Archiv der Kategorie: Pressemitteilungen

NABU: Hummeln am Hintern erkennen

Berlin – Augen auf, Lupe raus und Stift gezückt: Der NABU Insektensommer steht wieder vor der Tür. Vom 3. bis 12. Juni und vom 5. bis 14. August heißt es Sechsbeiner beobachten und zählen. Groß und Klein sind aufgerufen, eine Stunde an einem schönen Platz mit Blick in die Natur wichtige Daten für die Artenvielfalt zu sammeln.

Was für eine Hummel könnte das sein? (Foto: Honighäuschen)

Putzig, pelzig und mit einem ganz eigenen Streifenmuster: Hummeln stehen in diesem Jahr ganz besonders im Fokus der Aktion. „Kannst Du Hummeln am Hintern erkennen?“, lautet die Entdeckungsfrage 2022 für alle, die zum ersten Mal genauer bei den Insekten hinschauen. Ackerhummel, Steinhummel und Erdhummel sind die häufigsten Arten, die bei uns vorkommen. Und jede hat ihr ganz eigenes Muster auf dem Hinterteil, mit dem man sie auseinanderhalten kann. Gezählt werden können aber alle Sechsbeiner, die entdeckt werden.

„Insekten sind unverzichtbar für uns Menschen und die gesamte Natur. In unseren Ökosystemen tragen sie zur Vermehrung von Pflanzen und zur Fruchtbarkeit des Bodens bei. Studien zeigen, dass die Insekten in Deutschland deutlich zurückgehen. Intensive Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden und die Ausräumung der Landschaft sind nur einige Gründe dafür“, betont NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Man schützt bekanntlich das, was man kennt. Mit dem Insektensommer wollen wir für den Schutz dieser wichtigen Tiergruppe sensibilisieren.“

Winkende Hummel auf Eisenhut-Blüte, eine Beobachtung beim letzten Insektensommer (Foto: Honighäuschen)

Stück für Stück mit viel Freude die faszinierende Welt der Sechsbeiner entdecken und sie zu bestimmen lernen – das leistet dieses Citizen Science Projekt jeden Sommer aufs Neue. Die gemeinsame Aktion von NABU und seinem bayerischen Partner, dem Landesbund für Vogelschutz, ist einzigartig beim Insektenzählen. In diesem Jahr feiert sie außerdem ein kleines Jubiläum: Seit fünf Jahren werden jedes Jahr im Juni und August tausende Menschen zu Hobbyforschern. Die Daten der Zählaktion werden in Zusammenarbeit mit der Plattform www.naturgucker.de erfasst. Die Ergebnisse werden vom NABU ausgewertet und zeitnah auf www.NABU.de/insektensommer-ergebnisse veröffentlicht.

Rund 33.000 heimische Insektenarten gibt es allein in Deutschland. “Bei so einer riesigen und vielfältigen Tiergruppe kann wirklich jeder immer wieder etwas Spannendes und Wunderbares entdecken. Und das Abenteuer Insektenwelt beginnt direkt vor der eigenen Haustür!”, freut sich Daniela Franzisi, Projektleiterin des Insektensommers.

Steinhummel auf einer Kornblume (Foto: Kathy Büscher, NABU Rinteln)

Beobachten und zählen kann jeder und das fast überall: Garten, Balkon, Park, Wiese, Wald, Feld, Teich, Bach oder Fluss. Das Beobachtungsgebiet soll nicht größer sein als etwa zehn Meter in jede Richtung vom eigenen Standort aus. Gezählt wird bis zu eine Stunde lang. Gemeldet werden die Beobachtungen per Online-Formular oder mit der kostenlosen Web-App NABU Insektensommer. Beide Meldewege sind unter www.insektensommer.de zum Aktionsstart abrufbar.

Mithilfe des NABU-Insektentrainers (www.insektentrainer.de) lassen sich die Krabbeltiere ganz einfach erkennen und unterscheiden.

Der NABU-Insektensommer hat auch in diesem Jahr prominente Unterstützung durch die Moderatorin Ruth Moschner, den forensischen Entomologen Dr. Mark Benecke, die Schauspielerin Dr. Maria Furtwängler oder die bekannte Figur Biene Maja und ihre Freunde. (www.diebienemaja-bienenschutz.de).

Starkregensaison hat begonnen – Stadt Bonn rät zur Eigenvorsorge

Unwetter mit Starkregen sind längst nicht mehr auf die Tropen beschränkt, sie häufen sich auch in Bonn. (Foto: Klaus Maresch)

Überschwemmungen können Grundstücke und Gebäude an Bachläufen, aber auch abseits der Bäche inmitten der Bebauung, betreffen und erhebliche Schäden am Eigentum anrichten. Die Kanalisation ist für die Aufnahme der Wassermassen, die bei Starkregen niedergehen, wie überall in Deutschland nicht ausgelegt.

Aufgrund der Starkregenraison, die begonnen hat, rät das Tiefbauamt der Stadt Bonn daher allen Hauseigentümern und Mieterinnen, sich rechtzeitig zu informieren und eigene Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Um Schäden vorzubeugen, unterstützt das Tiefbauamt der Stadt Bonn, neben den städtischen Baumaßnahmen zum Hochwasserschutz – wie dem Bau des Entlastungskanals Mehlemer Bach, der Neuplanung von Regenrückhaltebecken oder intensive Bachunterhaltung – alle Bürgerinnen mit vielfältigen Informationsangeboten zur Ermittlung der eigenen Gefahrenlage und Eigenvorsorge.

Hier können Sie sich drohende Gefahren informieren

Starke Windböen eines Gewitters fegen die Samen eines Baumes fort. (Foto: Klaus Maresch)

Gefahrenkarten zeigen mögliche überschwemmungsgefährdete Bereiche im Bonner Stadtgebiet. Sie sind unter https://stadtplan.bonn.de unter dem Kartenthema „Umweltschutz/Wasser/Hochwasser“ abrufbar. Die Überschwemmungsbereiche durch Bachhochwasser können auf den Hochwasser-Gefahrenkarten eingesehen werden. Auf den Starkregengefahrenkarten können Interessierte nachvollziehen, welche Bereiche im Stadtgebiet auch abseits der Bachläufe gefährdet sind.

Mit der Kampagne „Bonn unter“ (www.bonn-unter.de) informieren das Hochwasserkompetenzzentrum (HKC) und die Stadt Bonn, wie Bonner selbst gegen Hochwasser- und Starkregenschäden vorsorgen können. Auch können die Gefährdungsstufen der Überflutungen für das eigene Zuhause abgerufen werden.

