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Mit freifliegenden Hornissen im Auto auf der Autobahn

Ich bin ja des öfteren mit Hornissen im Auto unterwegs. Aber normalerweise sind die Hornissen in einer ausbruchsicheren Transportbox gut verstaut. Und so spät im Jahr nehme ich eigentlich keine Umsiedlung eines Hornissennestes in Bonn oder dem Rhein-Sieg-Kreis mehr vor.
Heute jedoch musste ich tatsächlich noch eine Umsiedlung eines Hornissennestes im Bonner Stadtteil Röttgen am Rande des Kottenforstes durchführen. Ein Nest nagte sich in der Zwischendecke durch ins Innere des Hauses, Rigips ist bekanntlich kein Hindernis für kräftige Hornissenkiefer.
Ein ziemlich starkes Hornissennest, es waren schon Drohnen und junge Königinnen zu sehen, die alte Königin lief aber auch noch im Nest herum.
Mit einem Handwerker wurde die Decke geöffnet und die Hornissen wurden mit einem umgerüsteten Staubsauger abgefangen und in eine neue Transportbox verbracht – so weit so gut. Das ganze gehörte zu einem Set, dass ich ausprobieren wollte und mir vom Hersteller empfohlen worden war.

Transport der Hornissen im Auto

Eine jugne Hornissenkönigin flog später zusammen mit anderen Hornissen im Auto herum. Sie wurde später geborgen und wieder ins Hornissennest zurückgebracht. (Foto Honighäuschen)
Eine jugne Hornissenkönigin flog später zusammen mit anderen Hornissen im Auto herum. Sie wurde später geborgen und wieder ins Hornissennest zurückgebracht. (Foto Honighäuschen)

Was eher NICHT so gut lief, war der Transport der Hornissen. Die hatten sich in Nullkommanichts durch die Absaugbox aus Pappe von Killgerm durchgenagt und flogen mir im Auto um die Nase, während ich auf der Autobahn unterwegs war.

Man krabbelte an den Scheiben hoch und runter, flog herum, stach hier und da den Fahrer – was man eben so macht als verärgerte Hornisse. Vor allem, wenn man Grund dazu hat.
 
Und dann hatte ich die Polizei da. Ein Streifenwagen fuhr auf der Höhe der Zufahrt Lengsdorf hinter mir auf die A 565 Richtung Köln.
 

Polizisten weigerten sich, die Hornissen zur Kenntnis zu nehmen

Erst hinter mir mit Blick auf die Heckscheibe mit dem Hornissengewusel und dann langsam an mir vorbeifahrend mit Blick auf die herumkrabbelnden Hornissen an den Seitenscheiben des Autos.
Sehr langsam.
Noch langsamer.
Die Beamten machte riesige Augen und ich sah die Überlegungen. Hörte förmlich die Unterhaltung im Auto.
„Halten wir den jetzt an?“
„Sach ma … Sind das Hornissen?“
„Sieht so aus?“
„Ja wer ist denn so bekloppt und fährt mit Hornissen im Auto herum?“
„So bekloppt kann doch niemand sein!“
„Eben. Und wenn niemand so bekloppt sein kann, dann sind da auch keine Hornissen im Auto und dann halten wir den auch nicht an.“
„Genau. Weiterfahren!“

Bilanz der Tour mit den Hornissen im Auto

Der Wabenbau des umgesiedelten Hornissennestes mußte mit Stützstreben versehen werden. (Foto: Honighäuschen)

5 Hornissenstiche (Kopf, Arme, Hand) später, 15 min Fahrt und zu Hause angekommen. Zweiten Staubsauger geholt, die Nachbarn beruhigt. die verärgerten Hornissen eingefangen, das umgesiedelten Hornissennest im Kasten einlogiert, mit Futter versorgt und für heute reicht es mir wirklich.

Das war hoffentlich die allerletzte Umsiedlung eines Hornissennestes in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis in diesem Jahr…

Feuerwehr Dresden: Mehrere Personen kollabieren nach Stich von Hornissen

Insgesamt acht Personen wurden heute im Großen Garten von mehreren Hornissen gestochen und erlitten dabei zum Teil schwere allergische Schocks. Der Integrierten Regionalleitstelle Dresden (IRLS) wurde über den Notruf 112 gemeldet, dass mehrere Personen von Hornissen gestochen wurden und bereits drei Personen kollabiert waren.

Schock nach Hornissenstichen

Eine Hornisse bewacht den Eingang des Nistkastens.

Da von einer größeren Anzahl an Betroffenen ausgegangen werden musste, alarmierte die IRLS nach dem Einsatzplan MANV-1. Damit wurde eine größere Zahl an Kräften und Mitteln alarmiert, um unverzüglich erhöhte Transportkapazitäten für vital bedrohte Personen zur Verfügung zu stellen. Nachdem die Einsatzstelle gesichert und die Patienten gesichtet wurden, erfolgte durch den Organisatorischen Leiter Rettungsdienst die Koordination des Transportes von einer Patientin und zwei Patienten mit vitaler Bedrohung ins Krankenhaus.

Bei zwei weiteren Patientinnen stellte sich eine allergische Reaktion auf die Hornissenstiche erst nach einiger Zeit ein, so dass diese ebenfalls noch vor Ort notärztlich versorgt werden mussten und im Anschluss in ein Krankenhaus gebracht wurden. Ein ca. 4-jähriger Junge sowie eine Frau und ein Mann wurden ebenfalls in umliegende Krankenhäuser transportiert.

Nach Rücksprache mit der zuständigen Naturschutzbehörde wurde der Bereich um den betroffenen Baum durch die Feuerwehr im Umkreis von 20 Metern abgesperrt und Hinweisschilder aufgehangen. Zu diesem Einsatz wurden insgesamt 60 Einsatzkräfte der Feuer- und Rettungswachen Striesen, Löbtau und Altstadt, der Rettungswachen Johannstadt und Friedrichstadt, der A-Dienst, der B-Dienst, der Organisatorische Leiter Rettungsdienst, der Leitende Notarzt sowie das Kriseninterventionsteam alarmiert.

