Schlagwort-Archive: Mittlere Wespe

Zwei Wespenarten sorgen für einen schlechten Ruf

Ein Wespennest einer der beiden problematischer Wespenarten in der Kindertagesstätte Ennertzwerge in Bonn (Foto: Klaus Maresch))
Ein Wespennest einer der beiden problematischer Wespenarten in der Kindertagesstätte Ennertzwerge in Bonn (Foto: Klaus Maresch))

Leipzig (AFP) – Ein Wespennest im Rollladen, auf dem Dachboden oder in der Erde empfinden viele Menschen als störend oder bedrohlich. Manche versuchen, die Nester der in Deutschland vorkommenden Wespenarten selbst auszuräuchern, was jüngst im rheinland-pfälzischen Germersheim und im thüringischen Hundeshagen Dachstuhlbrände zur Folge hatte. Oder sie rufen die Feuerwehr, um Wespen- oder Hornissennester entfernen zu lassen. Doch die Feuerwehr schreitet nur in Ausnahmefällen ein. Wespen und Hornissen stehen unter Schutz. Fragen und Antworten:

SIND ALLE WESPENARTEN GEFÄHRLICH?

Nein. Allerdings wird der Nestbereich von den Insekten verteidigt, notfalls durch Stechen. Für den Menschen problematisch sind in Deutschland dem Umweltverband Nabu zufolge eigentlich nur zwei Arten – die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Sie brachten den Wespen den schlechten Ruf überhaupt erst ein. Denn sie tummeln sich gern dort, wo es Leckerbissen gibt wie Grillfleisch und Wurst sowie Eis oder andere zuckersüße Sachen.

Weil die Wespen aufdringlich sind und Menschen meist hektisch umfliegen, werden sie als aggressiv empfunden. Dabei wollen die Wespen aller Wespenarten eigentlich nur scharf sehen und sind weder aufgeregt noch stechlustig. Die Tiere sehen auf kurze Entfernungen schlecht und kompensieren das durch hohe Fluggeschwindigkeit. Weder ein Herumfuchteln noch Wegpusten der Tiere ist ratsam: Das im Atem enthaltene Kohlendioxid gilt im Wespennest als Alarmsignal.

WIE UNTERSCHEIDEN SICH DIE NESTER?

Ein Nest der harmlosen und recht friedlichen Mittleren Wespe (Foto: Klaus Maresch)

Die Nester der harmloseren Wespen sind dem Umweltverband BUND zufolge meistens grau, frei hängend, bis fußballgroß oder im Fall der Feldwespen offen gebaut. Ab Mitte August sind die Behausungen zumeist verlassen. Die Nester der beiden aggressiveren Arten bestehen aus muschelförmig aufgebauten Lufttaschen und sind hellbraun oder grau. Sie können bis in den Winter besiedelt sein.

KANN DIE FEUERWEHR WESPENNESTER ENTFERNEN?

Grundsätzlich sind die Feuerwehren dafür nicht zuständig. Ein Einsatz ist nur im Ausnahmefall möglich, wenn eine ausdrückliche Gefahr für Leib und Leben oder die öffentliche Sicherheit besteht. Das betrifft zum Beispiel Krankenhäuser, Kindergärten und Altenheime.

Der Bekämpfung störender Nester aller Wespenarten sind zudem Grenzen gesetzt, denn Wespen sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Ihr Nest darf nicht zerstört werden. Außerdem stehen bestimmte Wespenarten wie die Hornisse unter einem besonderen Schutz.

WER SIEDELT EIN NEST UM?
Nicht nur ein Wespennest im Küchenschrank, der Hausbsesitzer konnte gleich zwei Wespennester im Schrank zeigen (Foto: Honighäuschen)

Betroffene wenden sich am besten an Umweltämter, die Naturschutzbehörden der Städte und Landkreise, an örtliche Naturschutzorganisationen oder professionelle Schädlingsbekämpfer. Für eine giftfreie Umsiedlung werden die Tiere in einem Fangkasten eingesaugt, das Nest wird abgeschnitten und beides weit entfernt wieder zusammengeführt. Je nach Aufwand sind für das Beseitigen eines Wespennests nach Angaben von Verbraucherexperten Preise zwischen 80 und 150 Euro üblich.

