Archiv der Kategorie: Wespen

Das leidige Thema Wespen beschert mir im Sommer auch lange Gespräche mit Beratung am Telefon, manchmal vor Ort Besuche und Umsiedlungsaktionen und leider gelegentlich auch das Abtöten eines Nestes der Deutschen oder Gemeinen Wespe.
Und manchmal kann ich auch dafür sorgen, dass ein Nest der harmlosen Sächsischen Wespe oder ein kleines Nest der Feldwespe bleiben darf. Und das macht Freude.

Die Wespensaison in Bonn und Rhein-Sieg-Kreis

Ein Wespennest in der Kindertagesstätte Ennertzwerge in Bonn (Foto: Klaus Maresch))
Ein Wespennest in der Kindertagesstätte Ennertzwerge in Bonn (Foto: Klaus Maresch))

HONIGHÄUSCHEN (BONN) – Wespen, mal mehr, mal weniger lästig, sind ein beliebtes Thema im medialen Sommerloch. Auch bei uns im Honighäuschen klingelt das Telefon momentan nahezu stündlich. Haus- und Gartenbesitzer sehen sich mit Wespennestern der Deutschen Wespe im Rollokasten, einem großen Wespennest der Gemeinen Wespe auf dem Balkon oder am Durchgang zur Haustür konfrontiert.

Ganz zu schweigen vom Kriegsschauplatz Terrasse oder Grillplatz. Wegen Corona fallen schon viele beliebte Freizeitaktivitäten aus und jetzt auch noch nervige Wespen. Oder womöglich Hornissen. Aber dazu später.

In diesem Jahr scheint es wieder mehr Wespen zu geben, wenn man nach der Zahl der Anrufe geht. Das kann zwar auch damit zu tun haben, dass wegen der Corona-Pandemie mehr Leute im Home Office arbeiten, mehr Kinder zuhause bleiben und dadurch eben auch mehr Wespennester entdeckt werden, weil man im Home Office der eigenen Umgebung naturgemäß mehr Aufmerksamkeit widmet.

Für Fachleute ist es meistens schon im Frühjahr absehbar, wie sich die Wespensaison entwickelt. Ist das Frühjahr warm und trocken, ohne späte Kälteeinbrüche, womöglich mit Frost oder zumindest mit langen Regenperioden, dann schaffen es viele Wespenköniginnen, die den Winter an einem geschützten Ort verbracht haben, auf Nistplatzsuche zu gehen und ein Wespennest zu errichten.

Je nach Art haben die Wespenköniginnen dabei sehr typische Ansprüche.

Die unterschiedlichen Wespenarten

Die Sächsische Wespe

Ein Wespennest der Sächsischen Wespe in einer Gardine (Foto: Honighäuschen)

Die Sächsische Wespe geht gern auf halbwegs helle Dachböden und errichtet dort ihre maximal kinderkopfgroßen Nester. Man erkennt die Nester leicht an ihrer typischen Form, sie sehen so aus wie man sich eben ein Wespennest vorstellt. Graue Farbe, leicht kugelig und sich nach unten verjüngend sowie ein Einflugloch an der unteren Spitze. Manchmal findet man die Nester der Sächsischen Wespe auch im Gebüsch oder in einem Gartenhäuschen oder – wenn man sein Wohnzimmerfenster permanent in der Kipp-Position geöffnet lässt – auch schon einmal an der Gardinenstange.Da gehört es zwar nicht unbedingt hin, aber es wird auch keine großen Probleme bereiten.

Die Sächsische Wespe ist friedlich und begnügt sich mit einer überschaubaren Population von etwa 200 bis 300 Tieren. Die Arbeiterinnen sind auch in der Nähe des Nestes friedlich, die Männchen haben keinen Stachel und die jungen Wespenköniginnen stechen erst recht nicht.

Entdeckt man so ein Nest der Sächsischen Wespe auf seinem Dachboden oder im Gartenhäuschen, ist Toleranz angesagt. Zumal diese Wespennester auch – man spricht deshalb von kurzzyklischen Wespenarten – früh im Jahr schon wieder verlassen werden. Notfalls kommt eine Umsiedlung infrage, wenn sich das Wespennest ausgerechnet am Türrahmen befindet und durch das Öffnen und Schließen der Tür immer wieder aufgestört wird.

Feldwespen

Eine harmlose Feldwespen-Kolonie. Feldwespen sind geschützt und dürfen nicht beseitigt werden. (Foto: Honighäuschen)

Ebenfalls eher unkritisch sind Wespennester, die von Feldwespen gegründet werden. Das ist eine recht urtümliche Wespenart, in der es keine von den Arbeiterinnen klar unterscheidbare Wespenkönigin gibt. Die Nester werden auch nicht groß, haben keine Schutzhülle und sind häufig im Dachbereich zu finden. Insbesondere an den Stellen, wo es sehr warm werden kann, nisten Feldwespen sehr gern. Das sind die Bleiabdeckungen von Dachfenstern, Alu- und andere Metallschienen und der Scharnierbereich des Dachfensters. Dort können sich dann auch mehrere dieser etwa maximal handtellergroßen Nester finden. Man erkennt sie sehr leicht. Ein Einsatz von Gift kommt nicht infrage und eine Umsiedlung ebenso wenig.

Deutsche Wespe und Gemeine Wespe

Etwas lästiger und manchmal auch gefährlicher können die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe werden. Beide Wespenarten sind Dunkelhöhlenbrüter und errichten sehr langlebige und große Wespennester, in denen durchaus mehrere Tausend Wespen leben können. Diese Nester finden sich in Rollokästen, in abgehängten Zwischendecken, in der Isolierung eines Dache, aber auch in Gauben und natürlich im eigenen Garten.