Quelle: Presseportal

Zwei Wespenarten sorgen für einen schlechten Ruf

Ein Wespennest einer der beiden problematischer Wespenarten in der Kindertagesstätte Ennertzwerge in Bonn (Foto: Klaus Maresch))

Leipzig (AFP) – Ein Wespennest im Rollladen, auf dem Dachboden oder in der Erde empfinden viele Menschen als störend oder bedrohlich. Manche versuchen, die Nester der in Deutschland vorkommenden Wespenarten selbst auszuräuchern, was jüngst im rheinland-pfälzischen Germersheim und im thüringischen Hundeshagen Dachstuhlbrände zur Folge hatte. Oder sie rufen die Feuerwehr, um Wespen- oder Hornissennester entfernen zu lassen. Doch die Feuerwehr schreitet nur in Ausnahmefällen ein. Wespen und Hornissen stehen unter Schutz. Fragen und Antworten:

SIND ALLE WESPENARTEN GEFÄHRLICH?

Nein. Allerdings wird der Nestbereich von den Insekten verteidigt, notfalls durch Stechen. Für den Menschen problematisch sind in Deutschland dem Umweltverband Nabu zufolge eigentlich nur zwei Arten – die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Sie brachten den Wespen den schlechten Ruf überhaupt erst ein. Denn sie tummeln sich gern dort, wo es Leckerbissen gibt wie Grillfleisch und Wurst sowie Eis oder andere zuckersüße Sachen.

Weil die Wespen aufdringlich sind und Menschen meist hektisch umfliegen, werden sie als aggressiv empfunden. Dabei wollen die Wespen aller Wespenarten eigentlich nur scharf sehen und sind weder aufgeregt noch stechlustig. Die Tiere sehen auf kurze Entfernungen schlecht und kompensieren das durch hohe Fluggeschwindigkeit. Weder ein Herumfuchteln noch Wegpusten der Tiere ist ratsam: Das im Atem enthaltene Kohlendioxid gilt im Wespennest als Alarmsignal.

WIE UNTERSCHEIDEN SICH DIE NESTER?

Ein Nest der harmlosen und recht friedlichen Mittleren Wespe (Foto: Klaus Maresch)

Die Nester der harmloseren Wespen sind dem Umweltverband BUND zufolge meistens grau, frei hängend, bis fußballgroß oder im Fall der Feldwespen offen gebaut. Ab Mitte August sind die Behausungen zumeist verlassen. Die Nester der beiden aggressiveren Arten bestehen aus muschelförmig aufgebauten Lufttaschen und sind hellbraun oder grau. Sie können bis in den Winter besiedelt sein.

KANN DIE FEUERWEHR WESPENNESTER ENTFERNEN?

Grundsätzlich sind die Feuerwehren dafür nicht zuständig. Ein Einsatz ist nur im Ausnahmefall möglich, wenn eine ausdrückliche Gefahr für Leib und Leben oder die öffentliche Sicherheit besteht. Das betrifft zum Beispiel Krankenhäuser, Kindergärten und Altenheime.

Der Bekämpfung störender Nester aller Wespenarten sind zudem Grenzen gesetzt, denn Wespen sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Ihr Nest darf nicht zerstört werden. Außerdem stehen bestimmte Wespenarten wie die Hornisse unter einem besonderen Schutz.

WER SIEDELT EIN NEST UM?
Nicht nur ein Wespennest im Küchenschrank, der Hausbsesitzer konnte gleich zwei Wespennester im Schrank zeigen (Foto: Honighäuschen)

Betroffene wenden sich am besten an Umweltämter, die Naturschutzbehörden der Städte und Landkreise, an örtliche Naturschutzorganisationen oder professionelle Schädlingsbekämpfer. Für eine giftfreie Umsiedlung werden die Tiere in einem Fangkasten eingesaugt, das Nest wird abgeschnitten und beides weit entfernt wieder zusammengeführt. Je nach Aufwand sind für das Beseitigen eines Wespennests nach Angaben von Verbraucherexperten Preise zwischen 80 und 150 Euro üblich.

BLEIBEN DIE WESPEN IM NEST?

Nein. Im Herbst hat sich das Problem meist von selbst erledigt. Die Wespen aller Wespenarten überwintern als Einzeltiere und geben ihr altes Nest auf, um im Frühjahr ein neues zu gründen. Wespen besiedeln laut BUND übrigens keine verlassenen Nester und bauen auch keine neuen in unmittelbarer Nachbarschaft eines alten. Deshalb rät der Umweltverband, verlassene Wespennester hängen zu lassen.

hex/cha

© Agence France-Presse

Hornissennest in der KiTa St. Margareta in Königswinter

HONIGHÄUSCHEN (BONN) – Ein Hornissennest in einer Kindertagesstätte löst neben dem Ruf nach sofortiger Umsiedlung des Hornissenestes normalerweise – und ich kenne einige Beispiele aus meiner Laufbahn als Imker – Panik und Entsetzen bei den Eltern der Kinder aus. Schließlich gelten Hornissen bei manchen Leuten immer noch als supergefährlich und angriffslustig. Im Fall der Kindertagesstätte St. Margareta war das nicht so. Dort hatte sich ein Hornissennest im Eingangsbereich im Dach der Kindertagesstätte Sankt Margareta niedergelassen und lange Zeit sahen Kinder, Eltern und die Pädagoginnen dem Treiben der an- und abfliegenden Hornissen zu. Zu Stichen oder Attacken war es bisher nicht gekommen.

Das Kita-Team um Sabine Klein hatte sich über Hornissen informiert, die Eltern beruhigt und den Kindern beigracht, dass die Hornissen eigentlich ganz nett sind, wenn man sie nicht ärgert.