Ebenso sind im Internetauftritt der Stadt Bonn (www.bonn.de/starkregen und www.bonn.de/Hochwasser) weiterführende Informationen und Broschüren zum Thema Hochwasser- und Starkregenvorsorge zu finden.

NABU: Kleiner Konsens im Insektenschutz

Berlin – Heute hat der Bundesrat dem Insektenschutzpaket aus Insektenschutzgesetz (ISG) und Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung (PfSchAnwV) zugestimmt. Es enthält einige wichtige Maßnahmen für den Insektenschutz. Dennoch wird das Paket durch zahlreiche Ausnahmen abgeschwächt.

NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger: „Unsere Insekten schwinden weiterhin in rasantem Tempo. Auch wenn dieses Insektenschutzpaket ein erster Schritt in die richtige Richtung ist, wird es noch keine Trendumkehr beim Insektenschwund bringen. Die Einschränkungen für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in den wertvollen Schutzgebieten ist ein erster, wichtiger Schritt. Insgesamt sind die gesetzlich verankerten Maßnahmen aber noch zu gering. Auch eine Erfolgskontrolle ist bislang nicht vorgesehen. Für viele Regelungen gelten künftig auch noch Ausnahmen – die kommende Bundesregierung sollte den Insektenschwund daher als eine der großen Herausforderungen unserer Zeit ernst nehmen und hier deutlich nachbessern.“

Der NABU fordert, eine allgemeine Strategie zur Pestizid-Reduktion in der gesamten Agrarlandschaft sowie naturnahe strukturreiche Landschaften und Lebensräume stärker in den Blick zu nehmen. Hier braucht es u.a. weitere Regelungen, etwa zehn Prozent unbewirtschaftete Flächen in der Agrarlandschaft. Dafür sollte auch der im Aktionsprogramm Insektenschutz vorgesehene Refugialflächenansatz umgesetzt werden. Danach dürften biodiversitätsschädigende Pestizide nur dann auf einer Fläche eingesetzt werden, wenn auf dieser eine Rückzugsfläche für Insekten vorhanden ist oder sie an eine Rückzugsfläche grenzt.

Das Insektenschutzpaket besteht aus dem ISG in Form von Änderungen des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatschG) und der PfSchAnwV. Während das ISG Maßnahmen wie den Biotopschutz oder die Lichtverschmutzung adressiert, sind in der PfSchAnwV Regelungen für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln vorgesehen. So werden im BNatschG etwa Streuobstwiesen, artenreiches Grünland, Trockenmauern und Steinriegel als geschützte Biotope unter Schutz gestellt. Die Lichtverschmutzung wird reduziert, das „Natur auf Zeit“-Konzept gestärkt und einige Biozide in Naturschutzgebieten werden verboten. In der PfSchAnwV wird die Anwendung von einigen Pflanzenschutzmitteln (Herbizide und bienengefährdende Insektizide) in wertvollen Schutzgebieten eingeschränkt und Pflanzenschutzmittel auf Gewässerrandstreifen generell verboten. Auch der stufenweise Ausstieg aus dem umweltschädlichen Unkrautvernichter Glyphosat ist darin geregelt.

Kritisch sieht der NABU, dass in FFH-Gebieten (Flora-Fauna-Habitat) etwa Obst-, Wein- und Gartenbau sowie Sonderkulturen von den Anwendungsverboten für Pflanzenschutzmittel ausgenommen sind. Übrig bleibt damit nur das Grünland, auf dem die genannten Pflanzenschutzmittel kaum eingesetzt werden. Darüber hinaus wird auf Ackerflächen von FFH-Gebieten bis zum 30. Juni 2024 lediglich auf freiwillige Maßnahmen gesetzt.

Bezirksregierung Arnsberg besucht Flutgebiete in Rheinbach und Swisttal

Eine Delegation der Bezirksregierung Arnsberg hat jetzt die Flutgebiete in den ihr zugewiesenen Kommunen Rheinbach und Swisttal besucht. „Wir wollen nicht nur vom Schreibtisch aus agieren, sondern uns auch ein Bild vor Ort machen“, so Philipp Reckermann, zuständiger Dezernent der südwestfälischen Behörde, der mit den beiden Teamleiterinnen Andrea Olsen und Vanessa Hilverling anreiste.

Rhein-Sieg-Kreis (db) – Eine Delegation der Bezirksregierung Arnsberg hat jetzt die Flutgebiete in den ihr zugewiesenen Kommunen Rheinbach und Swisttal besucht. „Wir wollen nicht nur vom Schreibtisch aus agieren, sondern uns auch ein Bild vor Ort machen“, so Philipp Reckermann, zuständiger Dezernent der südwestfälischen Behörde, der mit den beiden Teamleiterinnen Andrea Olsen und Vanessa Hilverling anreiste.

Um eine zügigere Bearbeitung der Förderanträge für den Wiederaufbau zu ermöglichen und den Betroffenen schneller zu helfen, erhält die Kölner Bezirksregierung seit Februar Unterstützung von anderen Landesbehörden. Alle Anträge von Privathaushalten in Swisttal und Rheinbach werden seit dem 1. Februar 2022 von der Bezirksregierung Arnsberg bearbeitet. Um die Anträge aus allen anderen kreisangehörigen Kommunen kümmert sich die Bezirksregierung Düsseldorf.

„Wir freuen uns über das Interesse der Bezirksregierung Arnsberg, Eindrücke unmittelbar vor Ort gewinnen zu wollen“, lobten Landrat Sebastian Schuster sowie Swisttals Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner und Rheinbachs Bürgermeister Ludger Banken die Einsatzbereitschaft der Bezirksregierung Arnsberg.

Ludger Banken führte die Arnsberger Delegation durch von der Flut betroffene Gebiete in Rheinbach. So konnte das dreiköpfige Team der Bezirksregierung Arnsberg bei der Tour unter anderem Eindrücke im Wohngebiet „Weilerfeld“, in der Kernstadt und in den besonders stark betroffenen Rheinbacher Ortschaften Flerzheim, Loch und Oberdrees sammeln.

In Swisttal setzten Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner und der Erste Beigeordnete Tobias Weingartz alles dran, dem Besuch aus Arnsberg möglichst viele Eindrücke vor Ort zu vermitteln: zusammen besuchten sie im Ortsteil Odendorf beispielsweise die Essiger und Flamersheimer Straße, die Orbachaue mit den zerstörten Sportanlagen, die Frankenstraße und die Odinstraße. Auch in der Sternstraße in Essig und der Ollheimer Straße in Ludendorf sowie in weiteren Bereichen in Heimerzheim machte sich die Delegation ein Bild von der Lage.

