Landwirtschaft und Agrar

„So viel wie nötig, so wenig wie möglich“: Wie die Stadt Bonn Bäume bewässert

Durch Trockenheit und Hitze sind die Böden aktuell sehr ausgedörrt. Dieter Fuchs, Leiter des Bereichs Stadtgrün im Amt für Umwelt und Stadtgrün, erläutert das Bewässerungskonzept der Stadt Bonn. Der Fokus liegt auf Jungbäumen. Die Wurzeln alter Exemplare reichen so tief, dass hier nicht gegossen werden sollte.

Bonn – Bäume in der Stadt, Straßenbäume, Bäume in den Park- und Grünanlagen, auf Spielplätzen und Friedhöfen tragen wesentlich zum innerstädtische Klima und Wohlbefinden der Bewohnerinnen und Besucher Bonns bei.

Daher legt die Verwaltung großen Wert auf die gute Pflege der oft prägenden Bestandteile der Stadtgestaltung. Ein ganz entscheidendes Kriterium, dass ein Baum in nicht immer baumfreundlichen urbanen Umwelt überlebt, ist, dass er ausreichend mit Wasser versorgt wird.

In Zeiten großer Hitze und Trockenheit leidet das Stadtgrün besonders unter Wassermangel unter anderem als Folge von Grundwasserabsenkungen, Bodenverdichtungen, Bodenversiegelungen. Daher hilft die Stadt Bonn auch mit Wässern nach. An der Oscar-Romero-Straße zum Beispiel, bei jungen Spitzahornen, die dort im vorigen Jahr gepflanzt wurden. Im Auftrag gießt dort ein Garten- und Landschaftsbauunternehmen die Jungbäume. Bei einem Ortstermin am Dienstag, 23. August 2022, erläuterte Dieter Fuchs, Leiter des Bereichs Stadtgrün im Amt für Umwelt und Stadtgrün, gemeinsam mit Kollegin Ute Odenthal, wie wichtig es ist, den Stadtbäumen bei Trockenheit zu helfen, aber auch, wo dem Bewässern Grenzen gesetzt sind.

Wurzeln müssen in die Tiefe gelockt und die Bäume zur Selbstversorgung erzogen werden

„Bereits seit Mai dieses Jahres haben wie eine deutlich zu trockene Witterung. Dazu kamen und kommen überdurchschnittliche Temperaturen und Sonnenstunden, so dass die Böden stark ausgetrocknet sind“, beschreibt Dieter Fuchs die aktuelle Situation. Damit gleicht diese dem Dürrejahr, das Deutschland bereits 2018 erlebt hatte.

Eine ausreichende Wasserversorgung ist aber essenziell für das Gedeihen der Stadtbäume. Das vorrangige Ziel muss es daher sein, die Wurzeln – beispielsweise durch entsprechendes Substrat und einen geeigneten Bodenaufbau – in die Tiefe zu locken und den Baum zu ertüchtigen, sich eigenständig mit Wasser zu versorgen, um sich dadurch am Standort zu akklimatisieren.

„Da Wasser ein teures Gut ist und die Bäume zur Selbstversorgung erzogen werden müssen, lautet unser Motto immer ‚So viel wie nötig, so wenig wie möglich‘, sollte eine zusätzliche Bewässerung erforderlich sein“, betont Fuchs, der auch Leiter des Arbeitskreises Stadtbäume der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) ist.
Hauptbedarf an Wasser liegt zwischen März und Juni

Bienenbäume wie hier auf einem Kinderspielplatz brauchen in Trockenzeiten Wasser, um Nektar für Blütenbesucher zu produzieren. (Foto: Klaus Maresch)
Bienenbäume wie hier auf einem Kinderspielplatz brauchen in Trockenzeiten Wasser, um Nektar für Blütenbesucher zu produzieren. (Foto: Klaus Maresch)

Bei zusätzlichen Wässerungen muss der Fokus auf den Jungbäumen liegen, da sich diese noch nicht eigenständig ausreichend mit Wasser versorgen können. Ein alter Baum kommt in der Regel ohne zusätzliche Wässerungen aus. Um eine Bewässerung von Bäumen sinnvoll zu organisieren, muss man wissen, dass der Hauptbedarf an Wasser grundsätzlich in den Monaten März bis Juni liegt. Trockenperioden danach werden besser verkraftet, da dann auch die Zeit des Hauptwachstums vorüber ist.

Ein wichtiger Aspekt ist auch, wieviel Wasser im Boden wirklich für die Pflanze verfügbar ist. Dies ist je nach Bodenart unterschiedlich. So kann man schätzungsweise davon ausgehen, dass in gesättigten Sandböden rund 130 Liter pro Kubikmeter gespeichert werden können. In so genannten Schluffböden, das sind sehr feinkörnige Böden, sind es rund 250 Liter pro Kubikmeter. Tonböden können etwa 100 Liter pro Kubikmeter an Wasser halten.

