Blick auf Brut in allen Stadien im Innern des Hornissennestes. (Foto: Klaus Maresch)

Hornisseninvasion? Was ist bloß mit der guten alten ZEIT los?

Wir Imker wundern uns schon länger, im Winter erschien in der einstmals als Hort der Intellektuellen bekannten ZEIT ein Artikel, der die Bedenken der Imker angesichts der Grünen Gentechnik ins Lächerliche stellte und süffisant sowie Tatsachen verdrehend den als Spezialität geschätzten Wald- und Tannenhonig aus bayerischen Wäldern als „von an den Hintern der Läuse nuckelnden Bienen“ entstanden beschreibt.

Vor einiger Zeit erschien in der Redaktion Wissen von ZEIT Online ein weiterer Artikel, nach dessen Lektüre man sich nicht nur als Imker zu Recht fragen muß, ob in dieser Redaktion fachlich versierte, von den Naturwissenschaften angehauchte Redakteure ihrem Handwerk nachgehen.

Die Bioinvasion

Eine Hornisse im Flugloch des Nistkastens behält die Umgebung des Nestes im Blick

Unter der Überschrift „Bioinvasion – Stich in die Wabe“ erschien am 22. Februar ein Artikel, der wahre Horrorszenarien in Frankreich skizzierte und in seiner Schlußaussage sogar meint, vor einem Urlaub in Frankreich warnen zu müssen.

Doch der Reihe nach. Tatsächlich ist seit einigen Jahren im Südwesten Frankreichs das Vorkommen der asiatischen Hornisse Vespa velutina dokumentiert, die aus Asien eingeschleppt wurde. Das Klima in ihrer natürlichen Heimat ist dem mitteleuropäischen Klima ähnlich und so konnte sich Vespa velutina parallel zur europäischen Hornisse Vespa crabro etablieren und ausbreiten. Übrigens, liebe Zeit-Redaktion, die europäische Hornisse hört auf den Namen Vespa crabro und nicht Vespa cabra – Frank Capra hat bei unseren Hornissen keineswegs Pate gestanden, fragen Sie mal im Feuilleton nach, wer das war…
Und es geht munter weiter mit der Tatsachenverdrehung und oberflächlichen Recherche. Die „orientalischen Viecher“ (Vespa velutina) werden verglichen mit der einheimischen, auch in Deutschland bekannten Hornisse Vespa crabro und sollen riesig sein, mit Flügelspannweiten von sieben Zentimetern und Körperlängen von bis zu fünf Zentimetern. Im Vergleich: Die nestgründenden Königinnen von Vespa crabro erreichen maximal vier Zentimeter, das Arbeitspersonal der Hornisse liegt bei um die zwei, zweieinhalb Zentimeter.

„Die überdimensionierten Velutina-Hornissen“ sind tatsächlich von der Größe her eher mit der ebenfalls in Mitteleuropa ansässigen Mittleren Wespe Dolichovespula media vergleichbar, also deutlich kleiner als die bekannte europäische Hornisse.
Da scheint die Redakteurin irgendwo im Internet recherchiert zu haben und ist über die Asiatische Riesenhornisse Vespa mandarinia gestolpert, die nun tatsächlich die Größe erreicht, die sie den „orientalischen Viechern“ zuschreibt. Ist ja irgendwie alles dasselbe, diese Viecher. Bienen, Hummeln, Wespen und Hornissen – die stechen eigentlich ja nur und wer braucht die eigentlich – dieser Gedankengang scheint sich durch den Artikel zu ziehen.

Panik vor Hornissenschwärmen?