„Kommunikation, kurze Wege und persönliche Kontakte zwischen den Behörden sind immens wichtig, um den Betroffenen schnell helfen zu können“, betonte die Leiterin der Stabsstelle Wiederaufbau des Rhein-Sieg-Kreises, Ulla Thiel, beim anschließenden Besuch der beiden Beratungsstellen Wiederaufbau in Rheinbach und Swisttal. Hier können sich Flutbetroffene seit September 2021 Hilfe bei den Anträgen auf Wiederaufbauhilfe holen.  „Insgesamt wurden in allen vier Beratungsstandorten, die der Rhein-Sieg-Kreis eingerichtet hat, seit Beginn bereits mehr als 2.500 Beratungen durchgeführt, davon 1.112 in Rheinbach und 1.076 in Swisttal“, so Thiel.

Mit der Übernahme der Antragsbearbeitung durch die Bezirksregierungen Arnsberg und Düsseldorf ändert sich für die Antragstellenden nichts: Anträge werden weiterhin online gestellt, die Antwortschreiben kommen aber nicht mehr aus Köln, sondern je nach Kommune aus Arnsberg oder Düsseldorf.

Kreis hilft bei Antragstellung

Nach wie vor können sich vom Hochwasser betroffene Menschen im Rhein-Sieg-Kreis bei der Antragstellung durch die Beratungsstellen des Kreises helfen lassen:

Meckenheim:
Außenstelle des Rhein-Sieg-Kreises in Meckenheim, Kalkofenstraße 2 für Alfter, Bornheim, Meckenheim und Wachtberg

Rheinbach:
Gründer- und Technologiezentrum, Marie-Curie-Straße 1 für Rheinbach

Siegburg:
Kreisverwaltung, Kaiser-Wilhelm-Platz 1, Info-Stand im Foyer für den rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis

Swisttal:
Dorfhaus Ludendorf, Ollheimer Straße 10, links neben der katholischen Pfarrkirche, für Swisttal

Von montags bis freitags stehen die Mitarbeitenden den Antragstellenden in der Zeit von 8:00 Uhr bis 16:00 Uhr zur Verfügung.

Ganz wichtig: Eine Beratung ist nur mit Termin möglich. Termine können entweder online über rhein-sieg-kreis.de/termin-beratung oder telefonisch unter 02241 13-2200 vereinbart werden. Die Telefon-Hotline ist von montags bis donnerstags, zwischen 8:00 Uhr und 16:00 Uhr, freitags zwischen 8:00 Uhr und 14:00 Uhr besetzt.

Informationen zu den Wiederaufbauhilfen finden Sie unter: rhein-sieg-kreis.de/wiederaufbauhilfe.

Neue Offenland-Biotope an den Rheinhängen bei Königswinter-Oberdollendorf

Rhein-Sieg-Kreis (we) – In Königswinter sollte die Fläche neben dem alten Burghof nördlich des Drachenfels ökologisch aufgewertet werden. Daher pflanzten dort gestern (24.11.2021) Mitarbeitende der Deutsche Post DHL Group zusammen mit dem Naturschutzgroßprojekt des Rhein-Sieg-Kreises, chance7, und der Biologischen Station im Rhein-Sieg-Kreis im Rahmen einer „Global Volunteer Aktion“ 20 hochstämmige Obstbäume. So wurde die bereits bestehende Obstwiese gleichzeitig erweitert.

„Auf diesem Areal standen bis vor Kurzem noch überwiegend angepflanzte, fremdländische Bäume und viele Sträucher“, berichtete Landschaftsarchitekt Ralf Badtke, Projektreferent beim Naturschutzprojekt. „Chance7 bearbeitete diese Fläche und entfernte einige davon, denn der ökologische und optische Wert dieses Bereiches hielt sich dabei in Grenzen.“ Nur markante und höherwertige Bäume blieben stehen. Dadurch bot sich die Möglichkeit, die freigewordene Fläche ökologisch aufzuwerten und optisch attraktiv zu gestalten.

Nun wurden auf der Streuobstwiese alte Obstsorten gepflanzt; beispielsweise Gelber Edelapfel, Goldparmäne und Champagner Renetten. „Diese Auswahl soll die genetische Vielfalt erhalten und ist auch im Hinblick auf die Veränderungen des Klimawandels der richtige Ansatz“, erklärte Ralf Badtke. „Welche Sorten sich bei steigender Jahresmitteltemperatur bewähren werden, ist allerdings noch unklar. Daher ist es wichtig, viele verschiedene Sorten zu pflanzen.“ Im nächsten Frühjahr wird auf der Fläche schließlich noch artenreiches Grünland eingesät, damit eine zusammenhängende ökologische Einheit entstehen kann.

Die Pflege der Streuobstwiese wird die Biologische Station übernehmen. Diese betreut auch bereits die angrenzenden Baumbestände und wird die Wiese in Zukunft mit ihrer Wanderschafherde beweiden. Damit ist auch der langfristige Erhalt der neu angelegten Obstwiese gesichert. Finanziert wurde die Erweiterung von der Deutsche Post DHL Group.

NABU: Notprogramm für Wildbiene, Feldhamster, Schweinswal & Co.

Berlin – Sie verschwinden – meist leise und unauffällig. Flächenfraß, industrielle Landwirtschaft und Umweltverschmutzung setzen unserer Tier- und Pflanzenwelt zu. 2019 meldete der Weltbiodiversitätsrat, dass etwa eine Million von acht Millionen Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht ist. Das Netz des Lebens, das diese Arten bilden, wird immer löcheriger.

Unmittelbar vom Aussterben bedroht ist beispielsweise der Feldhamster. Der kleine Nager steht auf der weltweiten Roten Liste der bedrohten Arten. Gleiches Bild bei der Würfelnatter. Die Bayerische Kurzohrmaus wurde erst 1962 entdeckt und gilt heute als verschollen. Vom Ostseeschweinswal gibt es nur noch etwa 500 Tiere in der zentralen Ostsee. Die Liste der vom Aussterben bedrohten Arten ist viel zu lang.