Die Umsiedlung des Hornissennestes

Aber mit fortschreitender Jahreszeit wurde das Nest immer größer und der Flugverkehr der Hornissen nahm zu. Die Hornissen flogen in einer Höhe von etwa zwei bis drei Metern über die Köpfe der Kinder Auch wenn bisher nichts passiert war, wurde es den Kindergärtnerinnen der KiTa St. Margareta doch leicht mulmig, denn das Hornissennest hatte seinen Eingang genau neben dem Haupteingang des Kindergartens. Eine gewisse Kollisionsgefahr existierte und bei einem Vor-Ort-Termin wurde in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde des Rhein-Sieg-Kreises entschieden, eine Umsiedlung des Hornissennestes durchzuführen.

Ein Dachdecker öffnete das Dach, und nachdem die etwa 50 – 60 flug- und verteidigungsfähigen Arbeiterinnen eingefangen worden waren, konnte das Nest geborgen werden. Es wurde in einem mitgebrachten Nistkasten untergebracht und für etwa 24 h am alten Ort belassen. Vor der eigentlichen Umsiedlung konnten die Hornissen sich so an ihren neuen Nistkasten gewöhnen und mit der Reparatur der Schutzhülle beginnen.

Am späten Abend des Folgetages, es war der 23. August 2019, fand dann die endgültige Umsiedlung statt. Der Nistkasten mit dem Hornissennest wurde abgeholt und im Garten des Bundesamtes für magische Wesen aufgestellt. Das Hornissennest hat sich dort noch wunderbar entwickelt, zahlreiche Drohnen und junge Königinnen hervorgebracht und somit seinen Zweck erfüllt.

Verbraucherschützer warnen – Firmen betreiben Abzocke mit Entfernen von Wespennestern

Ein Wespennest der Sächsischen Wespe in einer Gardine (Foto: Honighäuschen)

Ein Wespennest im eigenen Haus. Für viele eine Horrorvorstellung, die sie schnell beheben wollen. Verbraucherschützer warnen jedoch vor Haustür-Abzocke durch unseriöse Schädlingsbekämpfer.

Kaum sitzt man in diesem Sommer draußen bei Kaffee und Kuchen oder Grillgut, sind die Wespen gleich scharenweise zur Stelle. Werden die Lebensmittel weggeräumt, verschwinden auch die Insekten – zumindest meistens. Sollte das nicht der Fall sein, ist der Verdacht groß, dass sich Wespen in der Nähe ein Nest gebaut haben.

Verbraucherschützer warnen vor Wucherpreisen

Für Betroffene heißt es dann, schnell handeln und das Insektenhaus beseitigen. Es lohnt sich aber, bei der Wahl des Dienstleisters genauer hinzusehen. Die Verbraucherzentrale NRW warnt aktuell vor „laienhaft arbeitenden Notdiensten“, die versuchen, Kunden an der Haustür abzuzocken. Liegt der Preis für das Umsiedeln oder Abtöten von Wespen meist zwischen 80 und 150 Euro, verlangen Betrüger oft mehrere hundert Euro. Folgende Punkte sollten Sie deshalb beachten, um nicht Opfer einer Haustür-Abzocke zu werden:

  • Nur Anbieter mit Festnetznummer aus Ihrer Region, keine Anbieter mit 0800-Nummer oder ausschließlich Handynummer
  • Impressum auf Internetseiten zeigt den tatsächlichen Sitz der Firma
  • Notrufnummern in Ruhe im Vorfeld recherchieren
  • Niemals sofort zahlen; es gibt ein Recht, die Rechnung zu überprüfen
  • Profis stören oder töten Wildtiere nicht unbegründet und arbeitet mit Naturschutzbehörden zusammen

Michael Falkner, langjähriger Schädlingsbekämpfer aus Bonn, rät außerdem, immer im Vorfeld nach dem Preis für die Entfernung zu fragen. „Viele Betroffene wollen nur schnell die Nest loswerden und spielen damit den Abzockern in die Hände“, so Falkner. Ein professioneller Schädlingsbekämpfer sei auch immer an einer umfangreichen Beratung zu erkennen. Anbieter, die ohne Erklärungen an die Arbeit gingen ohne zu überprüfen, ob es sich eventuell um eine geschützte Insektenart handelt, seien oft Abzocker.

Seit Jahren haben Verbraucherschützer unseriöse Anbieter und deren Praktiken im Visier. Besonders die hohe Nachfrage in diesem Sommer begünstige die Arbeit solcher Firmen. Falkner warnt davor, beim Anblick eines Wespen- oder Hornissennests in Panik zu verfallen und den erstbesten Dienstleister zu beauftragen. Wenn ein Anbieter schon am Telefon darauf dränge, schnell vorbeizukommen, ohne Nachfragen zu den Insekten und dem Ort des Nestes zu stellen, sei das ein guter Hinweis auf eine Abzockerbande. „Wer aber ganz sicher gehen will, kann auch immer nach einem Sachkundenachweis fragen, der Auskunft über die Qualifikation des Schädlingsbekämpfers gibt“, so Falkner. Allerdings sei die Nachfrage zurzeit hoch: „Aktuell muss ich Kunden schon drei Wochen vertrösten, bevor wir einen Auftrag annehmen können“, so Falkner.

Ohne Not Wespennester entfernen ist verboten

Denn es gilt: Ein Wespennest darf niemals eigenhändig entfernt werden. Klaus Maresch ist ehemaliger Bienenzüchter der Bioland Imkerei „Honighäuschen“ in Bonn und hat rund 40 Jahre Erfahrung mit Bienen, Wespen und Hornissen. „Wespen fühlen sich schnell bedrängt, wenn man dem Nest zu nahe kommt und verteidigen sich. Außerdem sind einige Arten geschützt. Eine Entfernung des Nestes ohne unmittelbare Gefahr ist deshalb verboten.“ Eine Gefahrensituation liegt in der Regel nur dann vor, wenn Allergiker oder Kindergärten betroffen sind. Ein eigenmächtiger Verstoß kann im Fall einiger besonderer Arten bis zu 50.000 Euro kosten.