Durchschnittlich braucht ein Jungbaum wöchentlich rund 100 Liter Wasser, um ausreichend gedeihen zu können. Theoretisch hochgerechnet wären für einen gesunden Großbaum alle 14 Tage etwa 20.000 Liter Wasser notwendig. „Dies verdeutlicht, dass eine Wässerung eines Großbaumes, neben der zweifelhaften Notwendigkeit, fast unmöglich ist“, sagt Ute Odenthal aus dem Baubereich der Abteilung Stadtgrün und unter anderem zuständig für die Pflege des Grüns. Große und ältere Bäume sollten daher auch von Anwohnern nicht gegossen werden. Die Wurzeln älterer Bäume reichen tief in den Erdboden und breiten sich sehr weit aus. Als Orientierung: der Wurzelbereich entspricht in etwa dem Kronendurchmesser. Die Bäume nehmen ihr Wasser aus tiefen Erdschichten auf. Gießwasser erreicht in solchen Fällen kaum den Bereich, in dem es die Wurzeln des Baumes aufnehmen könnten.

Bewässerung bleibt auf junge Straßenbäume beschränkt

Derzeit beträgt die übliche Pflege durch Unternehmer vier Jahre. Wenn sich die Temperaturen allerdings im Rahmen der klimatischen Entwicklung weiterhin erhöhen, muss eine generelle Verlängerung der Entwicklungspflege erfolgen. Je nach Standort und Witterung können Wässerungen auch noch bis zum zehnten Standjahr erforderlich werden. Ziel ist es, dass ein Baum spätestens nach dieser Zeit in der Lage sein muss, sich selbst ausreichend mit Wasser zu versorgen.

Grundsätzlich wird eine Bewässerung auf die jungen Straßenbäume beschränkt bleiben. In Grünanlagen und auf Grünflächen sind Bewässerungen nur im Einzelfall möglich, in den Stadtwäldern überhaupt nicht.

Die Wässerung von Jungbäumen kann auch über Wassersäcke erfolgen. Bei Füllmengen von 55 bis 100 Litern wird das Wasser über kleine Öffnungen am Grund des Wassersacks tröpfchenweise in den Boden abgegeben. Da das Wasser sehr langsam im Ballenbereich versickert, steht es dem Baum vollumfänglich zur Verfügung. Dieses System hat sich insbesondere bei Hanglagen bewährt oder in dem Fall, wenn kein Gießrand, den die Stadt Bonn bevorzugt, eingebaut werden kann.

„Allerdings besteht die Gefahr, dass bei konstanter Feuchte im oberen Boden die Wurzelentwicklung nicht in die Tiefe gelenkt wird und sich teilweise Pilzbewuchs unter den Säcken bilden kann“, gibt Fuchs zu bedenken. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass oftmals nicht der gesamte Ballen befeuchtet wird. Hinzu kommt, dass die Säcke im Herbst abgeräumt, gesäubert und gelagert werden müssen. Sie sollten daher also nur in besonderen Fällen ausnahmsweise eingesetzt werden.

Grenzen der Bewässerung: Embolie im Baum

Bei allen Anstrengungen gibt es aber auch physiologische Grenzen bei der Bewässerung von Bäumen. Bei Temperaturen von über 45°C setzt bei vielen Bäumen der Wassertransport aus, da der Verdunstungssog in den Blättern so stark werden kann, dass die feinen, durch Kohäsion zusammengehaltenen, Wasserfäden in den Leitungsbahnen reißen und Luft eintreten kann. Es entsteht eine meist irreversible Embolie, der Baum vertrocknet selbst bei ausreichender Bewässerung.

Bürgerinnen und Bürgern, die die Stadtbäume unterstützen möchten, rät Fuchs: „Auch wenn wir die Jungbäume wässern, freuen sich diese bei besonders heißen Temperaturen über zusätzliches Wasser.“ Dabei gilt – lieber einmal zehn Gießkannen als zehnmal eine. „Das heißt, geben Sie diese Menge lieber einmal die Woche komplett, als jeden Tag ein bisschen. Das Wasser kann dann in tiefere Erdschichten sickern. Bei geringen Wassergaben besteht die Gefahr, dass ein Großteil des Wassers bereits an der Oberfläche verdunstet“, so der Baumexperte.

Weitere Informationen auch unter www.bonn.de/stadtbaeume.

Klaus Maresch

Klaus Maresch, geb. 1967, beschäftigt sich seit frühester Jugend mit Bienen und blütenbesuchenden Insekten und betrieb als Berufsimker bis 2016 die Bioland-Imkerei Honighäuschen. Heute noch aktiv, um im Raum Bonn und Rhein-Sieg bei Problemen mit Wespen, Hornissen, Wildbienen und Hummeln zu beraten und Nester gegebenenfalls umzusiedeln.

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