Der Feldhamster ist vom Aussterben bedroht

Unmittelbar vom Aussterben bedroht ist beispielsweise der Feldhamster. Der kleine Nager steht auf der weltweiten Roten Liste der bedrohten Arten. (Foto: Nabu)

Dabei wird unterschätzt, dass das Artensterben für Gesundheit, Wohlstand und Sicherheit eine ebenso hohe Relevanz besitzt wie das Klima. Wissenschaftlich ist lange belegt, dass wir die Erderhitzung nur bremsen, Pandemien nur vorbeugen und unsere Ernährung nur sichern können, wenn wir die Vielfalt an Arten und ihrer Lebensräume so weit wie möglich wieder herstellen. Wie eng Klima- und Artenkrise miteinander verwoben sind, beschreibt der gemeinsame Bericht des Weltklimarates mit dem Weltbiodiversitätsrat. Artenschutz ist relevant fürs Klima.

Das Artensterben ist eine stille Krise. Sie wird ausgelöst durch eine Vielzahl menschlicher Faktoren – Vernichtung von Wäldern, Trockenlegung von Mooren, industrielle Überfischung und Vermüllung der Meere, sowie Übernutzung unsere Böden. Durch die Klimakrise wird die Artenkrise nochmals verstärkt.

Moore und Wälder zeigen uns: Eine intakte Natur schützt uns vor der Klimakrise, sie bindet Treibhausgase und mildert Extremwetter ab. Eine ausgebeutete Natur hingegen wird zu einer Gefahr für uns: Wenn Wälder brennen und trockengelegte Moore CO2 ausstoßen, drohen fatale Kipppunkte für das Klima.

NABU stellt ein Notprogramm auf

Wer sich nicht anpasst, stirbt aus. Im Laufe der Erdgeschichte sind schon immer Arten verschwunden und dazugekommen. Die menschengemachte Veränderung dringt dabei allerdings in neue Dimensionen vor. Viele Arten sterben aus, bevor sie überhaupt entdeckt wurden. Der Verlust an biologischer Vielfalt ist in Geld kaum zu beziffern. Sichtbar wird nur die Spitze des Eisbergs: Erst vor wenigen Monaten starb der letzte lebende Nördliche-Breitmaul-Nashorn-Bulle öffentlichkeitswirksam vor den Augen der Weltpresse. Ganz aktuell sind die Dorsch-Bestände in der westlichen Ostsee bedroht, eine Erholung ist nicht absehbar. Mit fatalen Folgen für die Küstenfischerei. Vor einigen Jahren schon beschrieb die Krefelder Studie das Massensterben der Insekten. Wildbienen sind stark gefährdet und drohen als Bestäuber auszufallen – das bedeutet Ernteverluste bei vielen Obst- und Gemüsearten.

Eine Hornisse bewacht den Eingang des Nistkastens. Auch Hornissen sind bedroht. (Foto: Klaus Maresch)

All das passiert nicht im Verborgenen und dennoch führt es nicht zu angemessenen politischen Konsequenzen, obwohl seit vielen Jahren auf allen Ebenen über die Biodiversität verhandelt wird. Deshalb hat der NABU ein Notprogramm formuliert. Es richtet sich an die kommende Bundesregierung. Darin werden wirksame und schnell umsetzbare Sofortmaßnahmen beschrieben, mit denen dem Artensterben jetzt engagiert entgegengetreten werden soll.

NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger fordert: „Biodiversität muss endlich ein politisches Schwerpunktthema werden, um den dramatischen Artenverlusten entgegen zu wirken. Je weniger artenreich und stabil Gewässer, Wälder, Meere und Agrarlandschaften sind, desto schutzloser sind wir den Auswirkungen der Klimakrise ausgeliefert. Die Zeit rinnt uns durch die Finger. Wir brauchen einen energisch geführten und von ernsthaftem Wollen geprägten Wettkampf für die Natur, nicht gegen sie. In den Parteiprogrammen fehlen entsprechende Angebote und Ideen.“

Auch wenn wir alle unseren Teil zur Bewältigung der Artenkrise beitragen können: Die Rahmenbedingungen für eine andere Landwirtschaft, eine großräumige Renaturierung unserer Wälder, Moore und Meere und für eine moderne naturverträgliche Infrastruktur müssen von der Politik gesetzt werden. Bei der Bundestagswahl können wir diese Weichen stellen. Der NABU möchte alle Wählerinnen und Wähler auffordern, den Kampf gegen die Naturzerstörung zu einem entscheidenden Kriterium für ihre Wahlentscheidung zu machen.

Die sieben Forderungen des NABU-Notprogramms im Überblick:

  • Wir geben der Natur mehr Raum
  • Wir schaffen Schutzgebiete, die auch tatsächlich schützen
  • Wir schließen einen Pakt für den Artenschutz und grüne Infrastruktur
  • Wir fördern und fordern Landwirtschaft mit Zukunft
  • Wir schließen einen „Blue Deal“ für den Schutz der Meere
  • Wir stärken den Wald
  • Wir spannen einen internationalen Schutzschirm für die weltweite Artenrettung

Alter Steinbruch am Lyngsberg wird im Sinne des Naturschutzes entwickelt

Eine blütenreiche Staudenflur wie im alten Steinbruch am Lyngsberg bietet Bienen und Schmetterlingen Nahrung (Foto: Klaus Maresch)

Das Naturschutzgebiet Lyngsberg südlich von Muffendorf bietet mit seinen Felswänden und Geröllhalden ideale Bedingungen für seltene Tier- und Pflanzenarten. Doch der wertvolle Lebensraum ist bedroht: Die Vegetation erobert den ehemaligen Steinbruch nach und nach zurück, und Müll wird vor Ort zunehmend zum Problem. Das Amt für Umwelt und Stadtgrün der Stadt Bonn hat daher ein Konzept erarbeitet, um den Lyngsberg zum Schutz seltener und gefährdeter Arten zu entwickeln und langfristig zu pflegen.

Die Zeiten des Basaltabbaus am Lyngsberg sind schon lange vorbei. Dennoch hat die frühere Nutzung das Gelände geprägt: Steile Felswände, sonnenbeschienene Kuppen, schattige Felsspalten und Geröllhalden kennzeichnen das 5,4 Hektar große Gebiet südlich von Muffendorf und bilden so ein buntes Mosaik an schutzwürdigen Lebensräumen. Ehemalige Steinbrüche bieten insbesondere für wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten, wie zum Beispiel Mauereidechse, Schlingnatter oder Wiesensalbei, potenziell optimale Lebensbedingungen. 2013 wurde der Lyngsberg aufgrund seiner besonderen Habitatqualitäten durch den Landschaftsplan Kottenforst als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Lebensräume seltener Arten im Steinbruch bedroht

Eine blütenreiche Staudenflur wie im alten Steinbruch am Lyngsberg bietet Bienen und Schmetterlingen Nahrung (Foto: Klaus Maresch)

Aber das wertvolle Biotop ist bedroht: Seit vor Ort kein Gestein mehr abgebaut wird, erobert die Vegetation das Gelände nach und nach zurück. Heute findet sich an der oberen Hangkante des Lyngsbergs ein alter Eichen-Hainbuchenwald. Im Zentrum überwiegen Linden, Bergahorne und Robinien. Als Lebensraum für wärmeangepasste Tiere und Pflanzen verliert das Gebiet somit zunehmend an Bedeutung. Schon jetzt haben die veränderten Lebensbedingungen dazu geführt, dass von ursprünglich sechs gefährdeten Tierarten derzeit nur noch Fledermäuse nachgewiesen werden konnten, von sieben gefährdeten Pflanzenarten wachsen am Lyngsberg nach aktuellem Stand noch die Rauhe Nelke und der Heilziest.