Der Experte rät deshalb dazu, einen professionellen Schädlingsbekämpfer zu beauftragen, der sich das Nest anschaut. Dieser könne auch eine Einschätzung abgeben, ob eine Gefahr besteht oder nicht, denn nicht alle Wespenarten seien aggressiv, so Maresch. „Wespe ist nicht gleich Wespe. Viele Arten sind völlig friedlich. Die bekommen sie quasi gar nicht zu Gesicht. Besonders dann, wenn das Nest außer Reichweite vier bis fünf Meter über dem Balkon hängt.“ In diesen Fällen rät er dazu das Nest an Ort und Stelle zu lassen und gegebenenfalls lieber Vorsichtsmaßnahmen wie Fliegengitter zu installieren.

Mehr Wespen durch milden Frühling

Doch wie kommt es überhaupt, dass in diesem Jahr so viel mehr Wespen unterwegs sind, oder täuscht das Gefühl? Anders als oft vermutet habe es nichts mit einem zu milden Winter tun, erklärt Imker Klaus Maresch. „Durch den milden und vor allem trockenen Frühling hatten die Wespen ausgezeichnete Bedingungen und fanden ausreichend Futter um sich rasch zu vermehren.“ Während sonst viele Königinnen heftige Regenfälle oder Frost nicht überlebten, hätten sich 2018 weit mehr ein eigenes Nest gebaut und sich dort vermehrt. Auch der oft Anfang Juni einsetzende Kälteeinbruch – die sogenannte Schafskälte – blieb aus. Dabei sei die Situation in Deutschland nicht überall gleich.

Und das Problem wird auch noch einige Zeit bleiben. „Wespen sterben nur durch Frost oder heftigen Regen. Wenn ich mir da so die Wetteraussichten für die kommenden Tage und Wochen ansehe, werde ich noch einige Anrufe wegen Wespen bekommen“, scherzt Maresch. Je nach Witterung rechnet er erst im Oktober oder November mit einem spürbaren Rückgang der Wespenpopulation.

Quelle: Verbraucherschützer warnen – Firmen betreiben Abzocke mit Entfernen von Wespennestern

Hilfe, eine riesige Hornisse baut bei mir

Eine Hornissenkönigin am Eingang eines Nistkastens für Hornissen im Bundesamt für magische Wesen in Bonn

HONIGHÄUSCHEN (BONN) – Es ist Mai und der Frühling verlief aus Sicht einer aus der Überwinterung erwachenden „riesigen“ Hornisse, d.h. Hornissenkönigin, recht gut. Das Nahrungsangebot ist gut, es gibt keine größeren Temperaturstürze oder wirklich schweren Unwetter. Somit sind viele junge Königinnen der verschiedenen Wespenarten unterwegs, darunter eben auch Hornissen.

In diesen Tagen bekomme ich einiges an hilfesuchenden Anrufen und auch wenn es unsere Imkerei nicht mehr gibt, so sind die Erfahrungen aus mehr als 30 Jahren Umgang mit Bienen, Wespen und Hornissen natürlich weiterhin da und werden an hilfesuchende Haus- und Gartenbesitzer weitergegeben.

Gestern gab es einen Anruf, dessen Gesprächsverlauf gut geeignet ist, um ein paar Ratschläge zu geben. Folgende Situation wurde geschildet. Ein selbstgebauter Nistkasten mit einem recht großen Einflugloch für Vögel stand auf dem Kaninchenstall der Kinder. Etwa in Kopfhöhe der Hausbewohner und man hatte eine riesige Hornisse beobachtet, die im Kasten begonnen hatte, ein kleines Nest zu errichten. Die Anruferin wollte wissen, was zu tun sei. Sie war nicht wirklich aufgeregt oder panisch – auch das erlebe ich bei solchen Anrufen – sondern wollte sich nur über Hornissen informieren.

Wie geht man mit Hornissen um?

Zunächst einmal etwas zur Beruhigung. In dieser frühen Phase stellt kein Hornissennest eine Gefahr dar. Die Hornissenkönigin greift nicht an, das habe ich in meiner gesamten Zeit, in der ich als Imker tätig war, und auch Umsiedlungen von Hornissennestern vornahm, niemals erlebt. Sie baut am Dach des Nistkastens einen kleinen Stiel, an dessen Ende ein paar Zellen errichtet werden und in diese Zellen legt die Hornissenkönigin ein paar Eier. Alsbald beginnt sie, eine Schutzhülle zu errichten, die von oben nach unten wächst und in etwa Form und Größe eines Tennisballs erreicht. Dazu schafft sie zerkautes Holz heran, welches sie zu dieser Hülle verarbeitet.

Sobald die Eier schlüpfen, geht sie auf die Jagd und erbeutet Insekten, deren Fleisch sie an ihre hungrige Brut verfüttert. Hausbau, Brutpflege und Jagd sind anstrengend – wir haben es hier mit einer alleinerziehenden Mutter in Gestalt einer Hornissenkönigin zu tun. Zwischendurch nimmt sie einen Imbiß, und zwar in Form süßer Pflanzensäfte.

Die ersten Hornissen schlüpfen

Geschlüpfte Hornissen auf einer Wabe, aufgenommen bei einer Umsiedlung. Der Panzer frisch geschlüpfter Hornissen ist noch leicht grünlich. (Foto: Honighäuschen)

Wenn die ersten Hornissenarbeiterinnen schlüpfen, geht die Gründerin der Kolonie nicht mehr auf die Jagd, sondern überläßt Brutpflege und Nestbau den nachwachsenden Arbeiterinnen. Sollte es sich, wie im Fall der Anruferin, beim Nistplatz um einen häufig benutzen Platz handeln, z.B. eine Gartenterrasse, ein Kinderspielplatz oder eine sonstige Fläche, auf der er es zu Erschütterungen kommt, beispielsweise durch Fußball spielende Kinder, durch Jogger oder durch Reiningungsarbeiten am Kaninchenstall wie auch durch Erschütterungen durch eine zufallende Tür eines Gartenhäuschens, so sind das gute Gründe, die für eine Umsiedlung des Hornissennestes sprechen.