Die Filialisierung ist in vollem Gange. Im Nistkasten haben die Arbeiterinnen die erste Wabe erweitert und die Königin ist eingetroffen. Erste Eier sind sichtbar. (Foto: Klaus Maresch)

Die Redakteurin schreibt dann auch sofort von der Panik vor den Riesenhornissen, die sich weit eher als die Hornissenschwärme auf dem europäischen Festland ausbreiten dürfte. Sie trägt ja auch direkt dazu bei und bezieht sich in ihrem Artikel mehrfach auf die britische Sun und den Daily Telegraph. Und auch da reibt man sich die Augen – würde sich die FAZ auf einen Artikel in der Bildzeitung berufen, um vor etwas zu warnen? Übrigens, Hornissen schwärmen auch nicht, wie es die Bienen tun. Hin und wieder zieht eine Hornissenkolonie innerhalb einer mehrwöchigen Phase aus Platzgründen um, um an anderer Stelle ein neues Nest zu bauen. Aber Schwärme wie bei den Bienen, wo mehrere zehntausend Arbeiterinnen mit einer Königin ausziehen, um an anderer Stelle eine weitere Kolonie zu gründen, gibt es bei Hornissen nicht.
Aber schauen wir uns diesen Artikel über „die überdimensionierten Velutina-Hornissen“ weiter an. Die Redakteurin schreibt die Ausbreitung der Vespa velutina ihrer Lieblingsspeise zu, den in der französischen Region Aquitanien reichlich vorkommenden Honigbienen und da heißt es dann auch gleich: „…, schafft es eine Handvoll der Riesenhornissen doch, einen Bienenstock mit vielen Tausend Honigproduzenten innerhalb kürzester Zeit zu vernichten.“ Auch hier wieder nur oberflächlich recherchiert und ein bekanntes Verhalten der Vespa mandarinia einfach auf die viel kleinere Vespa velutina übertragen. Stimmt so leider nicht und auch die französischen Imker wissen nichts davon. Da ist es doch gut, wenn die ZEIT den wißbegierigen Leser und unwissenden Imker aufklärt. Ohne die ZEIT hätte man gar nichts von der Gefahr erfahren, in der harmlose Touristen und französische Bienen schweben. Tatsächlich ist es so, daß gelegentlich Arbeiterinnen der Vespa velutina vor Bienenstöcken lauern und die eine oder andere Honigbiene jagen. Das macht auch unsere einheimische Hornisse und richtet keinen größeren Schaden an. Den Schaden, den die organisierte Landwirtschaft mit ihren Pestiziden an unseren Bienen anrichtet, da kommt eh keine Hornisse mit. Aber das ist ein anderes Thema.

Hornissen sind harmlos

Wir Imker schätzen die einheimische Hornisse auch schon eher dahingehend, daß sie eben auch auf die manchmal lästigen kleineren Wespenarten Jagd macht, die den Bienen übrigens genauso auf den Wecker gehen wie frühstückenden Garten- und Balkonbesitzern.
Beim Jagen zeigt Vespa velutina sogar ein Revierverhalten, d.h. es werden keine weiteren Jäger der Vespa velutina im Revier des gerade jagenden „orientalischen Vieches“ geduldet. Von koordinierten Angriffen, wie es die Imker in Korea und Japan von der Asiatischen Riesenhornisse kennen, ist bei der Vespa velutina nichts bekannt. Anscheinend weiß die Redakteurin da mehr als Vespa velutina…

Panikmache bei Frankreichurlaubern
Aber die Redakteurin stößt noch tiefer ins Horn der Panikmache, denn 85 fußballgroße Nester hat der französische Entomologe Jean Haxaire auf einer 40 Meilen Strecke zwischen Marmande und Podensac gefunden. Daraufhin folgert sie auch gleich, daß es in ganz Aquitanien Tausende Kolonien sein müssen.
Es mag eine Überraschung sein, aber in Deutschland braucht es keine 40 Meilen, um 85 Wespennester zu finden. Eine Umfrage unter deutschen Hausbesitzern in einer mittleren Großstadt wie Bonn mit der Bitte, im Spätherbst einen Blick auf den Dachboden, in Rolladenkästen und Mauselöcher zu werfen, wird Hunderte von Nestern verschiedener Wespenarten zutage fördern. Darunter solche der Deutschen und der Gemeinen Wespe, die deutlich größere Kolonien als V. velutina bilden können mit bis zu zehntausend Tieren. Ihnen allen gemeinsam ist es, daß die Nester zum Winter hin aussterben, zum einen aufgrund der Kälte, zum anderen aufgrund mangelnder Nahrung und weil die nestgründende Köngin stirbt. Mehrjährige Kolonien verschleppter Wespenarten sind nur aus Neuseeland und einigen US-Bundesstaaten bekannt, wo es in manchen Regionen ein sehr mildes Klima samt ganzjährigem und ausreichendem Nahrungsangebot gibt.

