Tiger sind laut der IUCN weiterhin stark gefährdet, ebenso wie der erstmals untersuchte Wandernde Monarchfalter.

Rote Liste listet auch Monarchfalter auf

Die Rote Liste nennt auch den Monarchfalter als gefährdet. (Foto: Klaus Maresch)

„Die heutige Aktualisierung der Roten Liste verdeutlicht die Zerbrechlichkeit der Wunder der Natur, wie zum Beispiel das einzigartige Spektakel der Monarchfalter, die über tausende von Kilometern wandern“, erklärte IUCN-Generaldirektor Bruno Oberle. Der Lebensraum der Schmetterlinge, die jedes Jahr tausende Kilometer zwischen Kanada, den USA und Mexiko zurücklegen, sei durch Abholzung und den Einsatz von Pestiziden und Herbiziden in der Landwirtschaft zunehmend gefährdet.

Nach Angaben der Weltnaturschutzunion leben zwischen 3.726 und 5.578 Tiger in freier Wildbahn und damit mehr als bislang angenommen. Die neue Schätzung, die um 40 Prozent über der letzten Auswertung im Jahr 2015 liegt, beruhe auf einer verbesserten Überwachung der Population. Tiger seien vor allem durch Wilderei, den Verlust ihres Lebensraums und schrumpfende Bestände ihrer Beutetiere bedroht.

Auch unter Wasser schwindet laut WWF die biologische Vielfalt. Alle Arten der Störe und Löffelstöre gelten demnach als bedroht, der Glatt-Stör sei in Europa ausgestorben.

Wirksame Schutz- und Schutzgebiete nötig

Es seien wirksame Schutz- und Schutzgebiete sowie entschlossene Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und zur Wiederherstellung von Ökosystemen nötig, um die „reiche Vielfalt der Natur“ zu erhalten, betonte IUCN-Generaldirektor Oberle.

Auch der WWF mahnte Maßnahmen gegen den Rückgang der Artenvielfalt an. „Unsere Gesundheit, Wirtschaft, ja unsere gesamte Existenz hängt von der Natur ab“, erklärte die Artenschutz-Expertin der Umweltschutzorganisation, Anne Hanschke.

Das System sei mit einem Turm aus Bauklötzen vergleichbar, wobei jeder Stein eine Tier- oder Pflanzenart darstelle, sagte Hanschke. „Nur wenn dieser Turm des Lebens stehen bleibt, können wir Menschen gesund und sicher leben.“ Es sei ein besserer Naturschutz nötig, um zu verhindern, „dass dieser Turm zusammenbricht.“

Der WWF rief die Bundesregierung auf, sich bei der Weltnaturkonferenz im Dezember im kanadischen Montréal für ein ehrgeiziges neues Abkommen zum Schutz der biologischen Vielfalt einzusetzen und Deutschlands Beitrag zur internationalen Finanzierung zum Erhalt der Biodiversität auf mindestens zwei Milliarden Euro jährlich aufzustocken.

bfi/ans

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Protest gegen Einschnitte beim Artenschutz

Schleswig (AFP) – Aus Protest gegen seiner Auffassung nach nicht vertretbare Einschnitte beim Artenschutz hat der Chef des schleswig-holsteinischen Grünen-Heimatkreisverbands von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sein Amt niedergelegt. Die von Habeck mitverantworteten Gesetze der Ampelkoalition zur Beschleunigung der Energiewende beschädigten „an vielen Stellen völlig unnötig den Naturschutz„, hieß es in einem am Donnerstagabend veröffentlichten entsprechenden Schreiben des bisherigen Vorsitzenden der Grünen im Kreis Schleswig-Flensburg, Rainer Borcherding.

Der Vorstand des Kreisverbands distanzierte sich umgehend von dem Schritt des bisherigen Vorsitzenden und sicherte Habeck seine Unterstützung zu. „Wir möchten die verschiedenen schwerwiegenden weltweiten Krisen nicht gegeneinander ausspielen – wir stehen geschlossen hinter der Arbeit unseres Wahlkreisabgeordneten Robert Habeck“, hieß es in einem am Freitag vom Kreisvorstand in Schleswig veröffentlichten Stellungnahme. Im August werde auf einer Kreismitgliederversammlung ein neuer Kreisvorsitzender gewählt.