Hornissen gewöhnen sich durchaus daran, dass sie einen Garten nicht allein benutzen und greifen von sich aus auch nicht an. Aber Erschütterungen des Nestes mögen sie nicht und das ist aus Sicht aller Eltern verständlich. Ein Fußball, der in ein Hornissennest donnert, ist vergleichbar mit der Abrißbirne eines Baggers, die in die Hauswand eines Kinderzimmers bricht. Da wehrt sich jeder.

Zeitpunkt der Umsiedlung eines Hornissennestes

Hornissen bei der Paarung. (Foto: Honighäuschen)

Mit dem Schlüpfen der ersten und zweiten Generation Arbeiterinnen, was etwa im Juni der Fall ist, hat das Hornissennest eine stabile Größe erreicht und kann nach Erteilung einer Umsiedlungsgenehmigung durch die zuständige Untere Landschaftsbehörde umgesiedelt werden. Vorsicht – das darf nur durch erfahrene Fachleute erfolgen. Es ist nicht damit getan, das Hornissennest einfach in den nächsten Wald zu bringen. Das Nest wird von allen bisherigen Nahrungsquellen abgeschnitten und kann binnen weniger Stunden verhungern, denn anders als Bienen haben Hornissen keine Vorräte im Nest. Das Hornissennest muß also in der Anfangszeit gefüttert und gepflegt werden, damit es weiterleben kann. Solange bis es neue Nahrungsquellen erschlossen hat.

Grundsätzliches

  • Hornissenstiche sind nicht besonders gefährlich. Sie tun weh, das ist alles. Vergessen Sie „Drei Stiche einer Hornisse töten einen Menschen, sieben ein Pferd und zehn einen Ochsen.“ Mein Maximum liegt bei 15 Stichen und ich bin kein Ochse. Ehrlich!
  • Hornissen sind gute Jäger. Sie jagen im Sommer ausschließlich Insekten. Sie wollen es frisch, also lebend erbeutet.
  • Hornissen werden beim Grillen im Garten niemals das Grillfleisch annagen. Wespen nehmen auch totes Fleisch, Hornissen nicht.
  • Eine erwachsene Hornisse mag süße Säfte, z.B. aus Baumwunden oder angenagten Ästen austretenden zuckerhaltigen Pflanzensaft. Gern auch süßes bzw. leicht gäriges Obst. Das ist wie eine Ladys Night im Kino mit Prosecco – die Mädels werden leicht übermütig und machen Party.
  • Ein großes Hornissennest reagiert im Umfeld des Nestes mit erhöhter Aufmerksamkeit, d.h. die Wächterinnen schauen sich Besucher schon einmal näher an. Das heißt nicht, dass sie direkt stechen. Nicht danach schlagen, sie kommen mit Verstärkung wieder und die hat stichhaltige Argumente.
  • Im Einflugbereich des Nestes langsame Bewegungen ausführen. Heftige Bewegungen, durch Laufen oder Trampeln verursachte Erschütterungen versetzen ein großes Nest in Alarmbereitschaft.
  • Rasenmähen im Nahbereich eines Hornissennestes, womöglich mit einem Benzinmäher, dessen Abgase direkt auf das Einflugloch der Kolonie gehen – damit können sie austesten, wer schneller laufen bzw. fliegen kann. Keine gute Idee!
  • Hornissen sind dämmerungsaktiv, d.h. sie fliegen noch bei schwachem Tageslicht, und auch in sehr hellen Nächten. Durch das abstrahlende Licht von Hauslaternen können sie in ihrer Orientierung beeinträchtigt werden und landen dann in den Wohnräumen. Tipp: Licht ausschalten, Fenster weit auf, dann fliegt die Hornisse von allein wieder weg.
  • Hornissen stehen streng unter Artenschutz. Laien haben die Finger von Hornissen zu lassen. Isso! Und wenn es zehn Mal Ihr Haus und Ihr Garten ist.

Haben Sie Fragen oder brauchen Hilfe?

Telefonisch können Sie mich im Büro erreichen 0228 97638460. „Hausbesuche“ kann ich nicht jedes Mal machen, aber gewöhnlich läßt sich während eines Gespräches eine Lösung finden, wenn man als Hausbesitzer plötzlich „glücklicher“ Nachbar eines Hornissennestes wird. Läßt sich keine „einvernehmliche“ Lösung finden, siedle ich auch ein Hornissennest um. Weitere Bilder über Hornissen finden Sie in unseren Bildergalerien.

Ein Hornissennest in einem Rollladenkasten

Es gibt bessere Nistplätze für Hornissen als Rollokästen und wir halten immer Nistkästen für den Fall einer Umsiedlung parat. (Foto: Klaus Maresch)

HONIGHÄUSCHEN (BONN) – Bevor ich auf das Thema Rollladenkasten mit Hornissen eingehe, hier etwas Grundsätzliches. Hornissen sind – Sie werden es schon gemerkt haben – Insekten, für die ich eine gewisse Sympathie habe. Sie leiden einfach unter einem falschen Ruf, was daher rührt, dass man Hornissennester durchaus auch als Waffen eingesetzt hat. Ein Tonkrug mit einem Hornissennest mit einem Katapult über die Mauer gefeuert, der Krug zerplatz, die wütenden Hornissen fallen über die Umgebung her und das erste sich am Boden wälzende Opfer, dass eine allergische Reaktion hat, löst Panik aus. Das hat noch im dreißigjährigen Krieg funktioniert.
Im dritten Reich stufte man Hornissen als Forstschädlinge ein, weil sie gern süsse Pflanzensäfte trinken und dafür auch schon mal die Rinde junger Triebe annagen. Allerdings bringt das keinen Baum ums Leben.
Tatsächlich haben Hornissen eine wichtige Funktion – auch für Sie als Gartenbesitzer. Hornissen ernähren ihre Brut mit Fleisch. Aber keine Sorge, Sie können im Sommer problemlos weiter draußen grillen. Grillfleisch interessiert Hornissen überhaupt nicht, diese großen Wespen wollen es frisch und jagen deshalb kleinere Wespen, Fliegen, Schnaken und holen sogar Spinnen aus ihren Netzen. Am Tag kommt da gut und gern ein halbes Pfund Fleisch in Form von Insekten zusammen.