Wespennest im Rollokasten – Hier ist eine Wespenbekämpfung sinnvoll und angebracht. (Foto: Honighäuschen)

Je nach Lage des Nestes kann es dabei Probleme geben. Im Rollokasten des Kinder- oder Schlafzimmers gebaut, sind Probleme vorprogrammiert, und dies aus mehreren Gründen. Zum einen ist dort nicht genug Platz für ein Wespennest, welches unter idealen Bedingungen (Wetter, Nahrungsangebot) ohne weiteres das Volumen eines Medizinballes erreichen kann, u.U. auch deutlich mehr. Zusammen mit Dachdeckern habe ich auch schon Wespennester gesehen, die sich über eine Länge von zwei Metern zwischen zwei Dachbalken entwickelt hatten.

Es kann auch passieren, dass sich die Wespen durch den Rollokasten durchnagen und dann hat man Hunderte von Wespen in der Wohnung.

In jedem Fall wird es zu unschönen Geruchsbelästigungen kommen, denn die Wespen lassen jede Menge Kot und und Urin fallen, und in diesem sehr speziellen Substrat fühlen sich verschiedene Insektenart sehr wohl. Das Odeur eines Katzenklos kann im Vergleich dazu leicht als wohlriechendes Parfum wahrgenommen werden.

Wie verhindert man die Ansiedlung von Wespen an kritischen Stellen?

Im Laufe von mehr als dreißig Jahren Imkerei entwickelt man eine gewisse Gelassenheit im Umgang mit Wespen und sammelt Erfahrungen. Diverse angeblich „todsichere“ Hausrezepte und Tipps wurden auch von uns ausprobiert und das allermeiste ist großer Quatsch.

  • Wespennestattrappen: So soll es beispielsweise helfen, eine Wespennestattrappe aufzuhängen, um Wespen zu vertreiben oder die Gründung eines Wespennestes zu verhindern. Kann man aufhängen, so einen „Waspinator“. Tolle Sache. Für das Konto des Herstellers auf alle Fälle. Genauso gut können Sie um Mitternacht eine tote Katze über die Friedhofsmauer werfen, dabei weise Sprüche murmeln und an die Große Erdmutter appellieren. Oder an das Fliegende Spaghettimonster.
    Tatsächlich habe ich im Laufe von zahlreichen Einsätzen und Beratungen vor Ort im Umgang mit Wespen und Hornissen so manches gesehen, womit Haus- und Gartenbesitzer verhindern wollten, dass sich Wespen, Bienen oder Hornissen in Haus und Garten ansiedelten.

Verbraucherschützer warnen – Firmen betreiben Abzocke mit Entfernen von Wespennestern

Ein Wespennest der Sächsischen Wespe in einer Gardine (Foto: Honighäuschen)

Ein Wespennest im eigenen Haus. Für viele eine Horrorvorstellung, die sie schnell beheben wollen. Verbraucherschützer warnen jedoch vor Haustür-Abzocke durch unseriöse Schädlingsbekämpfer.

Kaum sitzt man in diesem Sommer draußen bei Kaffee und Kuchen oder Grillgut, sind die Wespen gleich scharenweise zur Stelle. Werden die Lebensmittel weggeräumt, verschwinden auch die Insekten – zumindest meistens. Sollte das nicht der Fall sein, ist der Verdacht groß, dass sich Wespen in der Nähe ein Nest gebaut haben.

Verbraucherschützer warnen vor Wucherpreisen

Für Betroffene heißt es dann, schnell handeln und das Insektenhaus beseitigen. Es lohnt sich aber, bei der Wahl des Dienstleisters genauer hinzusehen. Die Verbraucherzentrale NRW warnt aktuell vor „laienhaft arbeitenden Notdiensten“, die versuchen, Kunden an der Haustür abzuzocken. Liegt der Preis für das Umsiedeln oder Abtöten von Wespen meist zwischen 80 und 150 Euro, verlangen Betrüger oft mehrere hundert Euro. Folgende Punkte sollten Sie deshalb beachten, um nicht Opfer einer Haustür-Abzocke zu werden:

  • Nur Anbieter mit Festnetznummer aus Ihrer Region, keine Anbieter mit 0800-Nummer oder ausschließlich Handynummer
  • Impressum auf Internetseiten zeigt den tatsächlichen Sitz der Firma
  • Notrufnummern in Ruhe im Vorfeld recherchieren
  • Niemals sofort zahlen; es gibt ein Recht, die Rechnung zu überprüfen
  • Profis stören oder töten Wildtiere nicht unbegründet und arbeitet mit Naturschutzbehörden zusammen

Michael Falkner, langjähriger Schädlingsbekämpfer aus Bonn, rät außerdem, immer im Vorfeld nach dem Preis für die Entfernung zu fragen. „Viele Betroffene wollen nur schnell die Nest loswerden und spielen damit den Abzockern in die Hände“, so Falkner. Ein professioneller Schädlingsbekämpfer sei auch immer an einer umfangreichen Beratung zu erkennen. Anbieter, die ohne Erklärungen an die Arbeit gingen ohne zu überprüfen, ob es sich eventuell um eine geschützte Insektenart handelt, seien oft Abzocker.

