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Mit den richtigen Gehölzen ist jeder Tag „Tag der Biene“

Auf einen guten Pflanzenmix aus Bäumen, Sträuchern, Stauden und Blumen kommt es an

Eine Bienen beim Sammeln vom Nektar auf einer Dolde des Bienenbaums Tetradium hupehensis (Foto: Klaus Maresch)
Eine Bienen beim Sammeln vom Nektar auf einer Dolde des Bienenbaums Tetradium hupehensis (Foto: Klaus Maresch)

Berlin (ots) – Morgen ist UN-Weltbienentag: Sandbienen, Steppenbienen, Langhornbienen und natürlich Honigbienen – sie alle spielen im Naturkreislauf eine wichtige Rolle. Doch viele Honig- und Wildbienen sind mittlerweile in ihrem Überleben bedroht. Krankheitserreger wie die Varroa-Milbe, Monokulturen in der Landwirtschaft und der Klimawandel sind mögliche Ursachen. Auch wenn es schwierig ist, konkrete Lösungsansätze zu finden. Kann doch jeder Einzelne mit seinem Garten, seiner Terrasse oder auch nur einer Fensterbank dazu beitragen, den Bienen und anderen Insekten Nahrung zu bieten.

Bienen brauchen auch im Frühjahr und im Herbst Nahrung, nicht nur im Sommer, wenn die meisten Blumen blühen. Und sie brauchen mehr als Wildblumen, um wirklich satt zu werden. Nur ein Mix aus verschiedenen Pflanzen liefert genügend Nektar und Pollen.

Weine Wildbienen-Paarung, hier die Frühjahrsseidenbiene. (Foto: Honighäuschen)
Weine Wildbienen-Paarung, hier die Frühjahrsseidenbiene. (Foto: Honighäuschen)

Eine Kombination aus Bäumen, Sträuchern, Stauden und Blumen bietet wirkliche und nachhaltige Unterstützung für die Bienen und andere Insekten. Geachtet werden sollte dabei auf eine übers Jahr verteilte, lange Blühzeit im Garten oder auf dem Balkon. Optimal ist natürlich, wenn die Pflanzen gleichzeitig einen Mehrfachnutzen erbringen. Also nicht nur den Bienen dienen, sondern z. B. auch noch Früchte tragen, Nahrung für den Menschen liefern oder auch einfach die Gärten schmücken.

Starten kann man das „Bienenjahr“ mit Winterjasmin, der oft schon mitten im Januar und im Februar blüht. Er liefert nicht nur erste Nahrung für die Insekten, sondern setzt auch strahlend gelbe Farbakzente in den sonst noch farblosen Garten. Gleich danach übernehmen die Mahonien aus der Familie der Berberitzen ihren Dienst als eine der ersten wichtigen Bienenweiden des Jahres. Diese attraktiven Ziergehölze bieten zusätzlich einen Rückzugsort für andere Lebewesen sowie ganzjährigen Sichtschutz durch ihre immergrüne Belaubung. Im April setzt dann die Blüte der Kirsch- und Apfelbäume ein, die nicht nur Bienen nähren und schön anzusehen sind, sondern später auch wohlschmeckende Früchte tragen. Später im Gartenjahr liefern neben vielen Blumenarten und diversen Kräutern z. B. Wilder Wein als attraktives Klettergehölz oder der schöne Halbstrauch Ysop Pollen und Nektar für die Insekten.

Der Bienenbaum ist die Tankstelle schlechthin für Bienen und andere blütenbesuchende Insekten. Foto: Honighäuschen)
Der Bienenbaum ist die Tankstelle schlechthin für Bienen und andere blütenbesuchende Insekten. Foto: Honighäuschen)

Aber nicht nur Nahrung spendende Blumen sind wichtig, da auch Sträucher, Gehölze und Bäume oft vor den Blumen blühen und für die im Garten lebenden Tiere eine sehr wichtige Rolle übernehmen. Der – ursprünglich nicht heimische – Amberbaum bietet einen guten Rückzugsort für Vögel und ganz „nebenbei“ auch eine wunderschöne Herbstfärbung. Die Blüte ist daher nur eine Seite. Manche Gewächse stellen vielleicht nicht so viel Nahrung bereit, bieten dafür aber den notwendigen Schutzraum für verschiedenste Tiere. Und manche Bäume sind vielleicht ursprünglich nicht in Europa zu Hause, liefern aber sehr viel Nektar. Hier glänzt beispielsweise Euodia – aus gutem Grund auch Bienenbaum genannt, da er im August und September den Bienen fast unendlich viele Pollen und Nektar beschert. Dies ist insbesondere notwendig in der Zeit, in der die Bienen sich langsam auf den Winter vorbereiten.

Ein Bienenschwarm in Lannesdorf (Foto: Honighäuschen)
Im Garten der Familie Dresen in Lannesdorf war ein Bienenschwarm gelandet und hatte sich einen alten Apfelbaum als Aufenthalt ausgesucht. (Foto: Honighäuschen)

Auch wer keinen Garten oder großen Balkon hat, kann viel für die Bienen tun und gleichzeitig selbst davon profitieren. Auf einem schmalen, sonnigen Fensterbrett gedeihen Kräuter wie Thymian und Rosmarin sehr gut. Sie tragen zarte und von Bienen gern besuchte Blüten und versorgen die heimische Küche gleichzeitig mit aromatischen Zutaten. Auf kleinstem Raum können auch Lavendel und Salbei blühen, die nicht nur von Insekten auf Nahrungssuche gern angeflogen werden, sondern auch schön und unverzichtbar als Heilkräuter sind. Und an der kleinen, aber für Bienen wichtigen Bartblume kann man sich praktisch überall erfreuen.

Ein gesunder Mix aus Sträuchern, Bäumen, Wiesen, Blumenbeeten ist eben immer das Allerbeste – für Mensch und Natur. Je mehr wir insgesamt in Pflanzenvielfalt investieren, desto gesünder und insektenfreundlicher werden unsere Gärten. Und schöner werden sie auch.

Klaus Maresch

Klaus Maresch, geb. 1967, beschäftigt sich seit frühester Jugend mit Bienen und blütenbesuchenden Insekten und betrieb als Berufsimker bis 2016 die Bioland-Imkerei Honighäuschen. Heute noch aktiv, um im Raum Bonn und Rhein-Sieg bei Problemen mit Wespen, Hornissen, Wildbienen und Hummeln zu beraten und Nester gegebenenfalls umzusiedeln.

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