Nun zum Thema Hornissennest im Rollladenkasten

Blick auf Hornissenlarven in einer offenen Wabe. (Foto: Klaus Maresch)

Ein Hornissennest im Rollladenkasten ist unter Umständen ein Problem und zwar in mehrfacher Hinsicht. Hornissen sind leider wenig vorbildlich, was ihr hygienisches Verhalten betrifft. Hornissen lassen ihren Kot und Urin aus dem Hornissennest fallen. Der Mist sammelt sich unter dem Nest und bei einem Hornissennest in einem Rollladenkasten kann da einiges zusammenkommen. Den Mist, der sich unter einem Hornissennest im Rollladenkasten ansammelt, finden diverse Käfer und deren Larven ganz interessant und leben darin, was es nicht appetitlicher macht. Und natürlich entsteht eine ziemliche Geruchsbelästigung, da auch Futterreste und abgestorbene Hornissenlarven dazukommen. Es entsteht eine breiige Masse.
Beobachtungskasten um ein Hornissennest in einem Rollladenkasten. Das Nest wurde vor Ort belassen und die Bewohner konnten den Hornissen zusehen.
Um Ihrem Kopfkino noch etwas Futter zu geben, überlegen Sie einmal, wie groß der Rollladenkasten ist, wieviel Platz er den Hornissen bietet und vor allem, aus welchem Material die Abdeckung ist. Sperrholz? Rigips? Prima – für die starken Kiefer der Hornissen gar kein Problem.
Meistens ist es eine dünne Platte aus Rigips, Sperrholz oder Preßspan. Diese Abdeckung saugt sich voll, es fängt an, übel zu riechen und eventuell bricht das Nest durch die Abdeckung. Wenn die Hornissen nämlich merken, dass sich ihnen da Ausbaumöglichkeiten bieten, sorgen sie für den Ausbau und das Hornissennest im Rollladenkasten mutiert zum Hornissennest im und außerhalb des Rollladenkastens.

Wer hilft Ihnen, wenn Sie „glücklicher“ Hausbesitzer eines Hauses mit einem Rolladenkasten sind, in dem sich Hornissen niedergelassen habe?

Am Kopf kann man gut die Facettenaugen und Ocellen der Hornisse erkennen. (Foto: Honighäuschen)

Spätestens jetzt wird es Zeit, an eine einvernehmliche Lösung zu beiderseitigem Vorteil zu denken. Ist es ein Zimmer, dass Sie nicht unbedingt brauchen, kann man darüber nachdenken, einen zusätzlichen Kasten um das durchbrechende Nest zu bauen. Renovieren müssen Sie so oder so.
Oder man siedelt das Hornissennest aus dem Rollladenkasten in einen geeigneten Nistkasten um, denn Hornissen stehen unter Artenschutz und dürfen nur in Ausnahmefällen getötet oder umgesiedelt werden. Und zwar nur dann, wenn die für den Artenschutz zuständige -> Untere Landschaftsbehörde der Bundesstadt Bonn oder des-> Rhein-Sieg-Kreises ihre Zustimmung erteilt.
Sie erreichen mich unter der Telefonnummer 0151 62504962 oder im Büro des Bundeslurch Verlages unter 0228 96757883.
Abtötungen von Hornissennestern nehme ich grundsätzlich nicht vor, die Umsiedlung eines Hornissennestes hingegen schon. Weitere Bilder über Hornissen finden Sie in unserem Fotoprojekt Bundesbienen

Hornisseninvasion? Was ist bloß mit der guten alten ZEIT los?

Wir Imker wundern uns schon länger, im Winter erschien in der einstmals als Hort der Intellektuellen bekannten ZEIT ein Artikel, der die Bedenken der Imker angesichts der Grünen Gentechnik ins Lächerliche stellte und süffisant sowie Tatsachen verdrehend den als Spezialität geschätzten Wald- und Tannenhonig aus bayerischen Wäldern als „von an den Hintern der Läuse nuckelnden Bienen“ entstanden beschreibt.

Vor einiger Zeit erschien in der Redaktion Wissen von ZEIT Online ein weiterer Artikel, nach dessen Lektüre man sich nicht nur als Imker zu Recht fragen muß, ob in dieser Redaktion fachlich versierte, von den Naturwissenschaften angehauchte Redakteure ihrem Handwerk nachgehen.

Die Bioinvasion

Eine Hornisse im Flugloch des Nistkastens behält die Umgebung des Nestes im Blick

Unter der Überschrift „Bioinvasion – Stich in die Wabe“ erschien am 22. Februar ein Artikel, der wahre Horrorszenarien in Frankreich skizzierte und in seiner Schlußaussage sogar meint, vor einem Urlaub in Frankreich warnen zu müssen.

Doch der Reihe nach. Tatsächlich ist seit einigen Jahren im Südwesten Frankreichs das Vorkommen der asiatischen Hornisse Vespa velutina dokumentiert, die aus Asien eingeschleppt wurde. Das Klima in ihrer natürlichen Heimat ist dem mitteleuropäischen Klima ähnlich und so konnte sich Vespa velutina parallel zur europäischen Hornisse Vespa crabro etablieren und ausbreiten. Übrigens, liebe Zeit-Redaktion, die europäische Hornisse hört auf den Namen Vespa crabro und nicht Vespa cabra – Frank Capra hat bei unseren Hornissen keineswegs Pate gestanden, fragen Sie mal im Feuilleton nach, wer das war…
Und es geht munter weiter mit der Tatsachenverdrehung und oberflächlichen Recherche. Die „orientalischen Viecher“ (Vespa velutina) werden verglichen mit der einheimischen, auch in Deutschland bekannten Hornisse Vespa crabro und sollen riesig sein, mit Flügelspannweiten von sieben Zentimetern und Körperlängen von bis zu fünf Zentimetern. Im Vergleich: Die nestgründenden Königinnen von Vespa crabro erreichen maximal vier Zentimeter, das Arbeitspersonal der Hornisse liegt bei um die zwei, zweieinhalb Zentimeter.