Seit Jahren haben Verbraucherschützer unseriöse Anbieter und deren Praktiken im Visier. Besonders die hohe Nachfrage in diesem Sommer begünstige die Arbeit solcher Firmen. Falkner warnt davor, beim Anblick eines Wespen- oder Hornissennests in Panik zu verfallen und den erstbesten Dienstleister zu beauftragen. Wenn ein Anbieter schon am Telefon darauf dränge, schnell vorbeizukommen, ohne Nachfragen zu den Insekten und dem Ort des Nestes zu stellen, sei das ein guter Hinweis auf eine Abzockerbande. „Wer aber ganz sicher gehen will, kann auch immer nach einem Sachkundenachweis fragen, der Auskunft über die Qualifikation des Schädlingsbekämpfers gibt“, so Falkner. Allerdings sei die Nachfrage zurzeit hoch: „Aktuell muss ich Kunden schon drei Wochen vertrösten, bevor wir einen Auftrag annehmen können“, so Falkner.

Ohne Not Wespennester entfernen ist verboten

Denn es gilt: Ein Wespennest darf niemals eigenhändig entfernt werden. Klaus Maresch ist ehemaliger Bienenzüchter der Bioland Imkerei „Honighäuschen“ in Bonn und hat rund 40 Jahre Erfahrung mit Bienen, Wespen und Hornissen. „Wespen fühlen sich schnell bedrängt, wenn man dem Nest zu nahe kommt und verteidigen sich. Außerdem sind einige Arten geschützt. Eine Entfernung des Nestes ohne unmittelbare Gefahr ist deshalb verboten.“ Eine Gefahrensituation liegt in der Regel nur dann vor, wenn Allergiker oder Kindergärten betroffen sind. Ein eigenmächtiger Verstoß kann im Fall einiger besonderer Arten bis zu 50.000 Euro kosten.

Der Experte rät deshalb dazu, einen professionellen Schädlingsbekämpfer zu beauftragen, der sich das Nest anschaut. Dieser könne auch eine Einschätzung abgeben, ob eine Gefahr besteht oder nicht, denn nicht alle Wespenarten seien aggressiv, so Maresch. „Wespe ist nicht gleich Wespe. Viele Arten sind völlig friedlich. Die bekommen sie quasi gar nicht zu Gesicht. Besonders dann, wenn das Nest außer Reichweite vier bis fünf Meter über dem Balkon hängt.“ In diesen Fällen rät er dazu das Nest an Ort und Stelle zu lassen und gegebenenfalls lieber Vorsichtsmaßnahmen wie Fliegengitter zu installieren.

Mehr Wespen durch milden Frühling

Doch wie kommt es überhaupt, dass in diesem Jahr so viel mehr Wespen unterwegs sind, oder täuscht das Gefühl? Anders als oft vermutet habe es nichts mit einem zu milden Winter tun, erklärt Imker Klaus Maresch. „Durch den milden und vor allem trockenen Frühling hatten die Wespen ausgezeichnete Bedingungen und fanden ausreichend Futter um sich rasch zu vermehren.“ Während sonst viele Königinnen heftige Regenfälle oder Frost nicht überlebten, hätten sich 2018 weit mehr ein eigenes Nest gebaut und sich dort vermehrt. Auch der oft Anfang Juni einsetzende Kälteeinbruch – die sogenannte Schafskälte – blieb aus. Dabei sei die Situation in Deutschland nicht überall gleich.

Und das Problem wird auch noch einige Zeit bleiben. „Wespen sterben nur durch Frost oder heftigen Regen. Wenn ich mir da so die Wetteraussichten für die kommenden Tage und Wochen ansehe, werde ich noch einige Anrufe wegen Wespen bekommen“, scherzt Maresch. Je nach Witterung rechnet er erst im Oktober oder November mit einem spürbaren Rückgang der Wespenpopulation.

Quelle: Verbraucherschützer warnen – Firmen betreiben Abzocke mit Entfernen von Wespennestern

Wespen im Dach, Wespenbekämpfung im Rollokasten und kein Ende in Sicht

Eine völlig harmlose Feldwespen-Kolonie. Kein seriöser Schädlingsbekämpfer wird hier eine Wespenbekämpfung vornehmen, denn Feldwespen sind harmlos und errichten nur ein sehr kleines Wespennest. (Foto: Honighäuschen)

HONIGHÄUSCHEN (BONN) – Eine Wespen-Saison und Nachfrage nach Wespenbekämpfung wie diese ist mir in dreißig Jahren Imkerei noch nicht untergekommen. Was bei uns an Anrufen und Hilferufen im Bundeslurch Verlag sowie Beratungen rund um das Thema Wespen, ob es nun ein Wespennest der Deutschen Wespe im Garten oder im Rollokasten, in Kindergärten und Schulen, eine harmlose kleine Kolonie der Feldwespe auf der Terrasse ist, gefühlt ist es so, dass der halbe Rhein-Sieg-Kreis und die Stadt Bonn bei in den letzten Wochen bei uns anfragte und Hilfe oder zumindest Beratung brauchte.

Es gab bis jetzt rund 160 Einsätze, darunter Wespenbekämpfung oder auch nur Beratung im Umgang mit Wespen und Hornissen vor Ort, die telefonischen Beratungen im Umgang mit Wespen und Hornissen nicht gezählt, teilweise bis spät in die Nacht. Dazu kamen – wenn auch teilweise selber initiiert – mehr als ein halbes Dutzend Berichterstattungen im General Anzeiger Bonn, im Express, bei Radio Bonn Rhein Sieg, bei RPR 1, Sat 1, RTL Aktuell und RTL 2. Die mediale Arbeit ist immer zweischneidig, einerseits bekommt man den Leser und Zuschauer dahin, dass er nicht ganz so hysterisch reagiert, wenn mal eine Wespe am Kaffeetisch auftaucht oder Hornissen sich auf dem Dachboden ansiedeln. Aber es hat auch ein erhöhtes Aufkommen an Anrufen zur Folge.

