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Monsun: Ein lebensgefährliches und zugleich lebenswichtiges Wetterphänomen

Neu Delhi (AFP) – In Pakistan steht derzeit ein Drittel des Landes unter Wasser, mehr als tausend Menschen starben bereits in den Fluten. Ursache sind ungewöhnlich heftige Monsun-Regen in diesem Jahr. Fragen und Antworten zu einem noch nicht genau erforschtem Wetter-Phänomen, das lebenswichtig und lebensgefährlich zugleich ist:

Worum handelt es sich beim Monsun in Südasien?

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Der Asiatische Sommermonsun ist im Wesentlichen ein Seewind, der in Südasien zwischen Juni und September 70 bis 80 Prozent des jährlichen Regens bringt. Verantwortlich dafür ist die Sommerhitze, die die Landmassen des indischen Subkontinents aufwärmt. In der Folge steigt die Luft darüber nach oben und saugt dort kühlere und feuchtere Luft vom Indischen Ozean auf, so dass riesige Regenmengen entstehen.

Warum ist der Monsun wichtig?

Für die Landwirtschaft in Ländern wie Pakistan und Indien ist der Monsun entscheidend. Insofern hängen die Existenz von Millionen Bauern und deren Familien sowie die Versorgungssicherheit in der armen und dichtbevölkerten Region von ihm ab.

Wie sehr variieren die Regenfälle?

Obwohl viel zum Monsun geforscht wird, sind viele Fragen noch ungeklärt. Es lässt sich kaum vorhersagen, wo genau und wieviel Regen fallen wird, und die Regenmenge variiert beträchtlich. Während der diesjährige Monsun in Pakistan eine Sintflut verursacht hat, fielen im Osten und Nordosten Indiens Berichten zufolge im Juli die geringsten Regenmengen seit 122 Jahren.

Wodurch lassen sich die Schwankungen erklären?

Sie werden verursacht durch Veränderungen in den globalen Bedingungen in Atmosphäre und Ozeanen wie etwa das El-Niño-Phänomen im Pazifik sowie ein Phänomen namens Äquatorialindische Ozean-Oszillation (EQUINOO), das erst 2002 entdeckt wurde. Es wird vermutet, dass auch lokale Bedingungen wie aus der Sahara herangewehte Staubwolken, Luftverschmutzung und sogar Bewässerungsmaßnahmen in der Landwirtschaft das Auftreten und das Ausmaß von Monsun-Regen beeinflussen.

Was ist mit dem Klimawandel?

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In Indien ist es in den vergangenen Jahren wärmer geworden, parallel haben Zyklone zugenommen. Es ist aber unklar, wie der Klimawandel das hochkomplexe Phänomen Monsunregen beeinflusst. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) veröffentlichte vergangenes Jahr eine Studie, für die die Autoren die Veränderungen des Monsuns seit Mitte des 20. Jahrhunderts untersuchten. Demnach haben die Monsunregen an Intensität zugenommen und treten immer ungleichmäßiger auf.

Laut der Studie wurde die Entstehung von Regen durch die Verschmutzung der Luft mit sogenannten Aerosolen gehemmt. Das sind unter anderem durch Verkehrsabgase und Feuerrauch entstehende Schwebeteilchen in der Luft, die das Sonnenlicht reflektieren. Seit den 1980er Jahren führe die Erderwärmung durch den Treibhausgasausstoß aber zu stärkeren und noch schwerer vorhersehbaren Regenfällen.

Andere Untersuchungen bestätigen diesen Befund im Wesentlichen. Die 2020 veröffentlichte erste Untersuchung des Klimawandels durch die indische Regierung legt dar, dass die Monsun-Regenmenge von 1951 bis 2015 um rund sechs Prozent zurückgegangen ist. Es setzt sich demnach die Einschätzung durch, dass der Rückgang auf die Aerosol-Verschmutzung zurückzuführen sei, die der wegen der Erderwärmung zu erwartenden Zunahme der Regenmenge entgegenwirke.

Mit der weiter zunehmenden Erderwärmung und dem Rückgang der Aerosol-Verschmutzung werde die Menge des Monsunregens und die Variabilität seines Auftretens aber bis zum Ende dieses Jahrhunderts wieder zunehmen, heißt es in dem Regierungsbericht. Dies gehe mit einem „substantiellen Anstieg“ der Höchstwerte bei den täglichen Regenmengen einher.

Auf diese Weise dürfte der Klimawandel die Schäden und Opferzahlen durch den Monsun erhöhen. „Mehr Chaos beim indischen Monsunregen wird es schwieriger machen sich anzupassen“, warnte der PIK-Forscher Anders Levermann vergangenes Jahr im Gespräch mit AFP.

yb/ans

© Agence France-Presse