„Die überdimensionierten Velutina-Hornissen“ sind tatsächlich von der Größe her eher mit der ebenfalls in Mitteleuropa ansässigen Mittleren Wespe Dolichovespula media vergleichbar, also deutlich kleiner als die bekannte europäische Hornisse.
Da scheint die Redakteurin irgendwo im Internet recherchiert zu haben und ist über die Asiatische Riesenhornisse Vespa mandarinia gestolpert, die nun tatsächlich die Größe erreicht, die sie den „orientalischen Viechern“ zuschreibt. Ist ja irgendwie alles dasselbe, diese Viecher. Bienen, Hummeln, Wespen und Hornissen – die stechen eigentlich ja nur und wer braucht die eigentlich – dieser Gedankengang scheint sich durch den Artikel zu ziehen.

Panik vor Hornissenschwärmen?

Die Filialisierung ist in vollem Gange. Im Nistkasten haben die Arbeiterinnen die erste Wabe erweitert und die Königin ist eingetroffen. Erste Eier sind sichtbar. (Foto: Klaus Maresch)

Die Redakteurin schreibt dann auch sofort von der Panik vor den Riesenhornissen, die sich weit eher als die Hornissenschwärme auf dem europäischen Festland ausbreiten dürfte. Sie trägt ja auch direkt dazu bei und bezieht sich in ihrem Artikel mehrfach auf die britische Sun und den Daily Telegraph. Und auch da reibt man sich die Augen – würde sich die FAZ auf einen Artikel in der Bildzeitung berufen, um vor etwas zu warnen? Übrigens, Hornissen schwärmen auch nicht, wie es die Bienen tun. Hin und wieder zieht eine Hornissenkolonie innerhalb einer mehrwöchigen Phase aus Platzgründen um, um an anderer Stelle ein neues Nest zu bauen. Aber Schwärme wie bei den Bienen, wo mehrere zehntausend Arbeiterinnen mit einer Königin ausziehen, um an anderer Stelle eine weitere Kolonie zu gründen, gibt es bei Hornissen nicht.
Aber schauen wir uns diesen Artikel über „die überdimensionierten Velutina-Hornissen“ weiter an. Die Redakteurin schreibt die Ausbreitung der Vespa velutina ihrer Lieblingsspeise zu, den in der französischen Region Aquitanien reichlich vorkommenden Honigbienen und da heißt es dann auch gleich: „…, schafft es eine Handvoll der Riesenhornissen doch, einen Bienenstock mit vielen Tausend Honigproduzenten innerhalb kürzester Zeit zu vernichten.“ Auch hier wieder nur oberflächlich recherchiert und ein bekanntes Verhalten der Vespa mandarinia einfach auf die viel kleinere Vespa velutina übertragen. Stimmt so leider nicht und auch die französischen Imker wissen nichts davon. Da ist es doch gut, wenn die ZEIT den wißbegierigen Leser und unwissenden Imker aufklärt. Ohne die ZEIT hätte man gar nichts von der Gefahr erfahren, in der harmlose Touristen und französische Bienen schweben. Tatsächlich ist es so, daß gelegentlich Arbeiterinnen der Vespa velutina vor Bienenstöcken lauern und die eine oder andere Honigbiene jagen. Das macht auch unsere einheimische Hornisse und richtet keinen größeren Schaden an. Den Schaden, den die organisierte Landwirtschaft mit ihren Pestiziden an unseren Bienen anrichtet, da kommt eh keine Hornisse mit. Aber das ist ein anderes Thema.

Hornissen sind harmlos

Wir Imker schätzen die einheimische Hornisse auch schon eher dahingehend, daß sie eben auch auf die manchmal lästigen kleineren Wespenarten Jagd macht, die den Bienen übrigens genauso auf den Wecker gehen wie frühstückenden Garten- und Balkonbesitzern.
Beim Jagen zeigt Vespa velutina sogar ein Revierverhalten, d.h. es werden keine weiteren Jäger der Vespa velutina im Revier des gerade jagenden „orientalischen Vieches“ geduldet. Von koordinierten Angriffen, wie es die Imker in Korea und Japan von der Asiatischen Riesenhornisse kennen, ist bei der Vespa velutina nichts bekannt. Anscheinend weiß die Redakteurin da mehr als Vespa velutina…

Panikmache bei Frankreichurlaubern
Aber die Redakteurin stößt noch tiefer ins Horn der Panikmache, denn 85 fußballgroße Nester hat der französische Entomologe Jean Haxaire auf einer 40 Meilen Strecke zwischen Marmande und Podensac gefunden. Daraufhin folgert sie auch gleich, daß es in ganz Aquitanien Tausende Kolonien sein müssen.
Es mag eine Überraschung sein, aber in Deutschland braucht es keine 40 Meilen, um 85 Wespennester zu finden. Eine Umfrage unter deutschen Hausbesitzern in einer mittleren Großstadt wie Bonn mit der Bitte, im Spätherbst einen Blick auf den Dachboden, in Rolladenkästen und Mauselöcher zu werfen, wird Hunderte von Nestern verschiedener Wespenarten zutage fördern. Darunter solche der Deutschen und der Gemeinen Wespe, die deutlich größere Kolonien als V. velutina bilden können mit bis zu zehntausend Tieren. Ihnen allen gemeinsam ist es, daß die Nester zum Winter hin aussterben, zum einen aufgrund der Kälte, zum anderen aufgrund mangelnder Nahrung und weil die nestgründende Köngin stirbt. Mehrjährige Kolonien verschleppter Wespenarten sind nur aus Neuseeland und einigen US-Bundesstaaten bekannt, wo es in manchen Regionen ein sehr mildes Klima samt ganzjährigem und ausreichendem Nahrungsangebot gibt.