Skurrile und schräge Geschichten bei der Wespenbekämpfung

Eine Gardinenstange tut es auch während der Filialisierung eines Hornissennestes (Foto: Klaus Maresch)

Und es ergeben sich auch skurrile Geschichten. Da ist der Kunde, der ein Hornissennest an der Gardinenstange im Gästezimmer vorfindet und es behalten will. Ein Fenster eines Gästezimmers stand auf Kipp und Hornissen hatten die Gardinenstange als ideal für den Neubau eines Hornissennestes eingestuft.Manchmal ziehen Hornissen um, wenn es ihnen am Ursprungsort zu eng wird, beispielsweise in einem Meisenkasten. Einzelne Hornissen gehen dann auf Suche und errichten an einem neuen Ort eine sogenannte Filiale und binnen weniger Wochen zieht die gesamte Kolonie um. Ein solcher Fall ereignete sich in Endenich und die Besitzer des Gästezimmers entschieden sich, die Hornissen zu tolerieren und stellten lediglich eine Katzentoilette unter das Hornissennest.

Acryl im Ohr und eine Wespenbekämpfung in Wesseling

Wespennest im Rollokasten – Hier ist eine Wespenbekämpfung sinnvoll und angebracht. (Foto: Honighäuschen)

Es gab auch einen schrägen Unfall, der glücklicherweise einigermaßen glimpflich abging. Eine Kundin, die bei einer Wespenbekämpfung am Haus unten neben der Leiter stand, wurde gestochen – sowas kommt vor. Allerdings hielt sie eine Pistole parat mit einer Acrylkartusche, denn nach der Bekämpfung sollte das Loch in der Fassade, durch das die Wespen ein und ausflogen, geschlossen werden. Eine Wespe stach sie und reflexartig schlug sie zu. Allerdings rammte sie sich dabei die Pistole mit der Spitze der Acrylkartusche ins Ohr und schaffte es, das Trommelfell mit Acryl in Kontakt zu bringen. Die normale Notaufnahme des Wesselinger Krankenhauses konnte nicht helfen und so ging es noch spät in der Nacht in eine HNO-Klinik, wo das Trommelfell gereinigt wurde. Die behandelnden Ärzte haben nun eine Geschichte mehr für den Fortsetzungsroman „Seltsame und völlig unwahrscheinliche Unfälle im Haushalt“.

Warum gibt es dieses Jahr soviele Wespennester?

Schon im Frühjahr war abzusehen, dass es dieses Jahr ein erhöhtes Aufkommen an Wespennestern in der Region Bonn und Rhein-Sieg sowie dem weiteren Rheinland geben würde. Das Frühjahr verlief optimal, es gab keine längeren Regenperioden oder gar Spätfröste. Somit konnten viele Hornissen- und Wespenköniginnen eine Kolonie gründen. Der bisherige Verlauf des Sommer mit seinen hohen Tempoeraturen läßt die Wespennester dann sehr stark wachsen, denn die Wärme und das große Nahrungsangebot trägt zur optimalen Versorgung eines Wespennestes der Deutschen Wespe oder der Gemeinen Wespe bei. Diese beiden Wespenarten sind dafür bekannt, Wespennester zu errichten, in denen schon einmal 3.000 bis 10.000 Wespen leben können.

Der Höhepunkt der Wespensaison kommt noch.

Ein Wespennest der Sächsischen Wespe in einer Gardine ist auch nicht gerade alltäglich. (Foto: Honighäuschen)

Die sehr friedliche Sächsische Wespe hat ihren Zyklus bereits beendet, die Nester der ebenfalls friedlichen Mittleren Wespe sind nicht ganz so auffällig, aber die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe erreicht erst im August und September ihren Höhepunkt. Wenn die erste Urlaubswelle vorbei ist, und die heimkehrenden Urlauber Wespennester in Rollokästen, Gärten und im Dachbereich entdecken, geht es erfahrungsgemäß weiter mit den Hilferufen. Baumärkte und Gartencenter berichten, dass die Mittel zur Wespenbekämpfung vielerorts ausverkauft sind.

Wo ist das Wespennest, welche Wespenart ist aktiv und geht ohne Wespenbekämpfung eine echte Gefährdung davon aus?

Das sind die Punkte, deren Antworten darüber entscheiden, ob eine Wespenbekämpfung notwendig ist oder das Wespennest toleriert werden kann und sollte, denn Wespen haben auch eine für uns wichtige Funktion. Sie ernähren ihre Brut mit den Fleisch erbeuteter Fliegen, Bremsen und anderer Insekten und das ist nicht wenig.

Ein weiterer Punkt sollte bei der Beratung zum Thema Wespenbekämpfung eine Rolle spielen. Ein seriöser Schädlingsbekämpfer wird Ihnen immer eine ordnungsgemäße Rechnung für diese Dienstleistung ausstellen und vorher festlegen, was die Wespenbekämpfung oder Beratung vor Ort kostet. Oder ob eine Umsiedlung infrage kommt. Und gegebenenfalls wird er auch einen Auftrag ablehnen, wenn nur unbegründete Hysterie im Spiel ist.

Tipps vom Experten – Wenn Wespen sich als Untermieter einnisten

Eine Feldwespe auf ihrem Nest. Gerade Feldwespen sind gewöhnlich sehr friedlich und ihre Nester haben selten mehr als zwanzig Bewohnerinnen. (Foto: Honighäuschen)

Ein Insektennest am oder im Haus ist noch kein Grund zur Panik, denn die meisten Arten sind ungefährlich oder naturgeschützt. Deshalb gilt: Erst informieren, dann handeln. Ein Bonner Experte gibt Tipps rund um Wespen und Hornissen.