In ihrem Schlußabsatz gibt die Redakteurin den Rat, sich gründlich über das richtige Verhalten gegenüber Bienen und Hornissen zu informieren. Dafür gibt es Imker – vielleicht hätte sie vor dem Verfassen dieses Artikels mal einen Imker kontaktieren sollen und nicht die Sun. Und die Redakteurin fordert auf, das eigene Gepäck sorgfältig zu durchsuchen – schließlich wären wir Imker über eine eingeschleppte Hornissenplage kaum erfreut. Nun ja, aufgrund der Klimabedingungen in ihrer Heimat wird sich Vespa velutina irgendwann in den nächsten Jahren auch in Deutschland problemlos etablieren können. Auch hier wieder ein künstlich aufgebauter Zusammenhang mit dem Klimawandel, der so nicht stimmt. Vespa velutina braucht den Klimawandel nicht, um sich in Frankreich/Spanien und Deutschland etablieren zu können. Vespa mandarinia könnte hier übrigens auch überleben, diese nun wirklich auch für Bienen gefährlichere Großwespe überdauert die kalte, schneereiche Zeit des japanischen Winters als überwinternde Königin im frostsicheren Erdquartier (wie unsere Wespen und Hornissen)

Aber wir Imker haben nicht wirklich Angst davor, daß Vespa velutina eine Gefahr für unsere Honigbienen darstellt. Eher machen wir uns Sorgen über schlecht recherchierte und die Panik vor Bienen und Hornissen anheizende Beiträge oder über tendenziöse Artikel, die die Risiken der Grünen Gentechnik für unsere Bienen schönreden. Und das, was die Landwirtschaft mit ihren Pestiziden und Monokulturen bei unseren Bienen (und deren Verwandten) anrichtet, schafft noch nicht einmal die asiatische Riesenhornisse Vespa mandarinia japonica…
Liebe Urlauber, fahrt in Ruhe nach Frankreich und genießt die wunderschöne Natur mit ihren Lavendelfeldern samt Bienen und Hornissen. Ein größeres Risiko als in Deutschland im eigenen Garten oder Biergarten von einer Biene, Wespe oder Hornisse gestochen zu werden, besteht auch in Frankreich nicht.

In eigener Sache
Unseren Bienenstand auf dem Drachenfels mit seinen 25 Bienenvölkern und Hornissenkolonien besuchen jährlich Tausende Touristen, Wanderer und Naturfreunde. In 5 Jahren konnten bei Führungen, d.h. direkter Kontakt mit den etwa 1,2 Millionen Bienen dieses Standes, insgesamt 12 Stiche bei Besuchern verzeichnet werden. Sogar Allergiker dürfen und sollen diese Harmlosigkeit der Bienen erleben, denn die – wenn auch aufgrund der Allergie – berechtigte Angst vor einem Stich macht es nur schlimmer.
Dafür haben wir im Spätsommer Besucherschlangen an einem lebenden Hornissennest, welches sich problemlos bis ins Nestinnere fotographieren läßt – noch nie gab es Attacken – nur aufmerksame Mütter (Hornissenarbeiterinnen), die dem natürlichen Instinkt jeder Mutter folgten, die ihren Nachwuchs beschützen will. Und wer sich einer solchen Kinderstube mit Respekt und mit friedlichen Absichten nähert, hat in den seltensten Fällen mit Sanktionen zu rechnen.

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