BLEIBEN DIE WESPEN IM NEST?

Nein. Im Herbst hat sich das Problem meist von selbst erledigt. Die Wespen aller Wespenarten überwintern als Einzeltiere und geben ihr altes Nest auf, um im Frühjahr ein neues zu gründen. Wespen besiedeln laut BUND übrigens keine verlassenen Nester und bauen auch keine neuen in unmittelbarer Nachbarschaft eines alten. Deshalb rät der Umweltverband, verlassene Wespennester hängen zu lassen.

hex/cha

© Agence France-Presse

Wespen im Dach, Wespenbekämpfung im Rollokasten und kein Ende in Sicht

Eine völlig harmlose Feldwespen-Kolonie. Kein seriöser Schädlingsbekämpfer wird hier eine Wespenbekämpfung vornehmen, denn Feldwespen sind harmlos und errichten nur ein sehr kleines Wespennest. (Foto: Honighäuschen)

HONIGHÄUSCHEN (BONN) – Eine Wespen-Saison und Nachfrage nach Wespenbekämpfung wie diese ist mir in dreißig Jahren Imkerei noch nicht untergekommen. Was bei uns an Anrufen und Hilferufen im Bundeslurch Verlag sowie Beratungen rund um das Thema Wespen, ob es nun ein Wespennest der Deutschen Wespe im Garten oder im Rollokasten, in Kindergärten und Schulen, eine harmlose kleine Kolonie der Feldwespe auf der Terrasse ist, gefühlt ist es so, dass der halbe Rhein-Sieg-Kreis und die Stadt Bonn bei in den letzten Wochen bei uns anfragte und Hilfe oder zumindest Beratung brauchte.

Es gab bis jetzt rund 160 Einsätze, darunter Wespenbekämpfung oder auch nur Beratung im Umgang mit Wespen und Hornissen vor Ort, die telefonischen Beratungen im Umgang mit Wespen und Hornissen nicht gezählt, teilweise bis spät in die Nacht. Dazu kamen – wenn auch teilweise selber initiiert – mehr als ein halbes Dutzend Berichterstattungen im General Anzeiger Bonn, im Express, bei Radio Bonn Rhein Sieg, bei RPR 1, Sat 1, RTL Aktuell und RTL 2. Die mediale Arbeit ist immer zweischneidig, einerseits bekommt man den Leser und Zuschauer dahin, dass er nicht ganz so hysterisch reagiert, wenn mal eine Wespe am Kaffeetisch auftaucht oder Hornissen sich auf dem Dachboden ansiedeln. Aber es hat auch ein erhöhtes Aufkommen an Anrufen zur Folge.

Skurrile und schräge Geschichten bei der Wespenbekämpfung

Eine Gardinenstange tut es auch während der Filialisierung eines Hornissennestes (Foto: Klaus Maresch)

Und es ergeben sich auch skurrile Geschichten. Da ist der Kunde, der ein Hornissennest an der Gardinenstange im Gästezimmer vorfindet und es behalten will. Ein Fenster eines Gästezimmers stand auf Kipp und Hornissen hatten die Gardinenstange als ideal für den Neubau eines Hornissennestes eingestuft.Manchmal ziehen Hornissen um, wenn es ihnen am Ursprungsort zu eng wird, beispielsweise in einem Meisenkasten. Einzelne Hornissen gehen dann auf Suche und errichten an einem neuen Ort eine sogenannte Filiale und binnen weniger Wochen zieht die gesamte Kolonie um. Ein solcher Fall ereignete sich in Endenich und die Besitzer des Gästezimmers entschieden sich, die Hornissen zu tolerieren und stellten lediglich eine Katzentoilette unter das Hornissennest.