Umweltdezernent Helmut Wiesner erklärt: „Durch den Menschen entstandene Steinbrüche wie der Lyngsberg beherbergen durch ihre besondere Geländestruktur einzigartige Habitate. Wenn wir verhindern wollen, dass diese wertvollen Naturlebensräume mit den darin lebenden Tieren und Pflanzen verschwinden, müssen wir jetzt handeln und sie auf Dauer erhalten.“ Das Amt für Umwelt und Stadtgrün hat deswegen 2019 mit Unterstützung eines Planungsbüros einen Pflege- und Entwicklungsplan entsprechend der Vorgaben des Landschaftsplans Kottenforst erarbeitet.

Naturschutzprojekt startet im Herbst 2021

Eine blütenreiche Staudenflur wie im alten Steinbruch am Lyngsberg bietet Bienen und Schmetterlingen Nahrung (Foto: Klaus Maresch)

Die Stadt plant, die erarbeiteten Maßnahmen zum Erhalt des Naturschutzgebietes ab Herbst 2021 umzusetzen. Zunächst sollen die Felswände und –kuppen auf der nördlichen und südlichen Zwischensohle des ehemaligen Steinbruchs von Bäumen und Büschen befreit werden. Insbesondere die sich stark ausbreitende Robinie muss zurückgedrängt werden. Der Prozess dauert mehrere Vegetationsperioden. Das Totholz soll im Naturschutzgebiet verbleiben, um so Lebensräume für Insekten, Amphibien, Reptilien und Kleinsäuger zu schaffen.

Einzelbäume wie Mispeln und Eichen bleiben erhalten und werden freigestellt. Auf der zentral gelegenen Wiese soll auf rund 2000 Quadratmetern eine blütenreiche Staudenflur entwickelt werden. Eine südlich gelegene Höhle nutzen verschiedene Fledermausarten derzeit als Unterschlupf. Um das Quartier vor Störungen durch den Menschen zu sichern, wird der Höhleneingang mit einem Gitter versehen.

Einzäunung soll sensibles Biotop „Alter Steinbruch“ schützen

Das Betreten des ehemaligen Steinbruchs ist aufgrund der unübersichtlichen und gefährlichen Geländegegebenheiten bereits heute verboten. Dennoch halten sich viele nicht daran: Der umliegende Zaun wurde an verschiedenen Stellen durch Vandalismus zerstört, illegale Müllablagerungen sind ein großes Problem für Flora und Fauna. Das Müllproblem hat sich während der Corona-Pandemie noch verstärkt. Bevor die eigentlichen Maßnahmen starten, soll deswegen nach Ende der Schonzeit für Brutvögel Anfang Oktober das gesamte Gebiet von Müll und Unrat befreit werden. Der umliegende Zaun wird erneuert, um die sensiblen Lebensräume vor Störungen zu schützen.

Das breit angelegte Naturschutzprojekt für den Lyngsberg kostet insgesamt rund 230.000 Euro. 80 Prozent werden durch Bund und Land gefördert, der Eigenanteil der Stadt liegt bei 20 Prozent.

Nachdem alle Maßnahmen umgesetzt sind, wird das Areal dauerhaft gepflegt. Hier unterstützt die Biologische Station Bonn/Rhein-Sieg tatkräftig. Es ist angedacht, dass im Rahmen von regelmäßigen, begleiteten Führungen dieses wertvolle Naturschutzgebiet erkundet werden kann.

Insektenschutzpaket der Bundesregierung bleibt unbefriedigendes Stückwerk

Echt jetzt? Das soll ein Insektenschutzpaket sein? (Foto: Klaus Maresch)

„Nach zähem Ringen haben heute die Fachausschüsse in Sondersitzungen die Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes abgestimmt. Auch wenn die Koalition einige wenige Details der Kritik  aufgegriffen hat, werden die wesentlichen Fehler im Gesetzesverfahren und im Gesetz nicht korrigiert“, erklärt Kirsten Tackmann, agrarpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, zum heutigen Ergebnis der Agrarministerkonferenz zum sogenannten Insektenschutzpaket. Kirsten Tackmann weiter:

„Obwohl es in einigen Bundesländern beispielhaft gelungen ist, in einem breiten, vertrauensbildenden Dialog kluge Lösungen zu entwickeln, die wirklich ‚Bauern und Bienen helfen‘, wurde dieser kooperative Dialog auf Bundesebene nicht mal versucht. So schafft man nicht nur die nötigen Bündnisse – im schlechtesten Fall blockieren oder erschweren die Entscheidungen auf Bundesebene auch noch die Kompromisse in den Ländern.

Insektenpaket: So geht keine verantwortungsvolle Politik

Was Insektenpaket genannt wird, greift viel zu kurz und ist unterkomplex. Pflanzenschutz und Lichtverschmutzung sind zwar wichtige Ursachen der Verluste biologischer Vielfalt, aber längst nicht alle. Und auch diese werden nicht konsequent und sachgerecht angegangen. Zum Beispiel müssen Klimawandel, Versiegelung oder Nährstoffeinträge und andere Ursachen von Lebensraumverlusten auch adressiert werden, will man das multifaktorielle Problem wirklich lösen. Das langangekündigte Insektenschutzgesetz, das die Ursachen umfassend in den Blick nimmt und auch die soziale Situation in vielen Agrarbetrieben berücksichtigt, wäre sicher angemessener gewesen.

Die Agrarministerkonferenz hat sich zwar heute begleitend auf Ausgleichszahlungen im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz für die neuen Pestizid-Verbote verständigt. Aber es bleibt dabei, dass es keinen Rechtsanspruch auf finanzielle Unterstützung der Agrarbetriebe bei der Umsetzung der Maßnahmen gibt. Die nötige Länderkofinanzierung spaltet das Land in Bundesländer, die sich viel oder wenig Insektenschutz leisten können. Wo überhaupt Unterstützung geleistet wird, ist unklar. Und dass mal wieder keine Rede davon ist, dass die gesamte Lieferkette Verantwortung für den Schutz der biologischen Vielfalt trägt, also auch die Verarbeitungs- und Vermarktungskonzerne, lässt tief blicken.