Quelle: Tipps vom Experten – Wenn Wespen sich als Untermieter einnisten

BONN. Ein Insektennest am oder im Haus ist noch kein Grund zur Panik, denn die meisten Arten sind ungefährlich oder naturgeschützt. Deshalb gilt: Erst informieren, dann handeln. Ein Bonner Experte gibt Tipps rund um Wespen und Hornissen.
Von Axel Vogel, 13.08.2017

Wespen und Hornissen gehören nicht gerade zu den beliebtesten Insekten, ihre Wehrhaftigkeit ist gefürchtet. Auch das auffällig schwarz-gelb-geringelte Äußere einer Wespe signalisiert „Achtung“ – und in diesem Fall ist die auch geboten: Ein Wespenstich schmerzt nicht nur, er kann oft auch folgenreiche Abwehrreaktionen des Körpers hervorrufen.

Ein Niederbachemer Hausbesitzer war daher auch wenig erfreut, als sich vor wenigen Wochen eine Wespenschar direkt über seiner Tür zum Garten – zwischen dem Übergang des Mauerwerks ins Dachgebälk – einquartiert hatte. Zumal auch regelmäßig Kinder in dem Garten spielen.

Was die Sache vollends zum Problem machte: Die ungebetenen Untermieter hatten sich ein Nest in die Styroporisolierung auf der Dachbetonplatte gefressen und vermehrten sich so stark, dass tagsüber der Flugbetrieb im Garten störte. Was also tun? In Eigenregie mit chemischen Mitteln wie einem Giftspray den Insekten den Garaus machen? Einen Schädlingsbekämpfer bestellen? Oder gar versuchen, die Wespen auf vergleichsweise friedlichem Wege umzusiedeln? Der General-Anzeiger fragte bei einem Experten in der Region nach.

Liste der Vorurteile ist lang

Gerade während der Sommerzeit wollen Hausbewohner Naschwerk und Gegrilltes im Garten genießen, was oft zu Konflikten mit Wespen führt. Gleichwohl warnen Fachleute: Gerade gegenüber Wespen und Hornissen ist die Liste der Vorurteile lang. „Aufklärung ist auch heute noch dringend notwendig, denn kaum eine Tiergruppe ruft so heftige Reaktionen hervor wie diese unter dem wissenschaftlichen Begriff Hautflügler zusammengefassten Insekten“, heißt es dazu auf der Internetseite des Naturschutzbund Deutschland (Nabu). „Die Tatsache, dass nur wenige Menschen mit der Lebensweise von Wespen oder Hornissen vertraut sind, hat zur Bildung von Mythen und Vorurteilen beigetragen“, betont Nabu-Expertin Melanie von Orlow.

Das kann der Bonner Nabu-Mitstreiter Klaus Maresch, der seit 35 Jahren Berufsimker ist und dabei auch viel mit Wespen und Hornissen zu tun hat, nur bestätigen: „Viele Menschen, die Rat bei mir suchen, verwechseln ein Wespen- oft mit einem Hornissennest.“ Auch eine Unterscheidung zur Biene falle manchem nicht leicht, erklärt Maresch, der nach eigener Aussage bereits oft beim Auffinden von Wespen- und Hornissennestern von Ordnungsbehörden hinzugezogen wurde.

Grundsätzlich weist man beim Nabu auch darauf hin, dass nur zwei der acht in Deutschland heimischen Wespenarten auf Süßes oder Herzhaftes stehen. Nämlich die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe. Gleichwohl würden eben auch andere Vertreter der Gattung wie Hornissen und Langkopfwespen, die auch unter Vordächern nisten, über einen Kamm geschert und ausgeräuchert. Für Klaus Maresch ist das ein Frevel, „denn Langkopfwespen sind harmlos“.

Kühlen Kopf bewahren

Statt blindem Aktionismus rät er grundsätzlich, erst einmal einen kühlen Kopf zu bewahren: „Ein frei hängendes Nest am Dach ist gewöhnlich ein Nest der Mittleren Wespe, mit der man gut zusammenleben kann.“ Die Insekten seien nicht aggressiv, wenn das Nest nicht erschüttert werde. Sind Fenster in der Nähe, sollte „ein Fliegendraht ausreichen“.

Anders verhalte es sich allerdings, wenn die Deutsche oder Gemeine Wespe ein Nest am oder im Haus gebaut habe: „Deren Populationen kann in manchen Jahren durchaus mehrere Tausend Tiere umfassen“, erklärt er. Besonders wenn ein Haus noch über Rollladenkästen älterer Bauart verfüge, könne es passieren, dass sich die Wespen durch diese Kästen nagen, um dort ihr Nest zu bauen. Auch ist es schon vorgekommen, das Maresch zu einem Hausbesitzer gerufen wurde, bei dem sich ein Wespennest in einer Dachschräge über einer Rigipsplatte fand. Solche großen Nester produzieren „eine ganze Menge an Ausscheidungen, so dass es zu starken Geruchsbelästigungen kommen kann“, erklärt Maresch: „Es erscheint ein dunkler Fleck an der Decke oder am Rollladenkasten, es tropfen Kot und Urin heraus.“ Dass wiederum locke Fliegen- und Käferlarven an.

Guter Rat ist dann teuer: „Aus einem Rollladenkasten lassen sich Wespennester nicht umsiedeln“, betont Maresch: „Sie sind so fragil, dass sie zerbrechen. Hier kommt also nur eine Abtötung infrage.“ Da hier Gifte verwendet werden müssen, sollte das ein Experte übernehmen.