Acryl im Ohr und eine Wespenbekämpfung in Wesseling

Wespennest im Rollokasten – Hier ist eine Wespenbekämpfung sinnvoll und angebracht. (Foto: Honighäuschen)

Es gab auch einen schrägen Unfall, der glücklicherweise einigermaßen glimpflich abging. Eine Kundin, die bei einer Wespenbekämpfung am Haus unten neben der Leiter stand, wurde gestochen – sowas kommt vor. Allerdings hielt sie eine Pistole parat mit einer Acrylkartusche, denn nach der Bekämpfung sollte das Loch in der Fassade, durch das die Wespen ein und ausflogen, geschlossen werden. Eine Wespe stach sie und reflexartig schlug sie zu. Allerdings rammte sie sich dabei die Pistole mit der Spitze der Acrylkartusche ins Ohr und schaffte es, das Trommelfell mit Acryl in Kontakt zu bringen. Die normale Notaufnahme des Wesselinger Krankenhauses konnte nicht helfen und so ging es noch spät in der Nacht in eine HNO-Klinik, wo das Trommelfell gereinigt wurde. Die behandelnden Ärzte haben nun eine Geschichte mehr für den Fortsetzungsroman „Seltsame und völlig unwahrscheinliche Unfälle im Haushalt“.

Warum gibt es dieses Jahr soviele Wespennester?

Schon im Frühjahr war abzusehen, dass es dieses Jahr ein erhöhtes Aufkommen an Wespennestern in der Region Bonn und Rhein-Sieg sowie dem weiteren Rheinland geben würde. Das Frühjahr verlief optimal, es gab keine längeren Regenperioden oder gar Spätfröste. Somit konnten viele Hornissen- und Wespenköniginnen eine Kolonie gründen. Der bisherige Verlauf des Sommer mit seinen hohen Tempoeraturen läßt die Wespennester dann sehr stark wachsen, denn die Wärme und das große Nahrungsangebot trägt zur optimalen Versorgung eines Wespennestes der Deutschen Wespe oder der Gemeinen Wespe bei. Diese beiden Wespenarten sind dafür bekannt, Wespennester zu errichten, in denen schon einmal 3.000 bis 10.000 Wespen leben können.

Der Höhepunkt der Wespensaison kommt noch.

Ein Wespennest der Sächsischen Wespe in einer Gardine ist auch nicht gerade alltäglich. (Foto: Honighäuschen)

Die sehr friedliche Sächsische Wespe hat ihren Zyklus bereits beendet, die Nester der ebenfalls friedlichen Mittleren Wespe sind nicht ganz so auffällig, aber die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe erreicht erst im August und September ihren Höhepunkt. Wenn die erste Urlaubswelle vorbei ist, und die heimkehrenden Urlauber Wespennester in Rollokästen, Gärten und im Dachbereich entdecken, geht es erfahrungsgemäß weiter mit den Hilferufen. Baumärkte und Gartencenter berichten, dass die Mittel zur Wespenbekämpfung vielerorts ausverkauft sind.

Wo ist das Wespennest, welche Wespenart ist aktiv und geht ohne Wespenbekämpfung eine echte Gefährdung davon aus?

Das sind die Punkte, deren Antworten darüber entscheiden, ob eine Wespenbekämpfung notwendig ist oder das Wespennest toleriert werden kann und sollte, denn Wespen haben auch eine für uns wichtige Funktion. Sie ernähren ihre Brut mit den Fleisch erbeuteter Fliegen, Bremsen und anderer Insekten und das ist nicht wenig.

Ein weiterer Punkt sollte bei der Beratung zum Thema Wespenbekämpfung eine Rolle spielen. Ein seriöser Schädlingsbekämpfer wird Ihnen immer eine ordnungsgemäße Rechnung für diese Dienstleistung ausstellen und vorher festlegen, was die Wespenbekämpfung oder Beratung vor Ort kostet. Oder ob eine Umsiedlung infrage kommt. Und gegebenenfalls wird er auch einen Auftrag ablehnen, wenn nur unbegründete Hysterie im Spiel ist.