Die Bundesregierung hat mit dem Insektenschutzpaket vor allem Misstrauen geschürt. Wo dringend Vertrauen gebraucht wird, soll die Kooperation zwischen Landwirtschaft und Naturschutz im Interesse von uns allen gelingen. So geht keine verantwortungsvolle Politik.“


Quelle und Rückfragen an:

Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Pressesprecher: Michael Schlick, Tel. 030/227-500 16,  Mobil 0172/373 13 55

Telefax 030/227-568 01, pressesprecher@linksfraktion.de, www.linksfraktion.de

Bioland-Imkerei Honighäuschen fordert auf der Grünen Woche die Einführung eines Sachkundenachweises für die Imkerei

Der Bienenstand der Imkerei Honighäuschen auf dem Dachgarten der Bundeskunsthalle in Bonn. (Foto: Klaus Maresch)

2012 nimmt die Bioland Imkerei Honighäuschen zum ersten Mal an der Grünen Woche in Berlin teil und stellt verschiedene Honigsorten aus der Region Bonn und aus Wanderung in andere Gebiete Deutschlands vor. Die „Bundesbienen“ und ihr Honig, die Sorten „Bundes-Frühlingsblütenhonig“ und „Bundes-Sommerblütenhonig“ sind etwas besonderes. Der Bienenstand, von dem diese Honigsorten stammen, befindet sich auf dem Dachgarten der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn.
Dieser Bienenstand mit 12 Bienenvölkern der Bienenrasse Buckfast wurde 2011 im Rahmen der Max-Liebermann-Ausstellung von 136.000 Besuchern besichtigt, von denen viele Besucher auch an Führungen und Fachgesprächen teilnahmen. Lediglich ein Besucher wurde gestochen, als er unbedingt eine Biene streicheln wollte.
Die nach den Richtlinien des Öko-Anbau-Verbandes Bioland geführte und zertifizierte Imkerei bietet neben anderen Honigsorten auch einen Honigmet an, der dem Barberini-Papst Urban VIII. gewidmet ist.
Zum Schutz der Bienen setzt sich die Bioland-Imkerei Honighäuschen auch für die Einführung eines verpflichtenden Sachkundenachweises in der Imkerei ein und plädiert für eine durch den Amtsveterinär angeordnete, flächendeckende und überwachte Varroabehandlung. Das bisherige Konzept der freiwilligen Varroabehandlung ist gescheitert und führt auch diesen Winter wieder zu massiven Verlusten von um die 30%, wie das Bieneninstitut Mayen prognostiziert.
In keinem anderen Bereich der Tierzucht und Lebensmittelerzeugung wird akzeptiert, daß 30% des Tierbestandes regelmäßig eingehen. Vieles spricht dafür, daß Varroaverluste auf Behandlungsfehler unqualifizierter Imker zurückgehen, die damit auch ihre Nachbarschaft belasten. Gut qualifizierte Imker, die ihre Bienenvölker sorgfältig behandeln und überwachen, haben – wenn überhaupt – deutlich weniger varroabedingte Verluste. So wurde nach einer Vorabumfrage unter den 250 Bioland-Imkern, die etwa 15.000 Bienenvölker halten, ein nur geringer Bedarf an Völkern gemeldet, der noch nicht einmal 5% des Bestandes abdeckt.
Am Stand der Bioland Imkerei Honighäuschen präsent sind auch die Präsidenten des Deutschen Berufs und Erwerbs Imkerbundes, Manfred Hederer und der European Professional Beekeepers Association, Walter Haefeker.

Grüne fordern Aufklärung zum Bienensterben/Erste Fälle im Raum Passau

Nach dem katastrophalen Bienensterben im Raum Bad Krozingen – Rastatt hat das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium einen Expertenstab einberufen, der mithelfen soll, die Ursachen für das nach wie vor ungeklärte Massensterben badischer Bienenvölker zu klären.

Nach einer Pressemitteilung, in der Minister Hauk empfiehlt, mit den Bienen in andere Regionen abzuwandern, stellen die Grünen im Landtag nun endlich die Fragen, die den Imkern schon lange auf dem Herzen liegen.

Fälle von Bienensterben in Passau

Mittlerweile kommen Meldungen aus dem Raum Passau, wo ebenfalls gebeizter Mais ausgesät wird und Imker bei gleichen Symptomen über zunehmende Schäden an den Bienen klagen.

In einer Anfrage an den Landtag wollen die Grünen wissen, welche Abbauprodukte von Chlothianidin sowie welche Synergismen von Chlothianidin und seinen Metaboliten mit anderen Wirkstoffen bekannt sind und wie die Landesregierung deren jeweilige Toxizität beurteilt. Hinterfragt wird auch, warum nach ähnlichen Vorkommnissen in Italien und Frankreich nach dem Einsatz von Clothianidin keine entsprechenden Warnungen an die badischen Imker herausgegeben wurden und wie hoch die Folgeschäden in der Imkerei eingeschätzt werden. Schließlich fallen die geschädigten Bienenvölker für die laufende Honigernte aus, sofern sie überhaupt überleben und sich erholen.

Das Julius-Kühn-Institut in Brauschweig rechnet mit Untersuchungsergebnissen am späten Donnerstag bzw. Freitagvormittag. Erst dann kann klar gesagt werden, ob tatsächlich Clothianidin oder ein anderes Agrargift der Verursacher des Massensterbens der Bienen ist. Die Symptome sprechen für Vergiftungen, nicht so sehr für eine Erkrankung.

Die Grünen möchten auch wissen, inwieweit und gegen wen die Staatsanwaltschaften ermitteln, nachdem diese von den betroffenen badischen Imkern eingeschaltet wurden.

Neben den gefährdeten Bienen muß auch geklärt werden, ob von dem eingesetzten Saatgutbeizmittel Clothianidin eventuell eine Gefährdung für die Bevölkerung ausgeht, schließlich wirbeln die Sämaschinen eventuell kontaminierte Feinstäube auf, die – so die Überlegung der Imker – durch Abdrift auf blühende Pflanzen und Wasserstellen erst für die Schädigung der Bienen durch kontaminierten Nektar und Pollen sorgen.

