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Hilfe, eine riesige Hornisse baut bei mir

Eine Hornissenkönigin auf der Hand

Es ist Mai und der Frühling verlief aus Sicht einer aus der Überwinterung erwachenden “riesigen” Hornisse, d.h. Hornissenkönigin, recht gut. Das Nahrungsangebot ist gut, es gibt keine größeren Temperaturstürze oder wirklich schweren Unwetter. Somit sind viele junge Königinnen der verschiedenen Wespenarten unterwegs, darunter eben auch Hornissen.

In diesen Tagen bekomme ich einiges an hilfesuchenden Anrufen und auch wenn es unsere Imkerei nicht mehr gibt, so sind die Erfahrungen aus mehr als 30 Jahren Umgang mit Bienen, Wespen und Hornissen natürlich weiterhin da und werden an hilfesuchende Haus- und Gartenbesitzer weitergegeben.

Gestern gab es einen Anruf, dessen Gesprächsverlauf gut geeignet ist, um ein paar Ratschläge zu geben. Folgende Situation wurde geschildet. Ein selbstgebauter Nistkasten mit einem recht großen Einflugloch für stand auf dem Kaninchenstall der Kinder. Etwa in Kopfhöhe der Hausbewohner und man hatte eine riesige Hornisse beobachtet, die im Kasten begonnen hatte, ein kleines Nest zu errichten. Die Anruferin wollte wissen, was zu tun sei. Sie war nicht wirklich aufgeregt oder panisch – auch das erlebe ich bei solchen Anrufen – sondern wollte sich nur informieren.

Wie geht man mit Hornissen um?

Eine Hornissenkönigin am Eingang eines Nistkastens für Hornissen im Bundesamt für magische Wesen in Bonn
Eine Hornissenkönigin am Eingang eines Nistkastens für Hornissen im Bundesamt für magische Wesen in Bonn

Zunächst einmal etwas zur Beruhigung. In dieser frühen Phase stellt kein Hornissennest eine Gefahr dar. Die Hornissenkönigin greift nicht an, das habe ich in meiner gesamten Zeit, in der ich als Imker tätig war, und auch Umsiedlungen von Hornissennestern vornahm, niemals erlebt. Sie baut am Dach des Nistkastens einen kleinen Stiel, an dessen Ende ein paar Zellen errichtet werden und in diese Zellen legt die Hornissenkönigin ein paar Eier. Alsbald beginnt sie, eine Schutzhülle zu errichten, die von oben nach unten wächst und in etwa Form und Größe eines Tennisballs erreicht. Dazu schafft sie zerkautes Holz heran, welches sie zu dieser Hülle verarbeitet.

Sobald die Eier schlüpfen, geht sie auf die Jagd und erbeutet Insekten, deren Fleisch sie an ihre hungrige Brut verfüttert. Hausbau, Brutpflege und Jagd sind anstrengend – wir haben es hier mit einer alleinerziehenden Mutter in Gestalt einer Hornissenkönigin zu tun. Zwischendurch nimmt sie einen Imbiß, und zwar in Form süßer Pflanzensäfte.

Die ersten Hornissen schlüpfen

Geschlüpfte Hornissen auf einer Wabe, aufgenommen bei einer Umsiedlung
Geschlüpfte Hornissen auf einer Wabe, aufgenommen bei einer Umsiedlung

Wenn die ersten Hornissenarbeiterinnen schlüpfen, geht die Gründerin der Kolonie nicht mehr auf die Jagd, sondern überläßt Brutpflege und Nestbau den nachwachsenden Arbeiterinnen. Sollte es sich, wie im Fall der Anruferin, beim Nistplatz um einen häufig benutzen Platz handeln, z.B. eine Gartenterrasse, ein Kinderspielplatz oder eine sonstige Fläche, auf der er es zu Erschütterungen kommt, beispielsweise durch Fußball spielende Kinder, durch Jogger oder durch Reiningungsarbeiten am Kaninchenstall wie auch durch Erschütterungen durch eine zufallende Tür eines Gartenhäuschens, so sind das gute Gründe, die für eine Umseidlung des Hornissennestes sprechen.

Hornissen gewöhnen sich durchaus daran, dass sie einen Garten nicht allein benutzen und greifen von sich aus auch nicht an. Aber Erschütterungen des Nestes mögen sie nicht und das ist aus Sicht aller Eltern verständlich. Ein Fußball, der in ein Hornissennest donnert, ist vergleichbar mit der Abrißbirne eines Baggers, die in die Hauswand eines Kinderzimmers bricht. Da wehrt sich jeder.

Zeitpunkt der Umsiedlung eines Hornissennestes

Paarung zweier Hornissen
Paarung zweier Hornissen

Mit dem Schlüpfen der ersten und zweiten Generation Arbeiterinnen, was etwa im Juni der Fall ist, hat das Hornissennest eine stabile Größe erreicht und kann nach Erteilung einer Umsiedlungsgenehmigung durch die zuständige Untere Landschaftsbehörde umgesiedelt werden. Vorsicht – das darf nur durch erfahrene Fachleute erfolgen. Es ist nicht damit getan, das Hornissennest einfach in den nächsten Wald zu bringen. Das Nest wird von allen bisherigen Nahrungsquellen abgeschnitten und kann binnen weniger Stunden verhungern, denn anders als Bienen haben Hornissen keine Vorräte im Nest. Das Hornissennest muß also gefüttert und gepflegt werden, damit es weiterleben kann.