Vermieter müssen Nester gegebenenfalls beseitigen

Entgegen mancher Überzeugung schreitet laut Maresch die Feuerwehr nur dann ein, „wenn etwa öffentliche Plätze betroffen sind und Gefahr im Verzug ist“. Die Grillparty im Garten mit dem Erdwespennest falle nicht unter diese Kategorie. „Wenn in Bonn an Gehwegen mit Grünflächen ein Wespennest auftaucht, kann man das Ordnungsamt kontaktieren“, ergänzt Klaus Maresch.

Der Eigentümerverband Haus & Grund weist in dem Zusammenhang darauf hin, dass Mieter von ihren Vermietern die Beseitigung von Wespennestern auf dem Balkon verlangen können. Eine Beeinträchtigung des Balkons müsse dafür allerdings gegeben sein.

Von Eigeninitiative beim Vorgehen gegen Wespen hält Maresch wenig: „Das versetzt die Nester oft nur in Alarmbereitschaft. Eine Wespenkolonie kann man nicht zu einem Umzug veranlassen, wohl aber dazu, schon bei geringsten und vermeintlichen Störungen aggressiv zu reagieren.

Im Umgang mit Hornissen ist nach Auskunft des Bonner Experten besondere Rücksicht geboten: „Die Insekten stehen unter Naturschutz, und ihre Nester dürfen nur mit Sondergenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde umgesiedelt werden.“ Da die Waben recht stabil seien, falle es einem Fachmann nicht schwer, diese aufzunehmen und an einem anderen Ort wieder aufzustellen: „Die Arbeiterinnen werden vorher ins Nest gesetzt und die Kolonie kann so weiterleben“, führt er aus. Für Hornissen gelte ohnehin, „dass sie sehr friedlich sind“.

Was Maresch dem Niederbachemer Hausbesitzer zur Behebung seiner Wespenplage rät? „Ein Fachmann sollte erst einmal genau bestimmen, um welche Insekten es sich handelt.“ Erst dann könne man handeln – oder im Falle, dass es sich um friedlichen Wespen handelt, bis zum Herbst abwarten: „Dann sterben die Völker ohnehin.“

Infos: Wer Rat im Umgang mit Wespen sucht, den berät Klaus Maresch gern ehrenamtlich. Weitere Infos unter https://bundesbienen.info oder beim Nabu unter www.nabu.de.

Wespennester im Küchenschrank und an der Gardinenstange im Wohnzimmer

HONIGHÄUSCHEN (BONN) – Als Imker erlebt man gelegentlich kuriose Dinge, wenn man einen Anruf bekommt, in dem es um Wespennester geht und um Hilfe gebeten wird. Meistens geht es um einen ausgebüxten Bienenschwarm, nicht selten aber auch um Wespen. Als Imker hilft und berät man in solchen Fällen. Ein älterer Herr rief an und bat um Hilfe. Er hätte da etwas im Küchenschrank beim Aufräumen entdeckt und traute sich da nicht so recht ran. Wir vereinbarten einen Termin und ich fuhr auf den Venusberg, einen Ortsteil von Bonn.

Zwei Wespennester im Küchenschrank

Nicht nur ein Wespennest im Küchenschrank, der Hausbsesitzer konnte gleich zwei Wespennester im Schrank zeigen (Foto: Honighäuschen)

Dort erwartete mich ein hoch in den 80ern stehender Mann, der nicht mehr das ganze Haus bewohnte und sich auf die erste Etage beschränkte. Im Erdgeschoß gab es eine unbenutzte Küche, und der Anrufer hatte bei der Suche nach einem Bügeleisen den Küchenschrank geöffnet. Dieser Küchenschrank stand vor einer Lüftung, die nach außen ging und durch diese Lüftungsöffnung waren Wespen eingezogen.
Gleich zwei Wespennester der Deutschen Wespe teilten sich den Küchenschrank und hatten begonnen, um die im Schrank aufbewahrten Bügeleisen herum ihre Nester zu bauen. Sehr malerisch und dekorativ anzusehen, aber für den Hausbesitzer nicht unbedingt attraktiv.

Ein Wespennest an der Gardinenstange im Wohnzimmer

Ein Wespennest der Sächsischen Wespe in einer Gardine (Foto: Honighäuschen)

Wo ich dann schon einmal im Haus war, bat mich der alte Herr, auch einmal einen Blick in die anderen Räume zu werfen und auch da fand ich Wespen. Der Hauseigentümer war ein großer Freund von Frischluft und hatte im Wohnzimmer das Fenster zum Garten gekippt offen stehen. Schon seit Wochen, denn er war nicht mehr so ganz gut zu Fuß und bewegte sich nicht mehr, als es unbedingt nötig war.
An der Gardinenstange hatte sich eine Kolonie der Sächsischen Wespe gebildet, die ansonsten auch gern auf Dachböden lebt. Harmlos und friedlich, die Nester dieser Wespen erreichen selten mehr als Kinderkopfgröße und auch hier war die Endphase schon erreicht. Es tummelten sich bereits junge Königinnen auf der Oberfläche des Wespennestes, was ein Zeichen für das beginnende Absterben ist. Denn die Aufzucht der Folgegeneration für das nächste Jahr dient dem Arterhalt der Sächsischen Wespe und der Arterhalt ist das Ziel.

Hornisseninvasion? Was ist bloß mit der guten alten ZEIT los?

Wir Imker wundern uns schon länger, im Winter erschien in der einstmals als Hort der Intellektuellen bekannten ZEIT ein Artikel, der die Bedenken der Imker angesichts der Grünen Gentechnik ins Lächerliche stellte und süffisant sowie Tatsachen verdrehend den als Spezialität geschätzten Wald- und Tannenhonig aus bayerischen Wäldern als „von an den Hintern der Läuse nuckelnden Bienen“ entstanden beschreibt.