Interessant dürfte die Antwort der Landesregierung auf die Frage ausfallen, warum Chlothianidin bisher noch nicht auf Bienengefährlichkeit überprüft wurde obwohl bei zahlreichen toten Honigbienen in Italien hohe Belastungen von Chlothiandin gefunden wurden. Den Status ?bienenungefährlich? hat Clothianidin nur deshalb, weil es als Saatgutbeizmittel theoretisch nicht direkt mit Honigbienen in Berührung kommt, schließlich fliegen Bienen auf Blüten und nicht auf Samen. Im direkten Kontakt wirkt Clothianidin absolut tödlich auf Bienen und ist auch für den Menschen hochtoxisch.

Das Bienensterben an der Rheinschiene war auch Thema des Gesprächs, das im Mittwoch mit Vertretern des Deutschen Berufs- und Erwebs Imkerbundes (DBIB) im Seehofer-Ministerium stattfand. Der DBIB setzt sich seit langem kritisch mit den Saatgutbeizmitteln auseinander und lehnt den Einsatz dieser hochtoxischen Agrargifte ab, die auch zur Beizung von gentechnisch manipulierten Maissorten verwendet werden. Den Anbau von GVO lehnen die Imker ab.

Es zeigt sich wieder einmal mehr, wie problematisch Mais als Kulturpflanze ist und wie wenig „bio“ Mais als nachwachsender Energieträger und Tierfuttermittel wirklich ist.

So ist es auch nicht verwunderlich, wenn die Grünen die aus Sicht der Imker überfällige Forderung nach einem vorsorglichen Verbot von Clothianidin stellen.

Hornisseninvasion? Was ist bloß mit der guten alten ZEIT los?

Wir Imker wundern uns schon länger, im Winter erschien in der einstmals als Hort der Intellektuellen bekannten ZEIT ein Artikel, der die Bedenken der Imker angesichts der Grünen Gentechnik ins Lächerliche stellte und süffisant sowie Tatsachen verdrehend den als Spezialität geschätzten Wald- und Tannenhonig aus bayerischen Wäldern als „von an den Hintern der Läuse nuckelnden Bienen“ entstanden beschreibt.

Vor einiger Zeit erschien in der Redaktion Wissen von ZEIT Online ein weiterer Artikel, nach dessen Lektüre man sich nicht nur als Imker zu Recht fragen muß, ob in dieser Redaktion fachlich versierte, von den Naturwissenschaften angehauchte Redakteure ihrem Handwerk nachgehen.

Die Bioinvasion

Eine Hornisse im Flugloch des Nistkastens behält die Umgebung des Nestes im Blick

Unter der Überschrift „Bioinvasion – Stich in die Wabe“ erschien am 22. Februar ein Artikel, der wahre Horrorszenarien in Frankreich skizzierte und in seiner Schlußaussage sogar meint, vor einem Urlaub in Frankreich warnen zu müssen.

Doch der Reihe nach. Tatsächlich ist seit einigen Jahren im Südwesten Frankreichs das Vorkommen der asiatischen Hornisse Vespa velutina dokumentiert, die aus Asien eingeschleppt wurde. Das Klima in ihrer natürlichen Heimat ist dem mitteleuropäischen Klima ähnlich und so konnte sich Vespa velutina parallel zur europäischen Hornisse Vespa crabro etablieren und ausbreiten. Übrigens, liebe Zeit-Redaktion, die europäische Hornisse hört auf den Namen Vespa crabro und nicht Vespa cabra – Frank Capra hat bei unseren Hornissen keineswegs Pate gestanden, fragen Sie mal im Feuilleton nach, wer das war…
Und es geht munter weiter mit der Tatsachenverdrehung und oberflächlichen Recherche. Die „orientalischen Viecher“ (Vespa velutina) werden verglichen mit der einheimischen, auch in Deutschland bekannten Hornisse Vespa crabro und sollen riesig sein, mit Flügelspannweiten von sieben Zentimetern und Körperlängen von bis zu fünf Zentimetern. Im Vergleich: Die nestgründenden Königinnen von Vespa crabro erreichen maximal vier Zentimeter, das Arbeitspersonal der Hornisse liegt bei um die zwei, zweieinhalb Zentimeter.

„Die überdimensionierten Velutina-Hornissen“ sind tatsächlich von der Größe her eher mit der ebenfalls in Mitteleuropa ansässigen Mittleren Wespe Dolichovespula media vergleichbar, also deutlich kleiner als die bekannte europäische Hornisse.
Da scheint die Redakteurin irgendwo im Internet recherchiert zu haben und ist über die Asiatische Riesenhornisse Vespa mandarinia gestolpert, die nun tatsächlich die Größe erreicht, die sie den „orientalischen Viechern“ zuschreibt. Ist ja irgendwie alles dasselbe, diese Viecher. Bienen, Hummeln, Wespen und Hornissen – die stechen eigentlich ja nur und wer braucht die eigentlich – dieser Gedankengang scheint sich durch den Artikel zu ziehen.

Panik vor Hornissenschwärmen?

Die Filialisierung ist in vollem Gange. Im Nistkasten haben die Arbeiterinnen die erste Wabe erweitert und die Königin ist eingetroffen. Erste Eier sind sichtbar. (Foto: Klaus Maresch)

Die Redakteurin schreibt dann auch sofort von der Panik vor den Riesenhornissen, die sich weit eher als die Hornissenschwärme auf dem europäischen Festland ausbreiten dürfte. Sie trägt ja auch direkt dazu bei und bezieht sich in ihrem Artikel mehrfach auf die britische Sun und den Daily Telegraph. Und auch da reibt man sich die Augen – würde sich die FAZ auf einen Artikel in der Bildzeitung berufen, um vor etwas zu warnen? Übrigens, Hornissen schwärmen auch nicht, wie es die Bienen tun. Hin und wieder zieht eine Hornissenkolonie innerhalb einer mehrwöchigen Phase aus Platzgründen um, um an anderer Stelle ein neues Nest zu bauen. Aber Schwärme wie bei den Bienen, wo mehrere zehntausend Arbeiterinnen mit einer Königin ausziehen, um an anderer Stelle eine weitere Kolonie zu gründen, gibt es bei Hornissen nicht.
Aber schauen wir uns diesen Artikel über „die überdimensionierten Velutina-Hornissen“ weiter an. Die Redakteurin schreibt die Ausbreitung der Vespa velutina ihrer Lieblingsspeise zu, den in der französischen Region Aquitanien reichlich vorkommenden Honigbienen und da heißt es dann auch gleich: „…, schafft es eine Handvoll der Riesenhornissen doch, einen Bienenstock mit vielen Tausend Honigproduzenten innerhalb kürzester Zeit zu vernichten.“ Auch hier wieder nur oberflächlich recherchiert und ein bekanntes Verhalten der Vespa mandarinia einfach auf die viel kleinere Vespa velutina übertragen. Stimmt so leider nicht und auch die französischen Imker wissen nichts davon. Da ist es doch gut, wenn die ZEIT den wißbegierigen Leser und unwissenden Imker aufklärt. Ohne die ZEIT hätte man gar nichts von der Gefahr erfahren, in der harmlose Touristen und französische Bienen schweben. Tatsächlich ist es so, daß gelegentlich Arbeiterinnen der Vespa velutina vor Bienenstöcken lauern und die eine oder andere Honigbiene jagen. Das macht auch unsere einheimische Hornisse und richtet keinen größeren Schaden an. Den Schaden, den die organisierte Landwirtschaft mit ihren Pestiziden an unseren Bienen anrichtet, da kommt eh keine Hornisse mit. Aber das ist ein anderes Thema.