Grundsätzliches

  • Hornissenstiche sind nicht besonders gefährlich. Sie tun weh, das ist alles. Vergessen Sie “Drei Stiche töten einen Menschen, sieben ein Pferd und zehn einen Ochsen.” Mein Maximum liegt bei 15 Stichen und ich bin kein Ochse. Ehrlich!
  • Hornissen sind gute Jäger. Sie jagen im Sommer ausschließlich Insekten. Sie wollen es frisch, also lebend erbeutet.
  • Hornissen werden beim Grillen im Garten niemals das Grillfleisch annagen. Wespen nehmen auch totes Fleisch, Hornissen nicht.
  • Erwachsene Hornissen mögen süße Säfte, z.B. aus Baumwunden oder angenagten Ästen austretenden zuckerhaltigen Pflanzensaft. Gern auch süßes bzw. leicht gäriges Obst. Das ist wie eine Ladys Night im Kino mit Prosecco – die Mädels werden leicht übermütig und machen Party.
  • Große Nester reagieren im Umfeld des Nestes mit erhöhter Aufmerksamkeit, d.h. die Wächterinnen schauen sich Besucher schon einmal näher an. Das heißt nicht, dass sie direkt stechen. Nicht danach schlagen, sie kommen mit Verstärkung wieder und die hat stichhaltige Argumente.
  • Im Einflugbereich des Nestes langsame Bewegungen ausführen. Heftige Bewegungen, durch Laufen oder Trampeln verursachte Erschütterungen versetzen ein großes Nest in Alarmbereitschaft.
  • Rasenmähen im Nahbereich eines Hornissennestes, womöglich mit einem Benzinmäher, dessen Abgase direkt auf das Einflugloch der Kolonie gehen – damit können sie austesten, wer schneller laufen bzw. fliegen kann. Keine gute Idee!
  • Hornissen sind dämmerungsaktiv, d.h. sie fliegen noch bei schwachem Tageslicht, und auch in sehr hellen Nächten. Durch das abstrahlende Licht von Hauslaternen können sie in ihrer Orientierung beeinträchtigt werden und landen dann in den Wohnräumen. Tipp: Licht ausschalten, Fenster weit auf, dann fleigt die Hornisse von allein wieder weg.
  • Hornissen stehen streng unter Artenschutz. Laien haben die Finger von Hornissen zu lassen. Isso! Und wenn es zehn Mal Ihr Haus und ihr Garten ist.

Haben Sie Fragen oder brauchen Hilfe?

Telefonisch können Sie mich im Büro erreichen 0228 96757883. “Hausbesuche” kann ich nicht jedes Mal machen, aber gewöhnlich läßt sich während eines Gespräches eine Lösung finden, wenn man als Hausbesitzer plötzlich “glücklicher” Nachbar eines Hornissennestes wird. Läßt sich keine “einvernehmliche” Lösung finden, siedle ich auch Hornissennester um.

 

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Über Klaus Maresch

Klaus Maresch
Von 1982 bis 2016 war ich als Imker tätig, zuletzt als Bioland-Berufsimker. Die Imkerei gab ich 2016 nach einer Serie von Einbrüchen auf. 2015 haben mein Mann und ich zwei junge Flüchtlinge aus dem Irak aufgenommen und der Imkereibetrieb bekam daraufhin "Besuch" von Einbrechern, die wenig Schönes anrichteten, den Betrieb zerstörten und mit Hakenkreuzen beschmierten. Seitdem schreibe ich Fantasyromane. Hier blogge ich zu diesem und jenem und stehe weiterhin für Fragen zu Bienen, Wespen und Hornissen zur Verfügung. So ganz kann man nach mehr als 30 Jahren Imkerei nicht vom Thema lassen.

2 Kommentare

  1. Claudia Kögel

    Super Infos! Habe übrigens neulich an einem blühenden Berberitzenbusch drei Hornissenköniginnen und mehrere Arbeiterinnen beim Nektarsammeln beobachtet-noch nie gesehen!

  2. Moin

    Ich bin begeisterter Hornissenfan.
    Wir hatten vor 4 Jahren ein Nest im Dachüberstand, da habe ich die großen Brummer kennen und lieben gelernt.
    Hab dann gleich einen Nistkasten gebaut und an der Stelle montiert.
    Leider blieb die Nutzung komplett aus.
    Dieses Jahr baute eine Hornisse ein Nest im Schuppen zwischen den Auflagen unserer Gartenstühle.
    Da wir es leider zu spät bemerkt haben, wurde es beim Nutzen der Auflagen heruntergeworfen.
    Es war noch ganz klein und ohne Schutzabdeckung.
    Ich habe dann den Kasten von der Wand geschraubt,den Deckel demontiert und das angefangene Nest der Hornisse mit etwas Montagekleber an den Deckel des Nistkastens geklebt.
    Den Deckel habe ich dann oben auf das Regal gelegt, ungefähr dahin wo vermutlich das Nest war.
    Die Hornisse hat es wieder angenommen.
    Dann habe ich den Deckel auf den Kasten gelegt und den Kasten auf eine Leiter gestellt.
    tagelanges Beobachten ergab dann, dass die Hornisse den Kasten nutzt.
    Heute habe ich den Kasten im Schuppen an die Wand geschraubt, nur ein kleines Stück vom vorherigen Standort entfernt.
    Jetzt hat die Hornisse ein sicheres Zuhause in unserem Schuppen, die Tür bleibt jetzt offen, damit sie es leichter hat.
    Gegen Abend habe ich dann eine zweite Königin bemerkt, die ein Nest in einem kleinen Vogelnistkasten baut.
    Da werde ich wohl auch einen größeren Kasten bauen und über den kleinen Kasten schrauben, da der ja viel zu klein ist für so ein riesiges Nest.
    Hoffentlich werden sich die Hornissen nicht gegenseitig bekriegen.
    Endlich haben wir wieder Hornissen, ich finde die sehr interessant.
    Am nahen Teich gibt es Wasser und Insekten; genug um ein großes Volk zu schaffen.

    Gruß Matthias

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