Vor einiger Zeit erschien in der Redaktion Wissen von ZEIT Online ein weiterer Artikel, nach dessen Lektüre man sich nicht nur als Imker zu Recht fragen muß, ob in dieser Redaktion fachlich versierte, von den Naturwissenschaften angehauchte Redakteure ihrem Handwerk nachgehen.

Die Bioinvasion

Eine Hornisse im Flugloch des Nistkastens behält die Umgebung des Nestes im Blick

Unter der Überschrift „Bioinvasion – Stich in die Wabe“ erschien am 22. Februar ein Artikel, der wahre Horrorszenarien in Frankreich skizzierte und in seiner Schlußaussage sogar meint, vor einem Urlaub in Frankreich warnen zu müssen.

Doch der Reihe nach. Tatsächlich ist seit einigen Jahren im Südwesten Frankreichs das Vorkommen der asiatischen Hornisse Vespa velutina dokumentiert, die aus Asien eingeschleppt wurde. Das Klima in ihrer natürlichen Heimat ist dem mitteleuropäischen Klima ähnlich und so konnte sich Vespa velutina parallel zur europäischen Hornisse Vespa crabro etablieren und ausbreiten. Übrigens, liebe Zeit-Redaktion, die europäische Hornisse hört auf den Namen Vespa crabro und nicht Vespa cabra – Frank Capra hat bei unseren Hornissen keineswegs Pate gestanden, fragen Sie mal im Feuilleton nach, wer das war…
Und es geht munter weiter mit der Tatsachenverdrehung und oberflächlichen Recherche. Die „orientalischen Viecher“ (Vespa velutina) werden verglichen mit der einheimischen, auch in Deutschland bekannten Hornisse Vespa crabro und sollen riesig sein, mit Flügelspannweiten von sieben Zentimetern und Körperlängen von bis zu fünf Zentimetern. Im Vergleich: Die nestgründenden Königinnen von Vespa crabro erreichen maximal vier Zentimeter, das Arbeitspersonal der Hornisse liegt bei um die zwei, zweieinhalb Zentimeter.

„Die überdimensionierten Velutina-Hornissen“ sind tatsächlich von der Größe her eher mit der ebenfalls in Mitteleuropa ansässigen Mittleren Wespe Dolichovespula media vergleichbar, also deutlich kleiner als die bekannte europäische Hornisse.
Da scheint die Redakteurin irgendwo im Internet recherchiert zu haben und ist über die Asiatische Riesenhornisse Vespa mandarinia gestolpert, die nun tatsächlich die Größe erreicht, die sie den „orientalischen Viechern“ zuschreibt. Ist ja irgendwie alles dasselbe, diese Viecher. Bienen, Hummeln, Wespen und Hornissen – die stechen eigentlich ja nur und wer braucht die eigentlich – dieser Gedankengang scheint sich durch den Artikel zu ziehen.

Panik vor Hornissenschwärmen?

Die Filialisierung ist in vollem Gange. Im Nistkasten haben die Arbeiterinnen die erste Wabe erweitert und die Königin ist eingetroffen. Erste Eier sind sichtbar. (Foto: Klaus Maresch)

Die Redakteurin schreibt dann auch sofort von der Panik vor den Riesenhornissen, die sich weit eher als die Hornissenschwärme auf dem europäischen Festland ausbreiten dürfte. Sie trägt ja auch direkt dazu bei und bezieht sich in ihrem Artikel mehrfach auf die britische Sun und den Daily Telegraph. Und auch da reibt man sich die Augen – würde sich die FAZ auf einen Artikel in der Bildzeitung berufen, um vor etwas zu warnen? Übrigens, Hornissen schwärmen auch nicht, wie es die Bienen tun. Hin und wieder zieht eine Hornissenkolonie innerhalb einer mehrwöchigen Phase aus Platzgründen um, um an anderer Stelle ein neues Nest zu bauen. Aber Schwärme wie bei den Bienen, wo mehrere zehntausend Arbeiterinnen mit einer Königin ausziehen, um an anderer Stelle eine weitere Kolonie zu gründen, gibt es bei Hornissen nicht.
Aber schauen wir uns diesen Artikel über „die überdimensionierten Velutina-Hornissen“ weiter an. Die Redakteurin schreibt die Ausbreitung der Vespa velutina ihrer Lieblingsspeise zu, den in der französischen Region Aquitanien reichlich vorkommenden Honigbienen und da heißt es dann auch gleich: „…, schafft es eine Handvoll der Riesenhornissen doch, einen Bienenstock mit vielen Tausend Honigproduzenten innerhalb kürzester Zeit zu vernichten.“ Auch hier wieder nur oberflächlich recherchiert und ein bekanntes Verhalten der Vespa mandarinia einfach auf die viel kleinere Vespa velutina übertragen. Stimmt so leider nicht und auch die französischen Imker wissen nichts davon. Da ist es doch gut, wenn die ZEIT den wißbegierigen Leser und unwissenden Imker aufklärt. Ohne die ZEIT hätte man gar nichts von der Gefahr erfahren, in der harmlose Touristen und französische Bienen schweben. Tatsächlich ist es so, daß gelegentlich Arbeiterinnen der Vespa velutina vor Bienenstöcken lauern und die eine oder andere Honigbiene jagen. Das macht auch unsere einheimische Hornisse und richtet keinen größeren Schaden an. Den Schaden, den die organisierte Landwirtschaft mit ihren Pestiziden an unseren Bienen anrichtet, da kommt eh keine Hornisse mit. Aber das ist ein anderes Thema.