In ihrem Schlußabsatz gibt die Redakteurin den Rat, sich gründlich über das richtige Verhalten gegenüber Bienen und Hornissen zu informieren. Dafür gibt es Imker – vielleicht hätte sie vor dem Verfassen dieses Artikels mal einen Imker kontaktieren sollen und nicht die Sun. Und die Redakteurin fordert auf, das eigene Gepäck sorgfältig zu durchsuchen – schließlich wären wir Imker über eine eingeschleppte Hornissenplage kaum erfreut. Nun ja, aufgrund der Klimabedingungen in ihrer Heimat wird sich Vespa velutina irgendwann in den nächsten Jahren auch in Deutschland problemlos etablieren können. Auch hier wieder ein künstlich aufgebauter Zusammenhang mit dem Klimawandel, der so nicht stimmt. Vespa velutina braucht den Klimawandel nicht, um sich in Frankreich/Spanien und Deutschland etablieren zu können. Vespa mandarinia könnte hier übrigens auch überleben, diese nun wirklich auch für Bienen gefährlichere Großwespe überdauert die kalte, schneereiche Zeit des japanischen Winters als überwinternde Königin im frostsicheren Erdquartier (wie unsere Wespen und Hornissen)

Aber wir Imker haben nicht wirklich Angst davor, daß Vespa velutina eine Gefahr für unsere Honigbienen darstellt. Eher machen wir uns Sorgen über schlecht recherchierte und die Panik vor Bienen und Hornissen anheizende Beiträge oder über tendenziöse Artikel, die die Risiken der Grünen Gentechnik für unsere Bienen schönreden. Und das, was die Landwirtschaft mit ihren Pestiziden und Monokulturen bei unseren Bienen (und deren Verwandten) anrichtet, schafft noch nicht einmal die asiatische Riesenhornisse Vespa mandarinia japonica…
Liebe Urlauber, fahrt in Ruhe nach Frankreich und genießt die wunderschöne Natur mit ihren Lavendelfeldern samt Bienen und Hornissen. Ein größeres Risiko als in Deutschland im eigenen Garten oder Biergarten von einer Biene, Wespe oder Hornisse gestochen zu werden, besteht auch in Frankreich nicht.

In eigener Sache
Unseren Bienenstand auf dem Drachenfels mit seinen 25 Bienenvölkern und Hornissenkolonien besuchen jährlich Tausende Touristen, Wanderer und Naturfreunde. In 5 Jahren konnten bei Führungen, d.h. direkter Kontakt mit den etwa 1,2 Millionen Bienen dieses Standes, insgesamt 12 Stiche bei Besuchern verzeichnet werden. Sogar Allergiker dürfen und sollen diese Harmlosigkeit der Bienen erleben, denn die – wenn auch aufgrund der Allergie – berechtigte Angst vor einem Stich macht es nur schlimmer.
Dafür haben wir im Spätsommer Besucherschlangen an einem lebenden Hornissennest, welches sich problemlos bis ins Nestinnere fotographieren läßt – noch nie gab es Attacken – nur aufmerksame Mütter (Hornissenarbeiterinnen), die dem natürlichen Instinkt jeder Mutter folgten, die ihren Nachwuchs beschützen will. Und wer sich einer solchen Kinderstube mit Respekt und mit friedlichen Absichten nähert, hat in den seltensten Fällen mit Sanktionen zu rechnen.

Filialisierung bei Hornissen

Eine Gardinenstange tut es auch während der Filialisierung eines Hornissennestes (Foto: Klaus Maresch)Über Nacht entsteht an einer Stelle ein Hornissennest, wo vorher keine Hornissen waren. Und es wächst überraschend schnell, binnen weniger Tage entstehen mehrere Waben und zahlreiche Hornissen sind aktiv.

Wenn man so etwas erlebt, und der Standort eines solchen neuen Hornissennestes kann sehr überraschend sein, hat man es mit einer Filialisierung zu tun. Hornissen sind in der Lage, einen Umzug durchzuführen, wenn es ihnen an ihrem bisherigen Standort zu eng wird.

Wie läuft eine Filialisierung bei Hornissen ab?

Das kann zum Beispiel ein Meisenkasten sein, oder auch ein Rollladenkasten. Ein Hornissennest nimmt ohne weiteres das Volumen eines Medizinballes ein, wenn es gut läuft. Ist die Königin vital, stimmt die Witterung und das Nahrungsangebot ist gut, dann schlüpfen sehr schnell und sehr viele Hornissen. Ein Meisenkasten bietet dann nicht genügend Platz.

Einige Arbeiterinnen sehen sich nach einem neuen Standort um. Im günstigsten Fall entdecken sie – wie in unserem Fall – einen bisher unbesiedelten Nistkasten für Hornissen. Ich habe aber auch schon Fälle erlebt, wo das Hornissennest an der Gardinenstange eines geöffneten Fensters entstand dort auch seine weitere Entwicklung nahm.

Zuerst tauchen einige Arbeiterinnen auf und beginnen mit dem Bau der ersten Wabe. Bald trifft die Hornissenkönigin ein und es entsteht ein reger Flugverkehr zwischen dem neuen und dem alten Standort. Im alten Nest schlüpfen nur noch die Arbeiterinnen und finden irgendwann den Weg zur Filiale. Eine Filialisierung bei Hornissen erkennt man also gut daran, dass am neuen Standort verhältnismäßig viele erwachsene Hornissen anzutreffen sind, zunächst wenig Wabenbau und die Hornissenkönigin.

Mit dem weiteren Zuzug der erwachsenen Hornissen aus dem alten Nest kommt die Filiale aber irgendwann in den normalen Rhythmus einer Hornissenkolonie. Das alte Nest ist leer und damit ist die Filialisierung abgeschlossen.

Dabei gibt es tolle Geschichten, so habe ich einmal erlebt, dass Hornissen durch das geöffnete Badefenster einflogen und am Rasierspiegel ihr Nest bauen. Ein anderes Mal kam eine Familie aus dem Urlaub zurück, man ging spätabends schlafen und blickte am nächsten Morgen entsetzt an die Decke. Dort hing ein Hornissennest, das durch Filialisierung entstanden war.

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