Hornissen sind harmlos

Wir Imker schätzen die einheimische Hornisse auch schon eher dahingehend, daß sie eben auch auf die manchmal lästigen kleineren Wespenarten Jagd macht, die den Bienen übrigens genauso auf den Wecker gehen wie frühstückenden Garten- und Balkonbesitzern.
Beim Jagen zeigt Vespa velutina sogar ein Revierverhalten, d.h. es werden keine weiteren Jäger der Vespa velutina im Revier des gerade jagenden „orientalischen Vieches“ geduldet. Von koordinierten Angriffen, wie es die Imker in Korea und Japan von der Asiatischen Riesenhornisse kennen, ist bei der Vespa velutina nichts bekannt. Anscheinend weiß die Redakteurin da mehr als Vespa velutina…

Panikmache bei Frankreichurlaubern
Aber die Redakteurin stößt noch tiefer ins Horn der Panikmache, denn 85 fußballgroße Nester hat der französische Entomologe Jean Haxaire auf einer 40 Meilen Strecke zwischen Marmande und Podensac gefunden. Daraufhin folgert sie auch gleich, daß es in ganz Aquitanien Tausende Kolonien sein müssen.
Es mag eine Überraschung sein, aber in Deutschland braucht es keine 40 Meilen, um 85 Wespennester zu finden. Eine Umfrage unter deutschen Hausbesitzern in einer mittleren Großstadt wie Bonn mit der Bitte, im Spätherbst einen Blick auf den Dachboden, in Rolladenkästen und Mauselöcher zu werfen, wird Hunderte von Nestern verschiedener Wespenarten zutage fördern. Darunter solche der Deutschen und der Gemeinen Wespe, die deutlich größere Kolonien als V. velutina bilden können mit bis zu zehntausend Tieren. Ihnen allen gemeinsam ist es, daß die Nester zum Winter hin aussterben, zum einen aufgrund der Kälte, zum anderen aufgrund mangelnder Nahrung und weil die nestgründende Köngin stirbt. Mehrjährige Kolonien verschleppter Wespenarten sind nur aus Neuseeland und einigen US-Bundesstaaten bekannt, wo es in manchen Regionen ein sehr mildes Klima samt ganzjährigem und ausreichendem Nahrungsangebot gibt.

In ihrem Schlußabsatz gibt die Redakteurin den Rat, sich gründlich über das richtige Verhalten gegenüber Bienen und Hornissen zu informieren. Dafür gibt es Imker – vielleicht hätte sie vor dem Verfassen dieses Artikels mal einen Imker kontaktieren sollen und nicht die Sun. Und die Redakteurin fordert auf, das eigene Gepäck sorgfältig zu durchsuchen – schließlich wären wir Imker über eine eingeschleppte Hornissenplage kaum erfreut. Nun ja, aufgrund der Klimabedingungen in ihrer Heimat wird sich Vespa velutina irgendwann in den nächsten Jahren auch in Deutschland problemlos etablieren können. Auch hier wieder ein künstlich aufgebauter Zusammenhang mit dem Klimawandel, der so nicht stimmt. Vespa velutina braucht den Klimawandel nicht, um sich in Frankreich/Spanien und Deutschland etablieren zu können. Vespa mandarinia könnte hier übrigens auch überleben, diese nun wirklich auch für Bienen gefährlichere Großwespe überdauert die kalte, schneereiche Zeit des japanischen Winters als überwinternde Königin im frostsicheren Erdquartier (wie unsere Wespen und Hornissen)

Aber wir Imker haben nicht wirklich Angst davor, daß Vespa velutina eine Gefahr für unsere Honigbienen darstellt. Eher machen wir uns Sorgen über schlecht recherchierte und die Panik vor Bienen und Hornissen anheizende Beiträge oder über tendenziöse Artikel, die die Risiken der Grünen Gentechnik für unsere Bienen schönreden. Und das, was die Landwirtschaft mit ihren Pestiziden und Monokulturen bei unseren Bienen (und deren Verwandten) anrichtet, schafft noch nicht einmal die asiatische Riesenhornisse Vespa mandarinia japonica…
Liebe Urlauber, fahrt in Ruhe nach Frankreich und genießt die wunderschöne Natur mit ihren Lavendelfeldern samt Bienen und Hornissen. Ein größeres Risiko als in Deutschland im eigenen Garten oder Biergarten von einer Biene, Wespe oder Hornisse gestochen zu werden, besteht auch in Frankreich nicht.

In eigener Sache
Unseren Bienenstand auf dem Drachenfels mit seinen 25 Bienenvölkern und Hornissenkolonien besuchen jährlich Tausende Touristen, Wanderer und Naturfreunde. In 5 Jahren konnten bei Führungen, d.h. direkter Kontakt mit den etwa 1,2 Millionen Bienen dieses Standes, insgesamt 12 Stiche bei Besuchern verzeichnet werden. Sogar Allergiker dürfen und sollen diese Harmlosigkeit der Bienen erleben, denn die – wenn auch aufgrund der Allergie – berechtigte Angst vor einem Stich macht es nur schlimmer.
Dafür haben wir im Spätsommer Besucherschlangen an einem lebenden Hornissennest, welches sich problemlos bis ins Nestinnere fotographieren läßt – noch nie gab es Attacken – nur aufmerksame Mütter (Hornissenarbeiterinnen), die dem natürlichen Instinkt jeder Mutter folgten, die ihren Nachwuchs beschützen will. Und wer sich einer solchen Kinderstube mit Respekt und mit friedlichen Absichten nähert, hat in den seltensten Fällen mit Sanktionen zu rechnen.