Hornissen sind harmlos

Wir Imker schätzen die einheimische Hornisse auch schon eher dahingehend, daß sie eben auch auf die manchmal lästigen kleineren Wespenarten Jagd macht, die den Bienen übrigens genauso auf den Wecker gehen wie frühstückenden Garten- und Balkonbesitzern.
Beim Jagen zeigt Vespa velutina sogar ein Revierverhalten, d.h. es werden keine weiteren Jäger der Vespa velutina im Revier des gerade jagenden „orientalischen Vieches“ geduldet. Von koordinierten Angriffen, wie es die Imker in Korea und Japan von der Asiatischen Riesenhornisse kennen, ist bei der Vespa velutina nichts bekannt. Anscheinend weiß die Redakteurin da mehr als Vespa velutina…

Panikmache bei Frankreichurlaubern
Aber die Redakteurin stößt noch tiefer ins Horn der Panikmache, denn 85 fußballgroße Nester hat der französische Entomologe Jean Haxaire auf einer 40 Meilen Strecke zwischen Marmande und Podensac gefunden. Daraufhin folgert sie auch gleich, daß es in ganz Aquitanien Tausende Kolonien sein müssen.
Es mag eine Überraschung sein, aber in Deutschland braucht es keine 40 Meilen, um 85 Wespennester zu finden. Eine Umfrage unter deutschen Hausbesitzern in einer mittleren Großstadt wie Bonn mit der Bitte, im Spätherbst einen Blick auf den Dachboden, in Rolladenkästen und Mauselöcher zu werfen, wird Hunderte von Nestern verschiedener Wespenarten zutage fördern. Darunter solche der Deutschen und der Gemeinen Wespe, die deutlich größere Kolonien als V. velutina bilden können mit bis zu zehntausend Tieren. Ihnen allen gemeinsam ist es, daß die Nester zum Winter hin aussterben, zum einen aufgrund der Kälte, zum anderen aufgrund mangelnder Nahrung und weil die nestgründende Köngin stirbt. Mehrjährige Kolonien verschleppter Wespenarten sind nur aus Neuseeland und einigen US-Bundesstaaten bekannt, wo es in manchen Regionen ein sehr mildes Klima samt ganzjährigem und ausreichendem Nahrungsangebot gibt.

In ihrem Schlußabsatz gibt die Redakteurin den Rat, sich gründlich über das richtige Verhalten gegenüber Bienen und Hornissen zu informieren. Dafür gibt es Imker – vielleicht hätte sie vor dem Verfassen dieses Artikels mal einen Imker kontaktieren sollen und nicht die Sun. Und die Redakteurin fordert auf, das eigene Gepäck sorgfältig zu durchsuchen – schließlich wären wir Imker über eine eingeschleppte Hornissenplage kaum erfreut. Nun ja, aufgrund der Klimabedingungen in ihrer Heimat wird sich Vespa velutina irgendwann in den nächsten Jahren auch in Deutschland problemlos etablieren können. Auch hier wieder ein künstlich aufgebauter Zusammenhang mit dem Klimawandel, der so nicht stimmt. Vespa velutina braucht den Klimawandel nicht, um sich in Frankreich/Spanien und Deutschland etablieren zu können. Vespa mandarinia könnte hier übrigens auch überleben, diese nun wirklich auch für Bienen gefährlichere Großwespe überdauert die kalte, schneereiche Zeit des japanischen Winters als überwinternde Königin im frostsicheren Erdquartier (wie unsere Wespen und Hornissen)

Aber wir Imker haben nicht wirklich Angst davor, daß Vespa velutina eine Gefahr für unsere Honigbienen darstellt. Eher machen wir uns Sorgen über schlecht recherchierte und die Panik vor Bienen und Hornissen anheizende Beiträge oder über tendenziöse Artikel, die die Risiken der Grünen Gentechnik für unsere Bienen schönreden. Und das, was die Landwirtschaft mit ihren Pestiziden und Monokulturen bei unseren Bienen (und deren Verwandten) anrichtet, schafft noch nicht einmal die asiatische Riesenhornisse Vespa mandarinia japonica…
Liebe Urlauber, fahrt in Ruhe nach Frankreich und genießt die wunderschöne Natur mit ihren Lavendelfeldern samt Bienen und Hornissen. Ein größeres Risiko als in Deutschland im eigenen Garten oder Biergarten von einer Biene, Wespe oder Hornisse gestochen zu werden, besteht auch in Frankreich nicht.

In eigener Sache
Unseren Bienenstand auf dem Drachenfels mit seinen 25 Bienenvölkern und Hornissenkolonien besuchen jährlich Tausende Touristen, Wanderer und Naturfreunde. In 5 Jahren konnten bei Führungen, d.h. direkter Kontakt mit den etwa 1,2 Millionen Bienen dieses Standes, insgesamt 12 Stiche bei Besuchern verzeichnet werden. Sogar Allergiker dürfen und sollen diese Harmlosigkeit der Bienen erleben, denn die – wenn auch aufgrund der Allergie – berechtigte Angst vor einem Stich macht es nur schlimmer.
Dafür haben wir im Spätsommer Besucherschlangen an einem lebenden Hornissennest, welches sich problemlos bis ins Nestinnere fotographieren läßt – noch nie gab es Attacken – nur aufmerksame Mütter (Hornissenarbeiterinnen), die dem natürlichen Instinkt jeder Mutter folgten, die ihren Nachwuchs beschützen will. Und wer sich einer solchen Kinderstube mit Respekt und mit friedlichen Absichten nähert, hat in den seltensten Fällen mit Sanktionen zu rechnen.

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