Habeck ist der direkt gewählte Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Flensburg-Schleswig. Er lebt seit in Schleswig-Holstein und war dort unter auch anderem Umwelt- und Energiewendeminister. Die Grünen wollen parallel die Klimakrise und das weltweite Artensterben bekämpfen. Beide Ziele können mitunter aber auch in Konkurrenz geraten.

So beschloss der Bundestag am Donnerstag ein Gesetzespaket der Berliner Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP zum beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien. Parallel dazu segnete das Parlament Änderungen am Bundesnaturschutzgesetz ab. Dadurch können auch Landschaftsschutzgebiete in die Suche nach Flächen für Windkraftanlagen einbezogen werden, für die artenschutzrechtlichen Prüfungen gelten künftig einheitliche Standards.

In seinem Schreiben bezog sich Borcherding auf diese und andere Schritte, etwa die Subventionierung von kleinen Wasserkraftwerken an Flüssen oder eine seiner Auffassung nach „bewusste“ Vernachlässigung von gefährdeten „störungssensiblen Vogelarten“ wie dem Schwarzstorch bei der Planung von Windkraftanlagen. Das Bestreben zur Beschleunigung der Energiewende sei nachvollziehbar, schrieb er. Habeck habe dabei jedoch „völlig unnötig den Naturschutz zum Gegner gemacht“. Er wolle ihn daher nicht mehr unterstützen.

bro/cfm

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UN-Bericht: Jährlich bis zu 199 Milliarden Dollar durch illegalen Handel mit wilden Arten

Unberührter Urwald im Kakum Nationalpark in Ghana (Foto: Klaus Maresch)

Paris, Frankreich (AFP) – Der illegale Handel mit wilden Arten erreicht nach einem UN-Bericht jährlich ein Volumen zwischen 69 und 199 Milliarden Dollar (68 bis 196 Milliarden Euro). Fische und Holz hätten dabei den größten Anteil, heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Bericht von IPBES, einem zwischenstaatlichen Ausschuss für Artenvielfalt. Durch illegalen Handel mit wilden Arten würden weltweit die dritthöchsten Einnahmen erzielt, nach dem Menschen- und dem Drogenhandel.

Zugleich seien Milliarden von Menschen auf die Nutzung wilder Pflanzen, Fische und Tiere angewiesen. „Wilde Arten sind äußerst wichtig für die Lebensmittelsicherheit„, betonte Jean-Marc Fromentin, einer der Mitautoren des Berichts. Etwa 50.000 wilde Arten würden genutzt, indem etwa Fische gefangen, Früchte geerntet, Holz geschlagen oder Tiere gefangen werden.

Holzbiene bei der Bestäubungsarbeit (Foto: Klaus Maresch)

„Stadtbewohner in reichen Ländern sind sich dessen kaum bewusst, aber wilde Pflanzen werden etwa für Medikamente und Kosmetik genutzt“, sagte Fromentin. Viele Speisefische seien wilde Fische, und viele Möbel seien aus Holz, das nicht eigens dafür angebaut werde.

Die Abhängigkeit von wilden Arten sei bei ärmeren Menschen noch höher. Sie stellten oft eine bedeutende Einkommensquelle dar. Etwa 2,4 Milliarden Menschen seien etwa auf Holz angewiesen, um ihr Essen zuzubereiten.

Die Überausbeutung bedroht dem Bericht zufolge bereits 34 Prozent der Fischarten, etwa 1300 Arten von Säugetieren und zwölf Prozent der Baumarten. Die Organisation hatte bereits 2019 darauf hingewiesen, dass eine Million Arten bedroht sei, die meisten davon durch menschliche Ausbeutung.

Eine Palmschnapsdestille im Kakum Nationalpark in Ghana (Foto: Klaus Maresch)

Um den Artenschutz zu verbessern, müsse in erster Linie der Kampf gegen illegale Fischerei verstärkt werden. Außerdem müsse die Nutzung von Wäldern besser durch Zertifikate geregelt werden. Indigene Völker hätten oft gute Regeln entwickelt, um Arten zu schützen, sagte Fromentin. Dazu zählten der Respekt vor der Natur und die Einrichtung heiliger Zonen, die Schutzgebieten entsprechen.

Der IPBES-Bericht dürfte die Debatten auf der nächsten großen Artenschutz-Konferenz im Dezember in Montréal beeinflussen. Dort soll ein Rahmen für den Artenschutz bis 2050 festgelegt werden.

kol/ju

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